ICE-Ausfall: Das große Chaos bleibt aus

+
Die meisten Kunden hatten Verständnis für die Maßnahme.

Berlin - Trotz des kurzfristigen Ausfalls von rund 70 ICE- Zügen ist das befürchtete Chaos auf den Bahnhöfen am Samstag weitgehend ausgeblieben.

Der Ersatzfahrplan greife und der Verkehr laufe stabil, teilte die Deutsche Bahn mit. Größere Probleme gab es nach Konzernangaben lediglich zwischen Berlin, Leipzig und München, wo es zu Verspätungen von bis zu 30 Minuten kam. Einzelne Züge waren überfüllt, auf den Bahnhöfen, wo zusätzliches Service-Personal eingesetzt wurde, lief der Betrieb nach Augenzeugenberichten jedoch größtenteils normal.

Wegen Zweifeln an der Sicherheit der Achsen hatte die Bahn fast alle ihrer 67 Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ ICE T mit Neigetechnik aus dem Verkehr gezogen. Deshalb mussten allein am Samstag bundesweit mehr als 30 Zugverbindungen komplett gestrichen werden, andere Strecken wurden mit Ersatzzügen bedient, was wegen deren geringeren Geschwindigkeit aber zu Verspätungen führte.

Bei einer Routineuntersuchung war kürzlich ein millimetertiefer Riss in der Achse eines ICE T gefunden worden. Ein Materialfehler könnte auch zum Entgleisen eines ICE am 9. Juli in Köln geführt haben. Das Ergebnis der Materialprüfung steht allerdings noch aus. Dass jetzt kurzfristig fast alle Züge der ICE-T-Flotte aus dem Verkehr gezogen werden, begründet die Bahn mit fehlenden Sicherheitsgarantien der Herstellerfirmen Siemens, Alstom und Bombardier.

Sollte sich der Verdacht eines Produktionsfehlers bestätigen, drohen den Unternehmen seitens der Bahn Regressforderungen in Millionenhöhe. “Wir werden Schadenersatzforderungen gegen die Industrie prüfen“, sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn der “Bild am Sonntag“. Sicherheit sei das höchste Gut des Unternehmens. “In diesem Punkt sind wir völlig kompromisslos.“

Bahnreisende in verkürzten Zügen beklagten sich am Samstag über Gedränge und Gepäckstapel in den Gängen. Fahrgäste, die am Vormittag von Hamburg nach Nürnberg gefahren waren, berichteten hingegen von einem relativ schwach ausgelasteten Zug. Auch die Schlangen vor den Auskunftsschaltern waren an vielen Bahnhöfen überschaubar.

Die meisten Kunden äußerten ebenso Verständnis für die Maßnahme wie der Fahrgastverband Pro Bahn. “Im Interesse der Sicherheit muss alles getan werden“, sagte Pro-Bahn-Chef Karl-Peter Naumann der dpa. “Lieber nachschauen als mit Risiko auf die Strecke zu gehen.“ In der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (Samstag) forderte er allerdings, künftig müssten für solche Fälle mehr Reservezüge bereitgehalten werden.

Lesen Sie auch:

Fahrplan-Chaos: ICEs stillgelegt!

Auch am Sonntag muss weiterhin mit erheblichen Einschränkungen gerechnet werden. Betroffen sind vor allem die Linien Hamburg-Berlin- München, Dortmund-Frankfurt/Main-Wien, Wiesbaden-Frankfurt/Main- Leipzig-Dresden und die Verbindungen zwischen Stuttgart und Zürich. Die Bahn empfiehlt, möglichst frühe Züge zu nehmen und Verbindungen am Sonntagnachmittag oder am frühen Abend wegen des starken Fahrgastaufkommens zu meiden. Informationen gibt es weiterhin im Internet ( www.bahn.de/aktuell ) und bei der kostenloses Service- Hotline 08000 99 66 33. Für die betroffenen Fahrgäste soll es zudem großzügige Kulanzregelungen geben.

Quelle: DPA

Auch interessant

Meistgelesen

Verrücktes Foto verwirrt viele: Hübsche Mädels lenken von skurrilem Detail ab - sehen Sie es?
Verrücktes Foto verwirrt viele: Hübsche Mädels lenken von skurrilem Detail ab - sehen Sie es?
Mann scrollt bei Google Maps über England - dort macht er eine rätselhafte Entdeckung
Mann scrollt bei Google Maps über England - dort macht er eine rätselhafte Entdeckung
Junge Stewardess wird in Wohnung erstochen: Es ist das dramatische Ende eines langen Leidensweges 
Junge Stewardess wird in Wohnung erstochen: Es ist das dramatische Ende eines langen Leidensweges 
Hermes-Paketbote schreibt triste Botschaft auf Benachrichtigung - „Komplett die Ehre genommen“
Hermes-Paketbote schreibt triste Botschaft auf Benachrichtigung - „Komplett die Ehre genommen“

Kommentare