Guter Tag in Japan: Zwei Menschen gerettet, Block 2 hat Strom

Tokio - Durchatmen am Horror-Reaktor Fukushima: Die Techniker machen erste echte Fortschritte. Durch Kabel in den Trümmern fließt Strom.

Der Kampf auf Leben und Tod gegen die Kernschmelze am japanischen Atomkraftwerk Fukushima zahlt sich aus. Technikern gelang es am Wochenende, die Reaktorblöcke 5 und 6 der havarierten Atomanlage zu kühlen und zu stabilisieren. Zudem sank die Temperatur in allen Abklingbecken nach Informationen der Nachrichtenagentur Kyodo. Sorge bereitete aber weiter die Kühlung des Blocks 3, wo die Brennstäbe aus hochgiftigen Plutonium-Uran-Mischoxiden (MOX) sind. Auch am Block 2 gelang es, Stromkabel zu legen. Große Sorgen bereiten dem Land immer mehr verstrahlte Lebensmittel.

Auch bei den Rettungsarbeiten gab es am 9. Tag nach der Katastrophe gute Nachrichten. Einsatzkräfte bargen am Sonntag eine 80-jährige Frau und ihren 16 Jahre alten Enkel aus einem zerstörten Haus.

Die Zahl der Toten und Vermissten stieg jedoch weiter: Mindestens rund 8400 Menschen seien bei dem Erdbeben der Stärke 9 und dem nachfolgenden Tsunami gestorben, teilte die Polizei nach Angaben des Fernsehsenders NHK mit. 12 272 gelten offiziell als vermisst. Die Katastrophe vom 11. März ist damit das größte Unglück in der Geschichte Japans seit dem Zweiten Weltkrieg.

Japan-Katastrophe: Bilder vom Wochenende

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Die Kühlung für die Reaktorblöcke 5 und 6 setzten dieTechniktrupps wieder in Gang. Zuvor war eine Notstromleitung zu dem Kernkraftwerk gelegt worden. Damit sei ein sogenannter “cold shutdown“ gelungen: Der ausgeschaltete Reaktor wurde wieder ausreichend gekühlt. Die Temperatur ist so niedrig, dass keine Gefahr mehr droht.

Gegen die mögliche Kernschmelze in Block 3 setzen die Helfer weiter vor allem auf Wasserwerfer. Rettungsmannschaften versprühten am Sonntag (Ortszeit) insgesamt 13 Stunden lang erneut Tonnen von Wasser, wie Kyodo berichtete. Zwischenzeitlich sei der Druck im Reaktor gefährlich hoch gestiegen

“Das war eine sehr gefährliche und schwierige Aufgabe“, sagte einer der beteiligten Feuerwehrmänner, Toyohiko Tomioka, auf einer Pressekonferenz. “Überall lagen Trümmer herum. Den Mitgliedern des Teams war die Gefahr der Verstrahlung sehr bewusst.“

Das japanische Fernsehen NHK berichtete breit über die alte Frau und ihren Enkel, die in der Stadt Ishinomaki aus ihrem Haus gerettet worden waren. Großmutter Sumi Abe und Enkel Jin Abe wirkten geschwächt, hätten jedoch auf Fragen der Polizei reagiert. Der Jugendliche soll an Unterkühlung leiden.

Fukushima: Das AKW, vor dem die Welt zittert

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Als die Erde bebte, seien Enkel und Großmutter in der Küche gewesen, berichtete der 16-Jährige Helfern im Krankenhaus. Seine Großmutter wurde unter schweren Möbelstücken eingeklemmt. Die beiden hätten sich dann von Joghurt und anderen Dingen, die in einem Kühlschrank lagen, ernährt. In den ersten Tagen hatte der Junge noch mit seiner Mutter telefonisch Kontakt. Erst am Sonntag gelang es ihm, sich aus den Trümmern des Hauses zu befreien und auf dem Dach nach Hilfe zu rufen. Ein Suchtrupp der Einsatzkräfte habe ihn entdeckt.

Die Zahl der Toten und Verletzten könnte nach Meldungen der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo noch weiter steigen: Der Polizeichef in der schwer getroffenen Präfektur Miyagi vermutet, dass allein dort 15 000 Menschen ums Leben gekommen sind. Direkt betroffen sind mindestens 12 der 47 Präfekturen in Japan, wie die Zeitung “Asahi Shimbun“ am Sonntag berichtete. Nach unterschiedlichen Angaben sind 360 000 bis 400 000 Menschen in Notunterkünften unterbracht. Sie leiden unter älte und mangelnder Versorgung mit dem Nötigsten.

Bergungsspezialisten des Technischen Hilfswerks (THW) kehrten unterdessen aus Japan zurück. Die 41 Frauen und Männer landeten am Samstagabend auf dem Flughafen Frankfurt. Mit an Bord waren 20 weitere Menschen aus sechs Ländern, darunter fünf Deutsche. Sie wurden in Frankfurt von Seelsorgern betreut.

Bei Milch und Spinat wurden erneut stark verstrahlte Produkte entdeckt. Diese Lebensmittel seien aber nicht in den Verkauf gekommen, sagte ein Regierungssprecher. Die Regierung wolle am Montag entscheiden, ob sie eine Verordnung zu entsprechenden Agrarprodukten erlasse. In der Präfektur Tokio und in weiteren Verwaltungsregionen wurde eine geringe Belastung des Trinkwassers mit radioaktivem Jod festgestellt. Das Gesundheitsministerium erklärte, davon gehe keine Gesundheitsgefahr aus.

Die anhaltende Kälte machte am Wochenende den Menschen in den Katastrophengebieten weiter zu schaffen. Vor allem die vielen Alten in den Flüchtlingslagern sind erschöpft. Zwar treffen allmählich Hilfsgüter ein und die Reparaturarbeiten, etwa an Gas- und Wasserleitungen, laufen. Doch oft mangelt es noch an ausreichend Heizöl und Öfen. Dem japanischen Sender NHK zufolge fehlen vielerorts Lebensmittel.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa/DigitalGlobe/Google

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