Militärischer Katastrophenalarm ausgelöst

Dramatische Hochwasser-Lage: Anzahl der Todesopfer steigt weiter - Deutliche Ansage an Schaulustige

Westdeutschland erlebt eine Unwetter-Katastrophe von nie dagewesenem Ausmaß. Die Zahl der Todesopfer steigt weiter an. Nun wurde der militärische Katastrophenalarm ausgelöst.

  • Bei der Hochwasserkatastrophe verloren mindestens 106 Menschen ihr Leben (siehe Update vom 16. Juli 2021, 17.55 Uhr).
  • Das Verteidigungsministerium löst einen militärischen Katastrophenalarm aus (siehe Update vom 16. Juli 2021, 12.32 Uhr).
  • Armin Laschet spricht von einer „Flutkatastrophe von historischem Ausmaß“ (siehe Update vom 16. Juli 2021, 14.14 Uhr).
  • Dieser News-Ticker ist beendet. Die Fortsetzung ab dem 17. Juli finden Sie hier.

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Update vom 16. Juli, 17.55 Uhr: Im Zuge der Unwetter-Katastrophe in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz steigt die Zahl der Toten und Verletzten weiter an. Die Lage bleibt weiter kritisch. Bislang sind 106 Todesfälle offiziell bekannt, so kamen mindestens 63 Personen in Rheinland-Pfalz bei dem Hochwasser ums Leben. In Nordrhein-Westfalen zählt man momentan mindestens 43 Todesopfer.

Der rheinland-pfälzische Kreis Ahrweiler gilt als einer der Schwerpunkte der Katastrophe, hier gab es nach Angaben der Koblenzer Polizei 362 Verletzte. Zudem werden in beiden Bundesländern viele Personen vermisst, genaue Zahlen gibt es dazu noch nicht. Alleine im Kreis Ahrweiler wurden 1300 Vermisste gemeldet.

900 Soldatinnen und Soldaten sind gegenwärtig bei der Bewältigung der Katastrophe im Einsatz. Erst am Freitagmittag wurde der militärische Katastrophenalarm ausgelöst.

Hochwasser-Tourismus: Schaulustige sollen Helfer nicht stören

Update vom 16. Juli 2021, 15.36 Uhr: „Es ist keine Zeit für Besichtigungen jetzt“, mahnte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) und appelliert damit an die Bevölkerung von Hochwasser-Tourismus abzusehen. „Bitte zu Hause bleiben und die Helfer nicht stören“, sagte er am Freitag in Düsseldorf.

Er könne zwar verstehen, dass Menschen wissen wollten, wie es in überschwemmten Teilen ihrer Stadt aussieht. „Aber das kann man ja alles noch später machen. Wir brauchen jetzt einfach Platz und Zeit und Raum.“

Armin Laschet: „Flutkatastrophe von historischem Ausmaß“

Update vom 16. Juli 2021, 14.14 Uhr: Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von NRW, hat die Überschwemmungen in Westdeutschland „Flutkatastrophe von historischem Ausmaß“ bezeichnet. Die Wassermassen hätten „undenkbare Schäden verursacht“ und „weiträumige Evakuierungen“ nötig gemacht.

Nach Regierungsangaben sind 25 Städte und Landkreise in NRW von Überschwemmungen betroffen. Mindestens 43 Menschen kamen in Nordrhein-Westfalen bisher ums Leben. „Und es steht zu befürchten, dass es mehr werden“, sagte Laschet. Er dankte den vielen Helfern für ihren Einsatz und kündigte den Wiederaufbau der überschwemmten Gebiete an. Es werde „große finanzielle Anstrengungen brauchen“, so Laschet. „Um die Folgen der Flut zu bewältigen wird Deutschland solidarisch zusammenstehen müssen.“

Verteidigungministerium löst militärischen Katastrophenalarm aus

Update vom 16. Juli 2021, 12.32 Uhr: Das Verteidigungsministerium hat wegen der Unwetterkatastrophe im Westen Deutschlands einen militärischen Katastrophenalarm ausgelöst. Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) habe die Entscheidung getroffen, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Freitag in Berlin.

