Schwulenfeindlichkeit

Homophobie - ein weit verbreitetes Phänomen

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Die Fans von Mainz 05 setzen bei einem Spiel ihres Vereins ein Zeichen gegen Homophobie.

Berlin - Was steckt eigentlich hinter dem Begriff Homophobie? Wer hat ihn geprägt? Und wo ist Schwulenfeindlichkeit noch heute präsent? Hier werden die wichtigsten Fragen zum Thema Schwulenfeindlichkeit geklärt.

Thomas Hitzlsperger hat es genauso getan wie Ricky Martin oder Klaus Wowereit: Der Ex-Profi Fußballer hat sich in der Öffentlichkeit als schwul geoutet. Das Bekenntnis zur Homosexualität - auch in der heutigen Gesellschaft - ist kein leichter Schritt. Und schon gar nicht im stark von vermeintlichen Männlichkeitsbildern geprägten Fußball. Denn Homophobie (umgangssprachlich auch Schwulenfeindlichkeit) ist auch aktuell immer noch ein Thema in der Gesellschaft. 

Betroffene werden oftmals mit Vorurteilen konfrontiert und ihnen schlägt unterschwellig Ablehnung entgegen. Ablehnung, vor der sich auch Hitzlsperger gefürchtet hat. Sein Outing sei unwichtig für Familie und Umfeld, sagt er, "wichtig ist es nur für die Leute, die homophob sind, andere ausgrenzen aufgrund ihrer Sexualität. Und die sollen wissen: Sie haben jetzt einen Gegner mehr."

Homophobie - woher kommt der Begriff?

Homophobie - ein gesellschaftliches Problem. Doch was steckt eigentlich hinter dem Begriff? Homophob ist laut Duden derjenige, der "eine starke (krankhafte) Abneigung gegen Homosexualität" hat oder zeigt. Also derjenige, der Schwulen oder Lesben feindlich gegenübersteht. Geprägt hat den Ausdruck der US-amerikanische Psychotherapeut George Weinberg Ende der 1960-Jahre. Er kam auf die Idee, feindliches Verhalten gegenüber Homosexuellen als "Phobie" zu bezeichnen. Seiner Meinung nach ist das zugrundeliegendes Element von Homophobie die Furcht vor einer der eigenen Lebensführung abweichenden Lebensart. Das ist bei anderen Psychotherapeuten aber umstritten. Sie sprechen eher von einer Wut, die sich gegen homosexuelle Menschen richtet.

Paragraph 175

Homosexuellenfeindlichkeit gibt es schon viel länger als das Fremdwort für das Phänomen. Im Deutschen Kaiserreich wurde 1872 der Paragraph 175 eingeführt, der sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte. Komplett abgeschafft wurde er erst im Jahr 1994. In Anlehnung an die Zahlenkombination wird der internationale Tag gegen Homophobie jedes Jahr am 17. Mai gefeiert.

Homophobie unter den Nazis

Auch in der Zeit des Nationalsozialismus wurden Homosexuelle stark verfolgt: In den Konzentrationslager der Nazis standen sie neben Juden und sowjetischen Kriegsgefangenen ganz unten in der Häftlingshierarchie. Rund 100.000 schwule Männer wurden in der Zeit des Dritten Reiches verfolgt und eingesperrt.

Homosexualität ist in Deutschland auch heute noch nicht vollständig akzeptiert. Doch das Thema ist in der Gesellschaft nicht mehr tabu wie in vergangenen Zeiten. Aus der Spitzenpolitik gibt es mit Klaus Wowereit, Guido Westwelle oder Ole von Beust mittlerweile einige bekannte Persönlichkeiten, die sich geoutet haben. 

Schwulenfeindlichkeit in Politik und Bundeswehr

In der Bundeswehr, die bis 1997 Schwule und Lesben ausmusterte, ist Diskriminierungsfreiheit gegenüber Homosexuellen seit 14 Jahren Pflicht. Doch noch längst nicht alle Soldaten und Soldatinnen trauen sich, sich offen zu ihrer Sexualität zu bekennen.

Ähnlich ist es im deutschen Fußball: Thomas Hitzlsperger ist aktuell der erste Ex-Profispieler, der sich getraut hat, seine Homosexualität bekannt zu machen. Viele seiner Kollegen zollten ihm für den Schritt Respekt. "Er hat eine Tür aufgestoßen für viele andere. Auch aktive Fußballer könnten sich nun nach den vielen positiven Reaktionen leichter offen über ihre Sexualität äußern", sagte der ehemalige Nationalspieler Arne Friedrich "Zeit Online".

Profifußball: "Adam und Eva. Nicht Adam und Yves"

Dass Homphobie trotzdem im Profifußball noch weit verbreitet ist, zeigen Kommentare wie der vom brasilianischen Verteidiger Alex von Paris St. Germain. Er war am Tag von Hitzlspergers Coming-out mit den Worten zitiert worden: "Gott hat Adam und Eva geschaffen, nicht Adam und Yves."

Auch die katholischen Kirche steht immer wieder in der Kritik, homophob zu sein. So müssen Mitarbeiter katholischer Einrichtungen, die offen homosexuell leben, mit einer Kündigung rechnen. Da die Kirchen in Deutschland einen "Tendenzschutz" genießen, gilt für sie eine Ausnahme vom Antidiskriminierungsgesetz.

Gesetz gegen "homosexuelle Propaganda"

Diskriminiert werden Homosexuelle auch in vielen Ländern der Welt. In Russland etwa, verbietet ein Gesetz gegen "homosexuelle Propaganda" es, sich in der Gegenwart von Minderjährigen oder gegenüber den Medien positiv über Homosexualität zu äußern. Tut man es doch, muss man mit einer Gefängnisstrafe rechnen. Vor allem kurz vor den olympischen Winterspielen in Sotschi ist die Schwulenfeindlichkeit Russlands in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Bundespräsident Joachim Gauck hat seine Reise zu den olympischen Winterspielen aus diesem Grund abgesagt. Andere Länder diskutieren heftigst, wie der homophoben Einstellung des Gastgeberlandes entgegenzutreten sei.

wei

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