Blutbad auf Jersey: Täter soll Familienvater sein

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Bewaffnete Polizisten in St. Helier auf der Kanalinsel Jersey

St. Helier - Ein grausiges Verbrechen erschüttert die  Kanalinsel Jersey: Sechs Menschen - unter ihnen vier Familienmitglieder - wurden erstochen. Bei dem Täter soll es sich laut Berichten um den Familienvater handeln.

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Messerattacke mit sechs Toten: 30-Jähriger unter Verdacht

Es war ein schöner Augustsonntag, die Sonne schien auf die hübschen Häuser aus viktorianischen Zeiten. Am Hafen ein paar Straßen weiter unten in St. Helier, der Hauptstadt der Kanalinsel Jersey, bewunderten Touristen die malerische Aussicht. Die Welt schien wunderbar in Ordnung. Bis plötzlich ein Nachbar in der historischen Häuserreihe die Schreie einer Frau hörte: “Bitte hilf mir, Gott, hilf mir!“ Wenig später stand die Insel unter Schock. Sechs Menschen, darunter drei kleine Kinder, sind offenbar brutal ermordet worden. Vermutlich starben sie an Messerstichen.

Nur langsam sickern Informationen darüber durch, was sich genau in der Wohnung abgespielt hat. Die Polizei hält sich bedeckt, die Fakten sind spärlich: Unter den Toten sind auch zwei Frauen und ein Mann. Vier der Opfer gehören zur selben Familie. Alle Getöteten stammen aus Polen. Der einzige bekannte Verdächtige in dem Fall, ein 30 Jahre alter Mann, soll ebenfalls polnischer Herkunft sein. Nach Informationen der britischen Nachrichtenagentur PA handelt es sich um den Vater von zweien der getöteten Kinder; unter den Opfern sind demnach auch seine Frau und sein Schwiegervater.

Der Mann war kurz nach der Tat festgenommen worden, doch befragen konnte ihn die Polizei am Montag vorerst nicht. Er hatte schwere Stichwunden und musste notoperiert werden. Im Blut hatte er starke Beruhigungsmitteln.

Soweit die Fakten.

Täter soll blutüberströmt aus dem Haus gelaufen sein

Auch die Nachbarn sprachen von einem Familiendrama. Der mutmaßliche Messerstecher sei selbstmordgefährdet gewesen, nachdem seine Ehe auseinandergebrochen sei, berichteten die Leute.

Der Täter soll blutüberströmt aus dem Haus gelaufen sein, bevor er das Messer gegen sich selber richtete.

Am Sonntag hatte in St. Helier ein polnisches Fest stattgefunden. Das Oberhaupt der Katholischen Kirche in Jersey, Nicholas France, sagte dem Sender BBC, in den vergangenen Jahren seien rund 4000 Polen nach Jersey gekommen. Sie lebten verstreut über die Insel. Es gebe eine lebendige Gemeinde mit einem eigenen polnischen Priester.

“Schnelle Antworten“ werde es in dem Fall nicht geben, sagte der Chef der örtlichen Polizei, Mike Bowron, voraus. “Jersey ist ein unglaublich sicherer Ort, einer der sichersten in der westlichen Welt, und Vorfälle dieser Art sind außergewöhnlich selten.“ Das führe dazu, dass es für die Menschen noch schwieriger sei, mit einer solchen Tragödie fertig zu werden.

Negative Schlagzeilen machte Jersey aber schon vor einigen Jahren, als etliche Missbrauchsfälle in einem Kinderheim ans Licht kamen. Bis zu 150 frühere Heimbewohner berichteten von regelmäßigen Sexgelagen der Angestellten, die Mädchen und Jungen vergewaltigt und gefoltert hätten.

Ansonsten kennt man die Insel vor allem als Steuer- und Urlaubsparadies. Nach dem Drama seien aber gerade wegen der sonstigen Ruhe Spannungen vor Ort zu erwarten, meinte Bowron. Er bat die Bewohner deshalb, “ruhig und gefasst“ zu bleiben.

dpa

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