Kälte-Chaos: Frankfurter Flughafen wieder dicht

Frankfurt - Erste Entwarnung für Autofahrer, aber neue Probleme für Flugreisende: Zwar gab es in der Nacht zum Dienstag fast keine Unfälle, doch neuer Schneefall stürzte den Frankfurter Flughafen wieder ins Chaos.

Plötzlich einsetzender Schneefall hat den Flughafen Frankfurt am frühen Dienstagmorgen erneut lahmgelegt. Nach einer anfangs ruhigen Nacht kam das wichtigste deutsche Luftdrehkreuz durch den Schnee erneut zum Stillstand. Von 5.00 Uhr an waren weder Starts noch Landungen möglich. Dies werde voraussichtlich noch bis 9.00 Uhr andauern, sagte Fraport-Sprecher Jürgen Harrer der Nachrichtenagentur dpa. Der Winterdienst befinde sich im Dauereinsatz und setze alles daran, die Start- und Landebahnen eis- und schneefrei zu halten.

“Im Augenblick geht aber nichts. Diese massiven Niederschläge waren nicht vorhergesagt“, sagte Harrer. Anders als zunächst angenommen müsse daher auch am Dienstag “mit erheblichen Verzögerungen und Flugausfällen“ gerechnet werden. Es sei nun wichtig, sich bestmöglich um die Passagiere zu kümmern und sie wie an den Tagen zuvor mit Getränken und Snacks zu versorgen.

Die Lufthansa rief ihre Passagiere erneut dazu auf, nach Möglichkeit auf andere Verkehrsmittel umzusteigen. “Wir gehen davon aus, dass es heute wieder zu sehr massiven Behinderungen kommt“, sagte ein Sprecher am Morgen. Langstreckenflüge müssten auf andere Flughäfen umgeleitet werden. Das bringe den Flugplan durcheinander.

Im restlichen Deutschland entspannt sich die Lage

Auf den Straßen hatte der Winter am Montagabend auf der Autobahn 40 bei Duisburg noch für Schrecksekunden gesorgt: Vier Lastwagen und acht Autos prallten in einer Massenkarambolage gegeneinander. Trotz der teils schwer beschädigten und ineinander verkeilten Fahrzeuge verlief der Unfall für alle Beteiligten glimpflich: Es gab lediglich vier Leichtverletzte. Der Grund für die Karambolage war laut Polizei vermutlich der Fehler eines Lkw-Fahrers beim Wechseln der Fahrspur.

In den anderen Teilen Deutschlands gab es hingegen kaum Einsätze für die Polizei. “Hier ist es glatt, aber ruhig“, hieß es aus Bonn. “Oft rutschig, aber bisher ohne Folgen“, meldete Darmstadt. “Wir wundern uns selber, dass es so ruhig ist“, sagte ein Polizist in Frankfurt/Oder. Der Kollege in Göttingen berichtete: “Es ist neblig und glatt, aber nichts passiert.“ Jena meldete: “Diesmal angenehm ereignisarm.“ Für die Polizei Heidelberg “hat sich alles beruhigt“.

Bahn entschuldigt sich für Verspätungen

Auch die Bahn versprach eine Besserung der über das Wochenende chaotischen Situation. Der für den Personenverkehr zuständige Bahn- Manager Ulrich Homburg kündigte in der “Bild“-Zeitung (Dienstag) an, dass der Weihnachtsreiseverkehr laufen werde: “Wir werden alle verfügbaren Züge fahren und sicherstellen, dass die Hauptreiserouten im Fernverkehr mit der nötigen Kapazität befahren werden. Auf den Nebenstrecken wird unsere Regionalzug- und Busflotte dafür sorgen, dass möglichst jeder sein Reiseziel zu Weihnachten erreicht.“

Außerdem bat Homburg um Nachsicht für die massiven Verspätungen vieler Züge. Die Fahrgäste müssten die Anstrengungen der Tausenden Bahn-Mitarbeiter im Kampf gegen die winterlichen Behinderungen auch honorieren. Sie leisteten “trotz der extrem widrigen Umstände immer noch Unglaubliches“, zitiert das Blatt den Manager. So räumten beispielsweise aktuell 10 000 Menschen bei der Bahn den Schnee.

Politiker kritisieren Unzuverlässigkeit bei Bahn

Derweil kritisierten Verkehrspolitiker von SPD und Grünen die Bahn wegen der witterungsbedingten Serviceprobleme scharf. “Die Vorbereitung auf den Börsengang hat der Bahn schwer geschadet. Beim Personal und bei der Wartung wurde drastisch gespart. Das spürt man jetzt dramatisch“, sagte Grünen-Politiker Winfried Hermann, Chef des Bundestags-Verkehrsausschusses, der in Düsseldorf erscheinenden “Rheinischen Post“ (Dienstag). Ein gut aufgestelltes Unternehmen könnte die Winterprobleme anders bewältigen, betonte Hermann.

Auch der SPD-Verkehrsexperte Uwe Beckmeyer kritisierte den Bahnvorstand. “Ich bin fassungslos, dass es bei der Bahn immer noch kein flexibles Notfallmanagement gibt“, sagte Beckmeyer der Zeitung. “Die Bahn müsste eigentlich einen Puffer an Ersatzzügen vorhalten, um Ausfälle zu kompensieren.“ Beckmeyer, Mitglied im Bundestags- Verkehrsausschuss, warf der Bundesregierung vor, auf Kosten der Bahn zu sparen. Die Bahn, die zu 100 Prozent dem Bund gehört, müsse wegen des Sparpakets der Bundesregierung in den kommenden vier Jahren jeweils 500 Millionen Euro an den Bund abführen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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