„Das bedeutet, dass die Entscheidungsinstanzen weit nach vorn, nämlich genau dorthin verrückt werden, wo sie gebraucht werden“, erklärte der Sprecher. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sind mehr als 850 Soldaten im Einsatz, und die Zahl steige. Der Sprecher sagte: „Die Bundeswehr steht natürlich an der Seite der anderen Helfer, ob das THW, Feuerwehr, Polizei und andere sind.“ Es werde nun dafür gesorgt, bundesweit verfügbares Material für die Hilfe vor Ort zur Verfügung zu stellen. Bundesweit seien alle Kräfte angewiesen, nötiges Großgerät verfügbar zu machen.

Das Verteidigungsministerium ruft einen militärischen Katastrophenalarm aus.

Mehr als 100 Tote nach Unwetterkatastrophe

Update vom 16. Juli 2021, 12.28 Uhr: Die Zahl der durch die Unwetterkatastrophe gestorbenen Menschen ist auf mehr als hundert gestiegen. In Rheinland-Pfalz erhöhte sich die Zahl der Toten auf mindestens 60, wie Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) nach einer Sitzung ihres Kabinetts in Mainz sagte. Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hatte die dortige Totenzahl zuvor mit 43 angegeben.

Dreyer sieht die Lage noch nicht unter Kontrolle, es könne noch keine Entwarnung gegeben werden. „Das Leid nimmt heute so dramatisch zu“, sagte Dreyer. Es sei „eine nationale Katastrophe“. Die Einschätzung ihrer Landesregierung sei inzwischen, dass die Schäden „so dramatisch“ seien, „dass wir noch lange Zeit mit dem Thema zu tun haben“.

Die Zahl der Todesopfer steigt weiter an

Update vom 16. Juli 2021, 11.56 Uhr: Die Zahl der Toten ist in NRW auf mindestens 43 gestiegen. Das hat das
NRW-Innenministerium am Freitag auf Anfrage mitgeteilt. Bislang war die Zahl auf mindestens 30 beziffert worden. Die Zahl der Todesopfer in Rheinland-Pfalz wurde am Morgen mit 50 Toten aktualisiert. Damit starben bislang nach offiziellen Angaben 93 Personen durch die Hochwasserkatastrophe in Deutschland.

Nach der Unwetterkatastrophe schicken Hessen und Baden-Württemberg hunderte Helfer

Update vom 16. Juli 2021, 11.21 Uhr: Nach den Unwettern in NRW und Rheinland-Pfalz sind die Bergungsarbeiten weiterhin in vollem Gange. Sowohl Hessen als auch Baden-Württemberg schicken nun Helfer in die Hochwassergebiete. Einen Feuerwehrmann haben die Wassermassen in Hagen mitgerissen. Anwohner retteten den Feuerwehrmann aus den Fluten.

So unterstützen rund 160 überwiegend ehrenamtliche Helfer des Deutschen Roten Kreuzes aus Hessen die Einsatzkräfte in NRW und Rheinland-Pfalz. Dabei begleiten sie insgesamt vier Verbände des Katastrophenschutzes der Feuerwehren im Raum Köln, wie eine DRK-Sprecherin am Freitag in Wiesbaden erklärt. Außerdem seien Fachkräfte ins Krisengebiet entsandt worden, die Betroffene und Einsatzkräfte bei der psychischen Erstbewältigung des Geschehens unterstützen. Die Sprecherin erklärt weiter, dass die Helfer für die Verpflegung, Unterkunft und Gesundheitsversorgung der Feuerwehrleute sorgen.

Baden-Württemberg unterstützt währenddessen die Hochwassergebiete in Rheinland-Pfalz mit rund 600 Einsatzkräften. Die Helfer kommen dabei vom Sanitätsdienst, der Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk. Das Hochwasser habe „eine Schneise der Verwüstung hinterlassen“, erklärte Innenminister Thomas Strobl (CDU). In dieser Lage sei es „selbstverständlich, kräftige und entschlossene Hilfe zu leisten“.

