Drei Arbeiter in Fukushima gefährlich verstrahlt

Tokio - Drei Arbeiter in dem havarierten Atomkraftwerk in Fukushima haben eine außerordentlich hohe Strahlendosis abbekommen. Die Betreiberfirma Tepco hat die Arbeiter aus dem Problemreaktor 3 abgezogen.

Zwei der Arbeiter sind so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus mussten. Die anderen Helfer kommen bei den verzweifelten Versuchen, die Krisenreaktoren zu kühlen, nicht entscheidend voran. Ihr Kampf gegen die Kernschmelze dauert nun rund zwei Wochen. Fukushima Eins ist seit dem Mega-Beben vom 11. März eine nukleare Ruine. “Nach gegenwärtiger Lage dürfen wir nicht zu optimistisch sein“, sagte Japans Regierungssprecher Yukio Edano am Donnerstag.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace urteilte, die Gesamtsituation sei “nach wie vor dramatisch“. Der deutsche Nuklearexperte Michael Sailer sagte: “Wir sind noch auf der Intensivstation.“

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Die drei verletzten Techniker wollten in Reaktor 3 Kabel reparieren, um das Kühlsystem wieder in Gang zu bringen. Sie seien Strahlung von bis 170 oder 180 Millisievert ausgesetzt gewesen, sagte Hidehiko Nishiyama von der Atomsicherheitsbehörde NISA. Die Betreiberfirma Tepco hatte davor festgelegt, dass die Arbeiter am AKW nicht mehr als 150 Millisievert pro Noteinsatz abbekommen dürfen. Der Grenzwert der Regierung für AKW-Arbeiter liegt bei 250 Millisievert pro Jahr.

Zwei Männer mussten nach dem Unfall mit Verletzungen an den Beinen in eine Spezialklinik. Sie hätten in radioaktiv belastetem Wasser gestanden, sagte Edano. Das Wasser sei vermutlich durch ihre Schutzkleidung gedrungen.

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Schon zuvor waren in Fukushima Eins Arbeiter verstrahlt und anders verletzt worden. Insgesamt hätten nun 17 Arbeiter eine Strahlenbelastung von mehr als 100 Millisievert abbekommen, berichtete Kydodo unter Berufung auf den AKW-Betreiber Tepco

Als Folgen eines Strahlenunfalls nennt in Deutschland das Bundesamt für Strahlenschutz für 1 bis 6 Sievert (1000 bis 6000 Millisievert) unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Haarausfall als Symptome.

Am Donnerstag gingen die Arbeiten in Fukushima trotz des Unfalls grundsätzlich weiter. Ziel ist es, das Pump- und Kühlsystem der beschädigten Reaktoren zu reparieren. In Reaktor 3 mussten sich allerdings einige Arbeiter in Sicherheit.

Die Einsatzkräfte wollen die Überhitzung der Reaktoren weiter auch mit Meerwasser stoppen. Doch das könnte künftige Risiken bergen: Ein Experte in den USA warnte vor einer Salzverkrustung der Brennstäbe. Das würde ihre Kühlung blockieren.

Die Verstrahlung von Lebensmitteln breitet sich weiter aus

Am Donnerstagmorgen stieg weißer Dampf über den Blöcken 1, 2 und 4 auf. Es sei das erste Mal, dass dies auch bei Block 1 beobachtet werde, berichtete der Sender NHK. Dort habe sich die Lage aber stabilisiert, sagte Nishiyama von der Atomsicherheitsbehörde. Im Kontrollraum brenne inzwischen wieder Licht. Im Block 1 sei die Temperatur wieder deutlich gesunken, nachdem sie zeitweise auf 400 Grad geklettert war. Allerdings stieg in dem Reaktor der Druck. Deswegen konnte weniger Meerwasser als geplant zur Kühlung von außen eingeleitet werden, sagte Nishiyama.

Das Abklingbecken der Brennstäbe von Block 4 wurde für mehrere Stunden von außen mit Wasser gekühlt.

Unterdessen traten auch in dem bisher unkritischen Block 5 Probleme auf. Auch dort ist nun das Pumpsystem des Reaktors nach Angaben der NISA defekt. Die Kühlung sei ausgefallen. Die Situation sei momentan stabil, es müsse aber mit steigenden Temperaturen sowohl im Reaktor als auch im Abklingbecken gerechnet werden. Es sei geplant, die Pumpe möglichst bald zu reparieren. Nähere Informationen gab es dazu aber nicht.

Die Verstrahlung von Lebensmitteln breitet sich weiter aus, sagte Regierungssprecher Edano. Beim Leitungswasser in Tokio gab es derweil eine vorläufige Entwarnung: In der Hauptstadt sank die Belastung des Leitungswassers mit radioaktivem Jod am Donnerstag wieder unter den für Säuglinge festgelegten Grenzwert von 100 Becquerel pro Liter, wie Kyodo meldete. In den Geschäften wurde dennoch abgefülltes Wasser knapp, da die Behörden am Vortag gewarnt hatten, dass Babys kein Leitungswasser mehr trinken sollten.

Die Suche nach den Vermissten der Erdbebenkatastrophe gestaltet sich immer noch äußerst schwierig. Zwar ist die wichtigste Autobahn in der betroffenen Region wieder für den öffentlichen Verkehr frei.

Offiziell liegt die Zahl der Toten nun bei rund 9700, mehr als 16 500 gelten noch als vermisst, berichtete der Sender NHK unter Berufung auf die Polizei. Mehr als 200 000 Menschen leben demnach noch in Notunterkünften. Immer wieder erschüttern Nachbeben die Region. Am Donnerstagabend gab es eines der Stärke 6,1 in der Krisenregion.

dpa

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