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Massiver Personalengpass auf Intensivstationen droht – Mediziner sieht „System näher am Kippunkt“

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Von: Kai Hartwig

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Deutschlands Intensivstationen steuern aufgrund steigender Corona-Zahlen wieder auf eine Überlastung zu. Ein Experte befürchtet einen Personalmangel.

Berlin – Seit Beginn der Corona-Pandemie Anfang 2020 hat das Personal auf Deutschlands Intensivstationen viel Arbeit. In den Krankenhäusern leistete das medizinische Personal schier unmenschliches, sehr viele Patienten trafen auf knapp besetzte Kliniken. Erst mit Entspannung der Corona-Lage konnten die Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegerinnen und Pfleger etwas durchatmen.

Corona in Deutschland: Omikron-Subvarianten BA.4 und BA.5 lassen Zahlen steigen - „Personalsituation auf Intensivstationen angespannt“

Doch die Omikron-Subvarianten BA.4 und BA.5 lassen die Corona-Infektionszahlen im Juni wieder hochschießen. Gesundheitsminister Karl Lauterbach sieht Deutschland mitten in der Sommerwelle. Diese Entwicklung stimmt Intensivmediziner Christian Karagiannidis nachdenklich. Das Mitglied des Corona-Expertenrats der Bundesregierung warnte nun davor, dass massive Personalengpässe in den Kliniken entstehen können.

„Die Personalsituation auf den Intensivstationen ist enorm angespannt“, gab Karagiannidis gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe zu Bedenken: „Das System steht näher an einem Kipppunkt, als ich bisher dachte.“ Schon Mitte Juni hätten von den bundesweit 1.300 Intensivstationen schon knapp 580 erhebliche Personalengpässe gemeldet. Kurz vor dem Monatsende seien es sogar etwa 630.

Ärzte und Pflegekräfte betreuen einen Patienten in einem Behandlungszimmer auf einer Intensivstation
Deutschlands Intensivstationen droht erneut ein Personalengpass. (Symbolbild) © Jens Büttner/dpa

DIVI-Chef Karagiannidis warnt: „Noch nie so wenig betreibbare High-Care-Betten zur Verfügung wie derzeit“

„Wir hatten in den vergangenen Jahren noch nie so wenig betreibbare High-Care-Betten zur Verfügung wie derzeit“, sagte der wissenschaftliche Leiter des Intensivbettenregisters der Fachvereinigung DIVI. Der bundesweite Durchschnittswert habe laut Karagiannidis bis vor einiger Zeit noch bei rund 8.000 gelegen. Inzwischen betrage er nur noch 7.500, erklärte Karagiannidis. Der Mediziner erwartet eine weitere Verschlechterung der Situation aufgrund weiter steigender Corona-Infektionszahlen und dadurch mehr Personalausfällen.

Am Sonntagmorgen (26. Juni) hatte das Robert Koch-Institut (RKI) die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner mit 605,9 angegeben. Experten gehen allerdings davon aus, dass sehr viele Corona-Fälle nicht erfasst werden. Demnach lassen viele Infizierte keinen PCR-Test mehr machen. Entsprechend sei der Inzidenzwert nicht dazu geeignet, ein vollständiges Bild der Infektionslage zu zeichnen. Unterdessen werden ab Juli auch die Corona-Schnelltests nicht mehr wie bislang kostenlos angeboten. (kh)

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