Schüler setzen sich ein

Referendarin rasselt erneut durch Prüfung - dann überrascht ihre Klasse die Schule

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Die Schüler setzen sich für ihrer Lehrerin ein.

Zwei Schulklassen haben sich für ihre gescheiterte Referendarin eingesetzt. Sie fiel zuvor wiederholt durch das zweite Staatsexamen.

Hanau - Das hätte so ein schöner, unbeschwerter Nachmittag sein können. Die Noten vergeben, keine Hausaufgaben mehr, die Ferien vor Augen. Doch dieses Treffen von Kimiya Shams mit den Schülerinnen und Schülern ihrer beiden Klassen 9a und 9b auf dem Freiheitsplatz in Hanau hat einen ganz anderen Hintergrund. Es geht um Solidarität.

Zwei Mal durch Staatsexamen gefallen

Denn Kimiya Shams, Referendarin an der Hanauer Tümpelgartenschule, ist bereits zum zweiten Mal durch das zweite Staatsexamen gefallen. Und damit ist ihre Schullaufbahn beendet - eigentlich. Doch das wollen die Jungen und Mädchen der 9a und 9b nicht einfach so hinnehmen. Seit Wochen schon kämpfen sie für „ihre“ Lehrerin, malen Plakate, beschriften T-Shirts, sammeln Unterschriften. Und erzählen der Frankfurter Rundschau*, warum „Frau Shams“ unbedingt ihre Lehrerin bleiben müsse.

„Frau Shams hat mich in Deutsch viel stärker gemacht. Sie hat uns immer Hoffnung gegeben, wenn wir mal am Boden waren“, erzählt Burak (17). „Eigentlich mag ich Englisch nicht, aber bei Frau Shams habe ich mich sogar getraut, Englisch zu sprechen“, berichtet Aleyna (15). „Sie hat immer gesagt, dass wir es schaffen können.“ Yazan (18) ist erst vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen. „Ich konnte gar kein Deutsch. Frau Shams hat mir ganz viel geholfen“, sagt er ohne hörbaren Akzent. „Ich bin stolz, dass sie meine Lehrerin war und hoffe, dass sie es bleibt.“

Und lange Zeit sah es auch wirklich gut aus. Das Erste Staatsexamen am Ende des Lehramtsstudiums hatte Shams mit der Note 2,2 bestanden, auch das Referendariat an der Tümpelgartenschule, einer verbundenen Haupt- und Realschule, lief gut. Nach Unterrichtsbesuchen gab es immer positive Rückmeldungen, die einzelnen Module während der Ausbildung wurden gut benotet. „Ich habe immer gedacht, ich kann das, Lehrerin sein“, sagt sie. „Ich fühle mich für diesen Beruf geboren.“

Referendarin besteht Prüfung nicht

Aber bei der Prüfung lief dann irgendetwas schief. Jedenfalls in den Augen der Prüfer. Zwei Unterrichtsstunden, eine in Deutsch und eine in Englisch, musste sie dafür halten. Was genau dabei so schlecht war, dass es nicht genügte, um zu bestehen, das will Shams jetzt mit Hilfe von Anwälten herausfinden. „Eigentlich wollte ich schon aufgeben, aber meine Schülerinnen und Schüler haben mir wieder Mut gemacht und jetzt werde ich weiter kämpfen“, sagt Shams.

Kurz nach der missglückten Prüfung haben sie im Klassenzimmer eine Überraschungsparty für sie organisiert und einen Pulli mit ihrer aller Namen bedrucken lassen. „Glaub an dein Ziel, sag niemals nie“, steht darauf. Die heute 28-Jährige ist in Köln geboren und in Maintal bei Frankfurt aufgewachsen. Ihre Eltern sind aus dem Iran nach Deutschland gekommen, das Abitur hat sie an der Klingerschule in Frankfurt abgelegt.

Lehrerin an einer Hauptschule werden wollte sie, „weil ich damit Jugendlichen zeigen kann, dass man mit Migrationshintergrund etwas aus sich machen kann“, sagt sie. Wie es jetzt für Kimiya Shams erst einmal weiter geht – und mit welchem Plan sie vielleicht doch noch eine Chance bekommen will, als Lehrerin zu arbeiten, berichtet FR.de.

*FR.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Peter Hanack

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