Rheinland-Pfalz: Behindertenheim wird von Wasserfluten getroffen – Zwölf Menschen sterben

Update vom 16. Juli 2021, 10.32 Uhr: Unter den Todesopfern der Unwetter in Rheinland-Pfalz sind auch Bewohner einer Einrichtung für behinderte Menschen aus Sinzig (Kreis Ahrweiler). Das rheinland-pfälzische Innenministerium erklärt, dass die Fluten schneller gekommen seien, als die Menschen hätten in Sicherheit gebracht werden können. Nach Angaben von Bild.de starben zwölf Menschen in dem Behindertenheim.

Der Geschäftsführer des Heims sagte zu Bild.de: „Das ist fürchterlich. Unsere Mitarbeiter sind traumatisiert, helfen aber noch, so gut sie können.“

Die Unwetter in NRW und Rheinland-Pfalz hinterlassen eine Schneise der Verwüstung.

Hochwasser in NRW und Rheinland-Pfalz: Todeszahl steigt weiter an

Erstmeldung vom 16. Juli 2021, 9.53 Uhr: München/Mainz/Düsseldorf - Nach der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz steigt die Todeszahl weiter an. Mindestens 81 Menschen verloren bisher im Zuge der Unwetter ihr Leben. Allein in der Rheinland-Pfalz ist die Zahl der Toten auf mehr als 50 gestiegen. „Das Leid ist groß in unserem Bundesland und unser Land hat so etwas noch nie gesehen“, sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Freitag gegenüber dem ZDF-„Morgenmagazin“.

Hochwasser in Rheinland-Pfalz – Ministerpräsidentin Dreyer spricht von „Horror“

Nach eigenen Angaben habe sie derzeit keine verlässlichen Informationen zur Lage der Vermissten in den Hochwassergebieten. Es gebe „ganz unterschiedliche Zahlen zu den Vermissten, wir können sie im Moment auch nicht verifizieren“, sagte Dreyer am Freitag in Trier. Sie hoffe und bete, dass viele Vermisste wegen der Störung des Mobilfunks und der Telefonleitungen lediglich nicht erreichbar seien.

In einigen Gemeinden seien allerdings mit zurückgehendem Wasser Vermisste nur noch tot gefunden worden, erklärt die Ministerpräsidentin Dreyer. „Das ist ein Horror. Da könnte man eigentlich nur noch weinen.“ Dass so viele Menschen bei dieser Katastrophe sterben, sei „wirklich ganz furchtbar“, so Dreyer.

Nach Unwetterkatastrophe werden 1300 Personen im Kreis Bad Neuenahr-Ahrweiler vermisst

Aus Sicht der Polizei würden in Rheinland-Pfalz knapp unter 100 Menschen vermisst, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Freitag im Deutschlandfunk. Der Kreis Bad Neuenahr-Ahrweiler gab die Zahl der Vermissten Donnerstagabend mit 1300 an. Eine Sprecherin erklärte das auch mit dem teilweise lahmgelegten Mobilfunknetz. Daher gebe es keinen Handy-Empfang; viele Menschen seien nicht erreichbar.

Hochwasser in NRW: Häuser stürzen ein – etliche Menschen werden vermisst

Ähnlich schlimm stellt sich die Unwetter-Lage in Nordrhein-Westfalen dar. Auf Instagram macht ein bizarres Video die Runde, in dem ein Mensch durch einen überfluteten Bus in Köln schwimmt. Altena im Märkischen Kreis, wo ein Feuerwehrmann im Einsatz ums Leben kam, war am Donnerstag noch immer von der Außenwelt abgeschnitten.

Dramatische Berichte kamen zudem aus Erftstadt: In Erftstadt-Blessem sei eine Reihe von Häusern ganz oder teilweise eingestürzt, teilte die Bezirksregierung Köln am Freitagmorgen mit. Ursache seien massive und schnell fortschreitende Unterspülungen der Häuser. Etliche Personen werden vermisst. (jsch/dpa)

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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