„Wichtig für die gesamte Welt“

Sensationsfund in Israel: Archäologen machen Entdeckung in der „Höhle des Grauens“

Israelische Archäologen haben Jahrtausende alte Gegenstände in einer schwer zugänglichen Höhle nahe dem Toten Meer gefunden. Ein solcher Fund wurde seit 60 Jahren nicht mehr gemacht.

Israel - Israelische Archäologen haben erstmals seit Jahrzehnten dutzende Fragmente einer 2000 Jahre alten Schriftrolle mit biblischen Texten entdeckt. Das teilte die Israelische Antikenbehörde (IAA) mit. Der spektakuläre Fund sei in der „Höhle des Grauens“ gemacht worden, eine schwer zugängliche Höhle nahe dem Toten Meer.

Eine solche Entdeckung hat es seit rund 60 Jahren nicht mehr gegeben, als in Höhlen am Ende des Toten Meeres sogenannte Qumran-Rollen gefunden worden waren. Diese antiken Schriften sind die ältesten bekannten Bibeltexte und zählen zu den wichtigsten archäologischen Entdeckungen des 20. Jahrhunderts.

Neu entdeckte Bibel-Fragmente stammen aus der Zeit des Bar-Kochba-Aufstands

Nun sind erneut Schriftrollen entdeckt worden. Diese Bibel-Fragmente sind auf Griechisch verfasst und stammen aus der Zeit des Bar-Kochba-Aufstands. Der jüdische Aufstand gegen das Römische Reich unter Rebellenführer Bar Kochba war im Jahre 132 nach Christus ausgebrochen und rund drei Jahre später niedergeschlagen worden. „Die Funde sind nicht allein für unser kulturelles Erbe wichtig, sondern auch für die gesamte Welt“, sagte der Leiter des Ministeriums für Jerusalem und Kulturerbe, Avi Cohen.

Neben den neu entdeckten Bibel-Fragmenten wurde ein mumifiziertes Skelett gefunden

In den neu entdeckten Bibel-Fragmenten seien Auszüge aus dem Zwölfprophetenbuch enthalten. So fanden die Forscher Texte aus dem Büchern Sacharja und dem Nahumbuch. Die Archäologen konnten feststellen, dass es sich bei den neu entdeckten Bibel-Fragmenten um fehlende Passagen einer 1952 in der Höhle gefundenen Schriftrolle handeln muss. Neben den Schriftstücken wurden auch Münzen, Pfeilspitzen, Kleidung, Sandalen, Lauskämme und ein 10,500 Jahre alter Korb gefunden. Außerdem das 6000 Jahre alte, mumifizierte Skelett eines Kindes

Das Skelett sei vermutlich das eines Mädchens. Laut einer Computertomographie habe das sechs bis zwölf Jahre alte Kind zusammengekauert in einer flachen Grube unter zwei Steinplatten gelegen. Der Oberkörper war mit einem Stück Stoff bedeckt. Wegen der besonderen klimatischen Bedingungen in der Höhle seien das Kind und die Decke bemerkenswert gut erhalten. Das Skelett sei auf natürliche Art mumifiziert worden. „Haut, Sehnen und sogar das Haar sind teilweise erhalten, obwohl so viel Zeit vergangen ist“ sagt Historikerin Ronit Lupu.

„Weckruf für den Staat“: Wegen Schriftrollen-Entdeckung suchen viele Plünderer die Höhlen auf

Nach Angaben der Altertumsbehörde haben seit dem Fund der Qumran-Rollen immer wieder Plünderer die Höhlen aufgesucht und historische Funde zerstört. Die Funde stehen im Zusammenhang mit einer seit 2017 andauernden Erfassung aller Höhlen in einem Gebiet von 80 Kilometern. Die jetzt entdeckten Bibel-Fragmente seien „ein Weckruf für den Staat“, Ressourcen für die Aktion bereitzustellen und diese zu beschleunigen, denn bis heute wurde nur die Hälfte des Gebietes bereits erfasst.

Archäologische Funde sorgen weltweit immer wieder für Sensationen. Im Februar 2021 sorgte beispielsweise der Fund drei blauer Glasperlen für eine Wende in der Amerikanischen Geschichte. Nicht weniger spannend ist die Geschichte von Zvi Ben-David. Weil der elfjährige Junge aus Israel bei einem Spaziergang mit seiner Familie einen aufregenden Fund machte, wird er sogar ausgezeichnet. (dpa/ks)

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