Traummann "Kai" ist ein Fake

Sie verliebt sich online in einen Mann und erlebt Albtraum

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Victoria Schwartz hat das Sachbuch "Wie meine Internet-Liebe zum Albtraum wurde. Das Phänomen Realfakes" geschrieben. Es liest sich so spannend wie ein Psycho-Thriller.

Hamburg - Victoria Schwartz hat ihre Liebe an einen Mann im Internet vergeudet, den es nicht gibt. Nie hat "Kai" sie besucht, nur geschrieben und angerufen. In ihrem Buch beschreibt Schwartz, wie sie den Fake aufdeckte.  

Wie kann eine Frau nur so naiv sein und sich in einen Typen verknallen, den es in Wahrheit nicht gibt? So etwas merkt man doch. 

Wenn das Ihre ersten Gedanken waren, als Sie die Überschrift gelesen haben, werden Sie über die Geschichte der Hamburgerin Victoria Schwartz staunen - und Ihre Vorurteile zurücknehmen. Denn dieser "Kai", in den sich Schwartz online verliebt, inszeniert sein gefälschtes Leben perfekt. Er hat für alles, was Schwartz seltsam vorkommt, eine Erklärung.  Deshalb findet die Betrogene erst spät heraus, dass hinter Traummann "Kai" eine Frau in einem Kaff in Amerika steckt. Schwartz schreibt das Sachbuch "Wie meine Internet-Liebe zum Albtraum wurde" so spannend wie einen Psycho-Thriller.  

Briefe und Postkarten, die "Kai" Victoria Schwartz geschickt hat.

Die Sache mit "Kai" beginnt nicht auf irgendeinem Dating-Portal. Schwartz, die zu der Zeit mit den zwei Kindern getrennt von ihrem Ehemann lebt, twittert etwas, auf das der unbekannte "Kai Cruz" reagiert. Sie freunden sich an, verlagern ihr Gespräch auf Mails, Facebook, WhatsApp. Sie schreiben sich immer häufiger. Immer vertrauter. Immer persönlicher. Immer tiefgründiger. Sie telefonieren. "Allem Anschein nach war ich verliebt", schreibt Schwartz. "Und ertappte mich dabei, dass ich viel zu oft Kais Online-Status bei WhatsApp checkte, um zu sehen, ob er dort aktiv war, was bedeutet hätte, dass er nur mir nicht schrieb."

"Kai" schickt Schwartz Postkarten, Briefe und Geschenke. Beide gestehen sich, dass sie sich lieben. Beide wollen die Fernbeziehung. Sie verabreden sich in Münster, wo der in den USA lebende Mann angeblich eine Wohnung besitzt. Doch "Kai" versetzt seine Internet-Freundin. Schwartz hat ein seltsames Baugefühl, stellt Fragen. Doch erst ein winziges Detail auf einem Foto, das Kai ihr nachher schickt, verrät ihn.  

Winziges verräterisches Detail auf "Kais" Foto 

Auf dem WhatsApp-Bild sieht Schwartz amerikanische Steckdosen, obwohl "Kai" das Selfie angeblich in seiner Wohnung in Münster gemacht hat. Sie lässt ihn auffliegen, konfrontiert ihn mit der Lüge.

"Kai" überhäuft seine Internet-Freundin und deren Kinder mit Geschenken.

Er hat seine komplizierte Biografie erfunden, Fotos eines anderen, super aussehenden Surfertypens benutzt und für sich, seine angeblichen Freunde und Geschwister Fake-Accounts auf Facebook angelegt. Auch seine Freunde folgten Victoria Schwartz auf Twitter, fügten sie als Facebook-Freundin hinzu, schrieben ihr. Es fühlte sich so echt an. "Wer hätte denn ahnen können, dass ein Mann, dessen ganzer Freundeskreis permanent seine Existenz bestätigte und der Unsummen an Geld für mich ausgegeben hatte, ein Fake war? (...) Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich niemals, wirklich niemals, eine so abwegige Story wie die von mir und Kai gehört."

Victoria Schwartz fühlt sich von der Sache mit "Kai" gedemütigt, will sich aber nicht in die Opferrolle drängen lassen, sondern in die der Expertin. Seither referiert Schwartz über Realfakes, Personen mit einer erfundenen Identität im Internet (in Amerika heißt das Phänomen Catfish). Sie gründet die Webseite Realfakes.net, auf der sie sich mit Menschen vernetzt, die Fake-Beziehungen eingegangen sind. Mehr als 400 E-Mails hat Schwartz darüber bis heute erhalten. Die Hamburgerin gibt Tipps, wie Frauen und Männer im Internet einen Fake enttarnen.

Das Prinzip sei immer das Gleiche: Der Fake macht den ersten Schritt, schreibt sein "Opfer" an. Gibt sich liebevoll und verständnisvoll. Sobald das "Opfer" auf ein echtes Date besteht, lässt der Fake es platzen und zieht sich zurück. Das "Opfer" versucht ihn zu besänftigen, indem es einen neuen Versuch, sich zu treffen, aufschiebt, nicht länger drängelt.  

Journalist spürt "Kai" in den USA auf: eine Psychologin

Ein Journalist, der Schwartz zu ihrer Geschichte interviewt hatte, flog in die USA und spürte den Fantasie-"Kai" auf: eine deutsche Psychologin in Summertown. Diese behauptete im Interview, in den homophoben Südstaaten ein Problem mit ihrer Sexualität zu haben. Sie fühle sich wie ein Mann, dürfe das aber im wahren Leben nicht ausleben. Eine Entschuldigung ist das trotzdem nicht. Sie hat mit Schwartz' Gefühlen gespielt und dafür einen enormen Aufwand betrieben. Für die Hamburgerin gab es glücklicherweise ein Happy End: Sie ist wieder mit ihrem Ehemann zusammen.

Victoria Schwartz: Wie meine Internet-Liebe zum Albtraum wurde. Das Phänomen Realfake. Blanvalet Verlag, 12,99 Euro  

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