Millionen-Coup in Mönchengladbach

Juwelenraub an Ampel: Polizei rätselt

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Ein Polizeibeamter untersucht am 22.05.2013 in Mönchengladbach das Auto des ausgeraubten Juweliers auf Spuren.

Mönchengladbach - Der Überfall an einer roten Ampel dauerte nur wenige Sekunden, dann waren Edelsteine für 2,2 Millionen Euro weg. War es ein Zufallsgriff oder ein perfekter Plan?

Ein Juwelenhändler aus der Schweiz hatte mit seinem Auto am Mittwochabend in Mönchengladbach angehalten, als der Räuber zuschlug: Der Mann mit Lederjacke und Motorradhelm zertrümmerte das Fenster der Beifahrertür. Er sprühte Reizgas, schnappte sich den Juwelenkoffer und floh unerkannt. Von ihm fehlte am Donnerstag noch jede Spur.

Nach Einschätzung der Polizei könnte der Raub ein Zufallsgriff oder ein gut vorbereiteter Coup gewesen sein. Es gebe aber keine Hinweise, dass der Juwelier selbst etwas mit dem Überfall zu tun haben könnte, sagte ein Sprecher.

Warum der Mann in dem Auto mit dem laufenden Motor nicht einfach Gas gegeben habe und dem Räuber davongefahren sei, konnte der Polizeisprecher nur vermuten: „Wahrscheinlich, weil er unter dem Eindruck des Geschehens stand.“ Durch die Wirkung des Reizgases konnte der Schmuckhändler nicht einmal sagen, womit und in welche Richtung der Täter geflüchtet war.

Als Angestellter einer Schweizer Firma war der 36-Jährige auf Geschäftsreise. Die Edelsteine hatte er in einem Koffer aus dunklem Kunstleder transportiert. Es habe sich um eine Art Pilotenkoffer gehandelt, teilte die Polizei mit. Tagsüber war der Vertreter aus Genf mit der Kollektion unter anderem in Düsseldorf unterwegs gewesen. Am Abend hatte er Verwandte in Mönchengladbach besucht. Dort lieh er sich den unscheinbaren französischen Kleinwagen.

In dem geraubten Koffer hatte auch das Handy des Mannes gelegen. Darum dauerte es eine Weile, bis er die Polizei alarmierte. Ob das Handy geortet werden konnte, sagte der Sprecher nicht. Nach dem Überfall sei der Geschäftsmann „einmal um den Block gefahren, um eine Polizeiwache zu suchen“. Dann habe er Passanten angesprochen und mit deren Mobiltelefon die Polizei angerufen.

Durch das Reizgas erlitt der Schweizer Verletzungen an den Augen. Er wurde vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht, das er später wieder verlassen konnte. Danach wurde der Schmuckhändler mehrmals befragt. Nach Polizeiangaben ergaben sich daraus aber keine neuen Erkenntnisse.

Juweliere leben wegen ihrer wertvollen Ware gefährlich. „Für Versicherer sind Juweliere das größte Risiko überhaupt“, sagte Martin Winckel vom Internationalen Juwelier-Warndienst der „Pforzheimer Zeitung“. Die Gefahr sei in den letzten Jahren extrem gestiegen, „vor allem durch den Wegfall der europäischen Grenzen in Richtung Osten. Nicht nur die Häufigkeit der Taten, auch die Brutalität der Täter hat zugenommen.“

Zuletzt hatten Juwelendiebe während der Filmfestspiele in Cannes Schmuck im Millionenwert erbeutet. Die Juwelen sollten unter anderem an Filmstars ausgeliehen werden. Die Diebe drangen in ein Hotelzimmer ein. Dort hatte eine Mitarbeiterin des schweizerischen Luxusgüterunternehmens Chopard Schmuck im Wert von schätzungsweise 1,4 Millionen Dollar (1,1 Millionen Euro) in einem Tresor aufbewahrt. Unter den gestohlenen Stücken sollen Colliers, Ringe und Armreifen gewesen sein.

Erst vor wenigen Monaten hatte zudem ein spektakulärer Diamantenraub auf dem Rollfeld des Brüsseler Flughafens Aufsehen erregt. In einem filmreifen Überfall hatten acht schwer bewaffnete Männer im Februar Diamanten im Wert von 37 Millionen Euro erbeutet. Die Täter wurden aber gefasst und ein Teil der Beute sichergestellt.

dpa

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