Hitler und die Deutschen - Ausstellung über Führerkult

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Eine Besucherin geht am Donnerstag (14.10.2010) während der Vorbesichtigung zur Ausstellung "Hitler und die Deutschen - Volksgemeinschaft und Verbrechen" in Berlin an projizierten Fotos vorbei.

Berlin - Hitler ist museumsreif. Das Deutsche Historische Museum zeigt in Berlin erstmals eine Ausstellung über die “Volksgemeinschaft“ und ihren “Führer“ - und fürchtet sich vor Missverständnissen.

Erstmals ist Adolf Hitler das Thema einer großen Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin. Doch “die falschen Leute“ wolle man mit der Schau “Hitler und die Deutschen“ nicht anlocken, betont Museumsdirektor Hans Ottomeyer am Donnerstag. Vor der Eröffnung will er ein mögliches Missverständnis ausräumen: Die Schau kreise nicht um “Hitler als Person“. Es gehe um Hintergründe und Strukturen, Bilder und Gegenbilder, die den Aufstieg Hitlers (1889-1945) zum Diktator nachzeichnen und die Loyalität der Deutschen zum “Führer“ erklären sollen. “Volksgemeinschaft und Verbrechen“ lautet der Untertitel der Ausstellung, die von Freitag an bis 6. Februar 2011 zu sehen ist.

Seit Tagen haben Medien schon über die neue Schau im bundeseigenen Museum berichtet. Fast 70 Jahre nach dem Untergang des “Dritten Reichs“ scheint das Interesse an Hitler ungebrochen, obwohl populär- historische Darstellungen - von Guido Knopp bis “Spiegel TV“ - ihn in fast allen Facetten gezeigt haben. Lange habe sich das Museum vor einer Hitler-Ausstellung gescheut. Zu groß sei die Furcht vor der “Faszination des Bösen“ erschienen, sagt Ottomeyer. Ein neuer Ansatz sei nötig gewesen.

Es ist wohl die Ferne zum historischen Geschehen, mit der heute eine Hitler-Ausstellung möglich wird. Die “Erlebnisgeneration“ sei von den “Erinnerungsgenerationen“ abgelöst worden, sagt der Kurator Hans-Ulrich Thamer. Ob Bruno Ganz im Film “Der Untergang“ oder das Internet-Video “Der Bonker“ - mit Trivialisierung und Ironie sei der Umgang mit Hitler leichter geworden, sagt der Historiker von der Universität Münster.

Mit rund 600 Originalstücken und 400 Fotos und Plakaten will die Ausstellung auf 1000 Quadratmetern einem Rätsel nachgehen: Wie konnte ein gescheiterter Künstler, ein Postkarten-Maler, der sich die Nächte in Wien zwischen Parkbank und Obdachlosenheim um die Ohren schlagen musste, zum mächtigsten Mann Europas aufsteigen? Gleich zu Beginn gibt es einen ersten Hinweis: Auf dem großen Bild einer Kundgebung auf dem Münchner Odeonsplatz 1914 leuchtet ein Scheinwerfer auf den jungen Hitler. Ein Mensch, aufgehoben in der Menge, sticht aus ihr hervor. Hitler spürt früh die Macht der Masse.

Bald erprobt er dann die Inszenierung von Macht. Die Bilder seines Fotografen Heinrich Hoffmann zeigen ihn 1925 mit einem Schäferhund vor einem Flügel. Von seinen ersten Gefolgsleuten lässt er sich als Führer feiern, lange vor der “Machtergreifung“.

Die “Gleichschaltung“ seit 1933 wird mit Terror und Ausgrenzung verbunden. Hinter der “Volksgemeinschaft“ lauert das Verbrechen, der Aufschwung mit Autobahn, Volksempfänger und Volkswagen wird von der Aufrüstung begleitet. Während die Olympischen Spiele 1936 als Massenspektakel inszeniert werden, bereitet Hitler den Vernichtungskrieg vor.

Ob ein “Führer-Quartett“ als Kartenspiel, ein Lampion mit Hakenkreuz oder germanische Kitschkunst - der Alltag wird dem System untergeordnet. Mit dem Winterhilfswerk oder “Kraft durch Freude“- Tourismus dringt der “Führerstaat“ in alle Lebensbereiche vor.

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Zu den wohl beklemmendsten Zeugnissen gehört ein Wandteppich aus Rotenburg an der Fulda. Ein Jahr lang arbeitete die evangelische Frauenhilfe und die NS-Frauenschaft an dem acht Quadratmeter großen Stoff, der den Einzug der Hitler-Jugend und des Bundes Deutscher Mädel (BDM) in die Kirche zeigt. Bis 1945 hing der Teppich neben dem Altar der Jakobi-Kirche.

Während auf Augenhöhe Originalstücke präsentiert werden, laufen darüber Filme und Bilddokumente, etwa Leni Riefenstahls “Triumph des Willens“ und Auszüge aus Wochenschauen. Hinter all den Zeugnissen und dicht betexteten Wandtafeln bleibt Hitlers Figur aber blass.

Erst auf der letzten der acht Stationen wird etwas sichtbar. Wenn Charlie Chaplins Persiflage im “Großen Diktator“ dem wahren Hitler gegenüber gestellt wird oder in einem YouTube-Video die Stimme eines Autoverkäufers eine Rede des “Führers“ überdeckt, werden Herrschaftsmechanismen deutlich. Die Frage, warum jemand, der “fast nur Kuchen gegessen hat“ und militanter Nichtraucher war (Ottomeyer), zum “Bösen schlechthin“ wurde, kann durchaus auch Kunst beantworten.

dpa

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