Der traurige Milliardär ist tot!

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John Paul Getty III. im Jahr 1973

Buckinghamshire - John Paul Getty III. ist im Alter von 54 Jahren gestorben. 1973 war er entführt worden, seine Peiniger schnitten ihm das Ohr ab. Nach einem Schlaganfall war er jahrzehntelang gelähmt: seine traurige Geschichte.

„John Paul Getty III. hatte ein schweres Leben, jetzt möge er in Frieden ruhen.“ Die tz erreicht am Dienstag Jutta Winkelmann, Schwägerin des Milliardärs und Bewohnerin der Münchner Kommune von Rainer Langhans, am Flughafen. Getty, seit fast 30 Jahren gelähmt, war am Sonntag in einer Villa im englischen Buckinghamshire gestorben. Multiples Organversagen. Winkelmanns Zwillingsschwester Gisela war bis 1991 mit dem Milliardär verheiratet. „Meiner Schwester geht es nicht gut, das verstehen Sie sicher“, sagt Jutta Winkelmann mit brüchiger Stimme.

John Paul Getty III. – wer war das nochmal? Die Schlagzeilen, die der verstorbene 54-Jährige schrieb, liegen lange zurück. Doch waren sie spektakulär. 1973 wurde der 16-jährige Enkel des damals reichsten Mannes der Welt, Erdölmagnat Jean Paul Getty, in Rom von der kalabrischen Mafia entführt. Sechs Millionen Mark Lösegeld lautete die Forderung. Der als geizig und kaltherzig bekannte Großvater weigerte sich zu zahlen: „Ich habe 14 Enkelkinder. Wenn ich das Lösegeld zahlen würde, hätte ich bald 14 entführte Enkelkinder“, wehrte er ab. Als die Geiselgangster das rechte Ohr John Pauls an die italienische Zeitung Il Messagero schickten, zahlte er doch. Allerdings nur unter der Bedingung, dass ihm der Enkel alles zurückzahlt – plus vier Prozent Zinsen!

Die fünf Monate in der Hand seiner Peiniger, die übrigens nie gefasst wurden, sowie die zynische Haltung seiner Familie stürzten John Paul III. endgültig in die Krise: Drogen, Alkohol, Partys. Er wohnte längst allein in Rom, fern von Vater John Paul Getty II., der für die Kunst lebte und Millionen in sie investierte. Man könnte ihn wohl als kleinen Anarcho und Spinner bezeichnen, auf der Suche nach sich selbst. In Italien traf er übrigens auch Hippie-Ikone Gisela, die damals noch Zacher hieß. Sie sagte einmal über ihn: „Paul war ein schöner Junge mit kupferfarbenen Locken. Er war eine anziehende Mischung aus Schüchternheit und Draufgängertum – ich verliebte mich.“ Sie schmiedeten Pläne: „Wir wollten mit dem Geld des Großvaters eine kreative Auserwähltenkommune schaffen. So was wie Warhols Factory, nur viel ekstatischer und schöner.“ Übrigens wurde sie damals, nach der Entführung ihres Liebsten in Italien verhaftet – John Pauls Großvater hatte die Geiselnehmer in der „Anarchoszene“ seines Enkels vermutet.

John Paul Getty III. und die sechs Jahre ältere Gisela heirateten 1975 gegen den Willen der Familie. Kurze Zeit später wurde Söhnchen Balthazar geboren. Er ist heute ein Hollywood-Star (Herr der Fliegen, Brothers and Sisters), machte 2008 Schlagzeilen, als er öffentlich mit Sienna Miller seine Ehefrau betrog.

Immer tiefer geriet John Paul Getty III. in den Drogensumpf – 1981 erlitt er nach einer Heroin-Überdosis einen Schlaganfall. Nach sechs Wochen im Koma sollte er nie mehr gesunden. Lähmung und Taubheit blieben. Ein Freund: „Alles war dahin, nur nicht sein Gehirn.“

Sein Vater John Paul II. musste vom Gericht gezwungen werden, die medizinische Betreuung zu bezahlen. „Mein Sohn hat sich selbst in die Situation gebracht“, so sein Kommentar. Mutter Gail kümmerte sich dagegen bis zuletzt um ihren behinderten Sohn. Und auch Gisela, die seit 1991 von John Paul geschieden war, hielt Kontakt. Ihre Schwester Jutta sagte einmal dem Stern: „Gisela kann ihn verstehen, weil sie sich in ihn einfühlen kann.“ Das haben nicht viele Menschen in seinem Leben geschafft.

K.B.

tz-Stichwort: Der Getty-Clan

Öl-Magnaten und Aussteiger, Junkies und Selbstzerstörer, Schauspieler und Mäzen: Der Getty-Clan ist alles andere als eine normale Familie. Den Grundstein für das sagenhafte Vermögen legte Jean Paul Getty (Foto), der 1892 in Minneapolis geboren wurde, die Firma Getty Oil gründete und damit zum reichsten Mann der Welt wurde. Als er 1976 starb, hinterließ er ein Milliarden-Vermögen und eine zerstrittene Familie. Der Patriarch hatte fünfmal geheiratet und mit vier seiner Frauen fünf Söhne bekommen, von denen drei ihn überlebten. Einer (Ronald) erbte nichts, weil der alte Getty die angeheiratete Familie nicht mochte. Einer (J. Paul jr.) erbte die Getty-Kunststiftung und einer (Gordon) die Öl-Firma, die er 1984 an Texas verscherbelte.

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