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Drohnen-Aufnahmen: Sirmione am Gardasee - Beliebte Strände Münchner Urlauber sind ausgetrocknet

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Von: Patrick Mayer

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Sirmione ist neben Bardolino der Urlaubs-Hotspot für Touristen aus München schlechthin. Doch um die Strände auf der Halbinsel ist es wegen der Dürre in Italien schlecht gestellt.

München/Sirmione - Rund 1,4 Millionen Übernachtungen zählt Sirmione am Gardasee jedes Jahr. Die Tagesausflügler dürften diese Zahl um ein Vielfaches überschreiten. Die Landzunge im Süden des oberitalienischen Sees ist insbesondere bei Urlaubern aus Bayern und speziell München beliebt. So säumen sich die Autokennzeichen M, A für Augsburg, DAH für Dachau, FFB für Fürstenfeldbruck, EBE für Ebersberg, ED für Erding und (natürlich) STA für Starnberg auf den großen Parkplätzen vor den Toren der Scaligerburg.

Sirmione am Gardasee: Jedes Jahr Hunderttausende Touristen aus Bayern und aus München

Neben der Festung aus der Zeit des Herrschergeschlechts Scaliger (14. Jahrhundert) hat die Gemeinde mit ihren etwas mehr als 8000 Einwohnern einen historischen und romantischen Ortskern zu bieten. Aber auch ein Strand der knapp fünf Kilometer langen Halbinsel hat es den Touristen aus Bayern und der ganzen Welt angetan: der „Spiaggia Jamaica“ am nordwestlichen Ende, gemeinhin „Jamaica Beach“ genannt.

Der Strand ist bekannt für seine ausgedehnten und felsigen Vorsprünge, die es den Badegästen ermöglichen, bis zu 100 Meter in den See hineinzulaufen und auf dem regelrecht bequemen (weil vom Wasser geschliffenen) steinigen Untergrund ein Sonnenbad zu nehmen, während minimale Wellen dezent für Abkühlung sorgen.

Mehr noch: Am frühen Abend bricht aus Richtung Südwesten her die Sonne herein und ermöglicht einen atemraubenden Blick auf die Motorboote, die vor Anker liegen, während die Gäste in der legendären und naturbelassenen Jamaica-Bar einen Cocktail oder ein Spritz-Getränk genießen.

Doch in diesem Jahr ist etwas anders - wegen der Trockenheit wie an vielen Orten Norditaliens zwischen Piemont, Gardasee und Adriaküste in Venetien. Denn: Ganze Abschnitte des Strandes sind ohne Wasser, regelrecht ausgetrocknet. Drohnen-Aufnahmen des Nachrichtensenders Local Team TV zeigen bei Twitter, dass die Felsen noch viel weitläufiger freigelegt sind als üblich. Damit nicht genug: Der ganze nördliche Teil Sirmiones ist von einer freigelegten Felslandschaft umgeben, was es sonst so im Süden des Sees nicht zu bestaunen gibt.

Sirmione: Strände am Gardasee sind wegen der Dürre in Norditalien freigelegt

Ein ähnliches Bild zeigt sich auf der gegenüberliegenden Seite der Halbinsel am Spiaggia „Lido dello Bionde“, einem öffentlichen Strandbad mit Gastronomie. Von hier aus hat man einen Blick auf das bei bayerischen Urlaubern ebenfalls beliebte Bardolino am Ostufer des Gardasees. „Wir sind in einer sehr schlechten Verfassung, weil wir mindestens einen Meter unter dem Normalniveau liegen. Natürlich haben wir im Sommer immer etwas weniger Wasser. Aber jetzt hat der Wasserstand historische Ausmaße erreicht“, erklärte Mauro Lavora, der Strandbadbesitzer des „Lido dello Bionde“ im Gespräch mit Local Team TV.

Wir sind in einer sehr schlechten Verfassung, weil wir mindestens einen Meter unter dem Normalniveau liegen.

Mauro Lavora, Strandbadbesitzer des „Lido dello Bionde“ in Sirmione

Videoaufnahmen des regionalen Nachrichtensenders belegen auch hier, wie der kieselige Strand mittlerweile völlig ausgetrocknet ist und Geröllfelder, die normalerweise den Seeboden bilden, weit hinausragen. Badegäste müssen entsprechend weit laufen, um am Ende der bekannten Mole überhaupt ins Wasser zu gelangen.

Gardasee: Wasserreservoir Oberitaliens soll den Fluss Po versorgen

Die Auswirkungen der seit Monaten vorherrschenden Dürre und Trockenheit in Norditalien macht sich längst auch hier bemerkbar. Der Gardasee ist mit seinen 50 Kubikkilometern Fassungsvermögen zugleich das größte Wasserreservoir Oberitaliens. Und ein Wasserspeicher für die örtlichen Landwirte sowie Weinbauern.

Weil aber über den einzigen Abfluss, den Mincio bei Peschiera del Garda, Wasser in den größten Fluss Italiens abgelassen wird, den Po, sinkt der Wasserspiegel am Urlaubshotspot weiter. Laut übereinstimmender Medienberichte hat der Gardasee noch etwa 60 Prozent seines ursprünglichen Wasservolumens. Baden sei unbedenklich, bekräftigen örtliche Behörden seit Wochen. Zumindest dann, wenn man vor einem Sprung am Ufer die Wassertiefe checkt. Laut Bild sind circa 100 Milliarden Badewannen-Ladungen verdunstet oder wurden zum Gießen der Felder abgelassen.

Gardasee: Wegen Trockenheit in Italien Streit um das Wasser

Dagegen, dass die norditalienische Lebensader Po mit Wasser aus dem Gardasee am Leben gehalten wird, wehrt sich der Gemeindeverband Garda vehement. „Wir müssen unsere Schifffahrt und die Fische schützen und gleichzeitig sicherstellen, dass die Bauern rund um den See auch im August noch ihre Kulturen bewässern können“, erklärte Geschäftsführer Pierlucio Ceresa kürzlich.

Dann wird nach dem Po auch noch der Gardasee krank.

Pierlucio Ceresa, Geschäftsführer Gemeindeverband Garda

Der rund 650 Kilometer lange Po ist zwischen seinem Ursprung in den Cottischen Alpen und der Adriaküste ebenfalls an vielen Stellen ausgetrocknet. Nicht nur die norditalienische Landwirtschaft leidet enorm darunter.

Ein um 30 Kubikmeter pro Sekunde erhöhter Abfluss aus dem Gardasee bringe dem Fluss Po seiner Meinung nach jedoch nichts, meinte Ceresa: „Der Fluss bräuchte im jetzigen Zeitpunkt mindestens 500 zusätzliche Kubikmeter pro Sekunde. Das Einzige, was wir mit dieser Maßnahme erreichen, besteht darin, dass nach dem Po auch noch der Gardasee krank wird.“ An den Stränden von Sirmione sind erste Anzeichen dieser Befürchtung sichtbar. (pm)

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