Kanzlerin Merkel nimmt Abschied von ihrem Vater

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (M) mit der Trauergemeinde hinter dem Sarg ihres Vaters Horst Kasner.

Templin - In der Templiner Maria-Magdalenen-Kirche sind am Samstag fast alle Plätze besetzt: Menschen trauern um Pfarrer Horst Kasner. Das Mitgefühl gilt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die den Vater verloren hat.

Betont schlicht, dafür mit viel Gesang und Musik läuft die Zeremonie ab. Auf dem Städtischen Waldfriedhof bettet die Familie den Ehemann, Vater, Schwiegervater und Opa dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit zur letzten Ruhe. Er war am Freitag vor einer Woche im Alter von 85 Jahren gestorben.

Freunde, Angehörige und Weggefährten können dem Verstorbenen in der Kirche die letzte Ehre erweisen. Unter den rund 500 Gästen des Gottesdienstes sind auch viele, die der Familie im Schmerz beistehen wollen, darunter Bundespolitiker.

In der ersten Reihe nehmen Kanzlerin Merkel und Ehemann Joachim Sauer, ihre Mutter Herlind und ihre Geschwister Marcus und Irene mit Kindern Platz. Den schlichten Holzsarg schmückte ein herbstlicher Strauß mit Astern, Dahlien, Sonnenblumen und Wiesengräsern.

Merkels Bruder Marcus, wie seine Schwester Physiker, erinnert an die Lebensstationen des Vaters. In Templin hatte Kasner mit seiner Familie nach der Übersiedlung von Hamburg in die DDR 1954 eine neue Heimat gefunden, hier baute er das Pastoralkolleg - eine Stätte zur Weiterbildung von Pfarrern - auf und hielt auch noch lange nach der Pensionierung Vorlesungen an der Volkshochschule in Templin.

Pfarrer Peter Freybe, der 14 Jahre mit Kasner am Pastoralkolleg zusammengearbeitet hatte, zeichnet in seiner Predigt ein lebendiges Bild des Verstorbenen. Er sei ein starker Mann gewesen, der seine Schwächen für sich behalten habe. Wenn sich die Kinder beklagten, dass ihr Vater mehr Zeit für andere hatte als für sie, könne er das verstehen. "Das ist das Schicksal von Pfarrerskindern", sagt Freybe.

Auf Wunsch der Familie sollte auf Blumengebinde oder Kränze verzichtet werden. Stattdessen wurden Spenden für das Kirchlein in Alt Placht vor den Toren Templins erbeten. Für den Wiederaufbau des verfallenen Bauwerks inmitten von jahrhundertealten Bäumen hatte Kasner viel Kraft eingesetzt. Der Erhalt lag ihm besonders am Herzen. Bis zuletzt traute er dort Paare. Im Sommer hielt er seinen letzten Gottesdienst.

In Erinnerung an den Vater und Ehemann lud die Familie am Nachmittag in die kleine Kirche, die weiträumig abgesperrt war. Mit Musik und Gesang - eine weitere große Liebe des Vaters - sollte des Toten gedacht werden. Noch auf dem Sterbebett, erzählte Pfarrer Freybe, hatte Kasner gemeinsam mit dem Pfleger gesungen. Vor allem das Lied seiner Familie: "Lobe den Herren, den mächtigen König".

Von Gudrun Janicke, dpa

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