Unerwartete Hilfe für Flüchtlinge

Iran schickt Bomber gegen den IS in den Irak

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Der kurdische Flüchtling Haidji Hassan bittet: „Wir brauchen jede Hilfe.“

München - Seit Monaten betteln die Flüchtlinge im Irak um Unterstützung im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz IS. Dass aber gerade der Nachbar Iran Stellungen des IS im Irak bombardieren würde – damit hatte niemand gerechnet.

Seit Monaten betteln die Flüchtlinge im Irak um Unterstützung im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz IS. „Manchmal haben wir das Gefühl, dass die Welt zuschaut, wie bei uns alles dem Erdboden gleichgemacht wird“, so Haidji Hassan verzweifelt. Der 43-Jährige lebt mit seiner Frau und den neun Kindern in einem Außenbezirk von Dohuk im irakisch-türkischen Grenzgebiet in einem zugigen Rohbau. Sein Zuhause ist zerstört. Sein Haus liegt in Trümmern. „Bitte stoppt doch diesen Wahnsinn. Jeder kann uns helfen“, flehte Haidji vor ein paar Wochen bei unserem Besuch vor Ort.

Dass aber gerade der Nachbar Iran Stellungen des IS im Irak bombardieren würde – damit hatte der Haidji Hassan nicht gerechnet. Laut Angaben der USA ist das iranische Militär in den vergangenen Tagen mit Kampfjets gegen Stellungen der Islamisten vorgegangen. Die Einsätze seien nicht mit der US-geführten Koalition gegen den IS abgestimmt gewesen, sagte Pentagonsprecher John Kirby.

Washington habe Hinweise darauf, dass iranische Kampfjets im Osten des Landes IS-Ziele bombardiert hätten, so Kirby weiter. Es handle sich um F-4-Phantom-Kampfjets. Es war das erste Mal, dass die USA bestätigten, dass der Iran Luftangriffe im Irak fliegt. Bekannt war bereits, dass Teheran die Regierung in Bagdad im Kampf gegen die radikalen sunnitischen Aufständischen des IS mit Waffen und Ausbildern unterstützt.

Der arabische Sender Al-Dschasira hatte kürzlich Aufnahmen veröffentlicht, auf denen mutmaßlich F-4-Kampfjets zu sehen waren, wie sie die iranische Luftwaffe benutzt. Demnach griffen die Jets Ziele in der ostirakischen Provinz Dijala an, die unweit der Grenze zum Iran liegt. Der IS kontrolliert mittlerweile weite Gebiete im Irak sowie im benachbarten Syrien und geht dort brutal gegen Andersgläubige vor.

Noch immer flüchten die Menschen vor dem IS aus Kobane.

Das weitere Vorgehen gegen den IS war gestern auch Thema in Brüssel, wo Vertreter aus 58 Staaten auf Einladung von US-Außenminister John Kerry im Nato-Hauptquartier zusammengekommen sind. Neben der Fortsetzung der Luftangriffe war die humanitäre Hilfe für die Flüchtlinge ein Thema. Bisheriges Ergebnis: Der Vormarsch von IS „durch Syrien und in den Irak ist dabei zu stoppen“, heißt es in der Schlusserklärung. „Truppen des Irak und der kurdischen Regionalregierung gewinnen mit Unterstützung von Luftangriffen der Koalition Gebiete zurück.“

Alte Gegner im Kampf vereint

Der Iran und der Irak waren einst Erzfeinde. Zwischen 1980 und 1988 starben im Krieg zwischen beiden Ländern nach Schätzungen rund 800.000 Menschen. Das sunnitische Regime Saddam Husseins war gegen die noch junge schiitische Republik von Ajatollah Khomeini zu Felde gezogen und brachte auch Giftgas zum Einsatz. Seit der Irak nach dem Sturz Saddams selbst schiitisch dominiert wird, suchen die beiden Länder den Schulterschluss. Mit dem Erstarken der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat fanden Bagdad und Teheran einen gemeinsamen Feind, der inzwischen nicht nur den Irak sondern auch die Grenze zum Iran bedroht.

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