Die Debatte findet er "erschreckend"

Club-Türsteher: Anzugträger machen mehr Probleme als Flüchtlinge

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Türsteher müssen entscheiden, wer reindarf und wer nicht. Seit Silvester gilt das teils für Asylbewerber.

München/Hamburg - Nach den Vorkommnissen an Silvester hat sich die Clubszene verändert. Flüchtlinge generell nicht mehr in Diskotheken zu lassen, findet der Hamburger Türsteher Viktor Hacker aber nicht richtig. 

Verschiedene Maßnahmen von Club-Besitzern sorgen dieser Tage für Diskussionen. In Freiburg gab es ein Disco-Verbot für Flüchtlinge, und auch in Bad-Tölz wies ein Türsteher Asylbewerber am Eingang ab. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung spricht der Hamburger Türsteher Viktor Hacker über die Situation vor den Clubs.

Seit fast 30 Jahren ist Hacker Türsteher auf dem Kiez. Der 50-Jährige kann bejahren, dass sich seit der Silvesternacht mit den Geschehnissen von Köln die Stimmung verändert hat. "Es sind weniger Leute unterwegs und das Publikum ist anders zusammengesetzt", sagt er gegenüber der SZ. Frauen kämen nicht mehr allein oder zu zweit, immer sei mindestens ein Typ mit ihnen unterwegs. Der 50-Jährige selbst war an Silvester nicht vor einem Club, das macht er seit Jahren nicht mehr. "Die Stimmung ist mir da meistens zu gereizt", erklärt Hacker.

Flüchtlinge nicht mehr in Clubs zu lassen, ist nicht die richtige Lösung

Menschen mit Migrationshintergrund generell nicht mehr in Clubs zu lassen, wie in Freiburg, findet er nicht richtig. "Es erschreckt mich, wie polarisiert die Debatte inzwischen verläuft", sagt er. Er habe das Gefühl, dass Menschen, die sonst ihre rechte Gesinnung für sich behalten, sie jetzt voll rauslassen. Hacker selbst versucht, vieles zu hinterfragen. "Ich will nicht jeden schwarzhaarigen Mann sofort verdächtigen." Aber der 50-Jährige gibt zu, dass in der Realität viele misstrauisch auf Menschen aus einem anderen Kulturkreis reagieren. "Leider", fügt er hinzu.

Was aber entscheidet an der Tür zu einer Diskothek, ob jemand reindarf, oder nicht? Was für Hacker zählt, ist, ob jemand zu betrunken oder unfreundlich ist. "Wenn man aber anfängt, Leute auszusortieren, weil sie anders aussehen oder weil man auf Nummer sicher gehen will, dass drinnen im Club alles gut ist, schafft man selber eine ungute Atmosphäre", erklärt er. Hacker spreche die Menschen direkt an, um ihre Reaktionen zu sehen. Erst dann entscheidet er.

Frauen lassen sich seit Silvester nicht mehr alles bieten

Die Hamburger Türsteher kann nach den Vorkommnissen an Silvester eine Veränderung bei den Frauen auf dem Kiez erkennen. "Ich glaube, Frauen sind durch die Vorfälle von Silvester sensibler geworden für das allgemeine männliche Verhalten", sagt er. Sie lassen sich nicht mehr alles bieten - das findet der 50-Jährige gut. Leider würden aber zu viele einfach gehen, wenn sie belästigt werden, anstatt sich an den Türsteher zu wenden. 

"Die größten Probleme machen übrigens nicht Flüchtlinge, sondern Anzugträger über 30", erklärt er. "Das sind eigentlich gesetzte Typen, die gehen nicht mehr oft weg, aber wenn - dann wollen sie die Sau rauslassen. Und denken, sie können sich alles rausnehmen. Die tragen eine riesige Bugwelle von Selbstbewusstsein vor sich her und lassen sich nichts sagen."

nip

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