Waschbär-Hauptstadt Kassel

Sie richten hohe Schäden an: So kann man sich vor Waschbären und Mardern schützen

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Schlüpfen sogar unter den Ziegeln durch: Waschbären nisten sich gern auf Dachböden ein.

Der Schein trügt: Waschbären können trotz ihrer Kulleraugen hohe Schäden anrichten. Laien können sich gegen die Tiere kaum wehren.

  • Waschbären und Marder richten immer wieder hohe Schäden an.
  • Vor allem Waschbären nisten sich gerne auf Dachböden ein.
  • Laien können sich gegen die Tiere kaum schützen.

Sie können nicht nur hohe materielle Schäden anrichten, sondern Hausbesitzern auch den letzten Nerv rauben: Wenn sich Waschbären oder Marder einquartieren, kann das sogar dazu führen, dass die menschlichen Bewohner in ihrer Verzweiflung in den Keller umziehen. 

Auch eine Rentnerin in der Nordstadt hat sich jahrelang mit Plagegeistern unter dem Dach herumgeschlagen und musste sogar ihren Mietern in der Dachgeschosswohnung kündigen. Für Abhilfe sorgte nun schließlich die auf den Schutz vor Waschbären spezialisierte Firma von Frank Becker. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

Woran kann man erkennen, ob man einen ungebetenen Untermieter hat? 

Das merken die Betroffenen vor allem am abendlichen Lärm vom Dachboden. Denn die Tiere sind überwiegend nachtaktiv. Hinzu kommt nach einiger Zeit meist ein beißender Geruch. Denn die Tiere legen sich regelrechte Latrinen an – wenn sie sich über längere Zeit einnisten, wird der Gestank mitunter unerträglich. 

Klein, aber oho: Auch Marder können Hausbesitzer zur Verzweiflung bringen.

Wenn man die Tiere selbst nicht sieht, gibt der Kot auch einen Hinweis, wer eingezogen ist: Waschbären, die um die zehn Kilogramm wiegen, machen deutlich größere Haufen als Steinmarder (bis zwei Kilogramm). 

Was ist das Problem mit den tierischen Untermietern? 

Neben der Belästigung durch Lärm und Gestank können die Tiere auch hohe Schäden anrichten. Häufig machen sie sich an der Dachisolierung zu schaffen. Es gibt Fälle in Kassel, bei denen die Tiere die gesamte Dämmung zerlegt haben, berichtet der Wahlershäuser Frank Becker, der sich mit seiner Firma Waschbärschutz auf das Problem spezialisiert hat. Da gehe der Schaden dann bis in den fünfstelligen Bereich. 

Was kann man tun, um die Tiere wieder loszuwerden? 

Als Laie nicht viel. Die Tiere fangen oder gar mit Giftködern zu töten, ist nicht erlaubt. Sowohl Waschbären als auch Marder unterliegen dem Jagdrecht. Das heißt, nur wer einen Jagdschein beziehungsweise speziellen Fallenschein hat, darf die Tiere fangen und töten. 

Totalschaden: Die Isolierung dieses Dachbodens in Waldau wurde von Waschbären komplett zerlegt.

Allerdings sei das meist wenig zielführend, sagt Jagdaufseher Becker. Denn wenn man ein Tier erlege, komme das nächste und setze sich gewissermaßen ins gemachte Nest. Deshalb sei es vor allem wichtig, den Tieren den Zugang zum Haus zu versperren.

Wie kann man Waschbär und Marder draußen halten? 

Das ist gar nicht so leicht. Denn die Tiere sind sehr gute Kletterer. Marder können zudem bis zu zwei Meter hoch springen. Fallrohre von Regenrinnen dienen den Eindringlingen häufig als Aufstiegshilfen. Auf dem Dach können sie sogar Dachziegeln anheben und darunter durchschlüpfen. 

Wichtig ist daher, Schlupflöcher zu verschließen beziehungsweise den Aufstieg zu versperren. Becker, der manchmal schmunzeln muss, wenn er Schutzvorrichtungen Marke Eigenbau sieht, hat zwei patentierte Vorrichtungen entwickelt: einen Kletterschutz und einen Elektrozaun fürs Dach.

Wie funktionieren die Schutzvorrichtungen? 

Der Kletterschutz besteht aus Kunststoff (Polycarbonat) und wird als mindestens einen Meter hohe Ummantelung um Fallrohre oder auch um Baumstämme angebracht, die den Tieren als Aufstiegshilfe dient, erklärt Becker. Wichtig sei, dass an Hausecken auch eine Platte neben dem ummantelten Rohr angebracht wird, damit die Tiere nicht einfach an der Ecke hochklettern und den Schutz überwinden. 

Einfach, aber wirksam: Der patentierte Schutz von Frank Becker.

Bei Mardern, die wahre Kletterkünstler seien, müsse man dabei noch mehr Aufwand betreiben als bei Waschbären.Der Elektrozaun kann an Dachrinnen, Hausecken und Dachkanten angebracht werden. Beim Versuch, die Kabel zu überwinden, bekommen die Tiere einen Stromschlag und werden abgeschreckt.

Können Duftstoffe etwas bewirken? 

Bei Mardern schon, sagt Becker. Er nutze einen speziellen Duftstoff, der als Pulver ausgestreut werde, sagt Becker. „Der gaukelt dem Marder vor, es wäre ein Riesenmarder eingezogen, dann zieht der aus.“ Nach einem Jahr lasse die Duftwirkung allerdings nach, dann könne es von vorne losgehen, wenn man nichts unternehme. Waschbären reagierten in der Regel nicht auf Duftstoffe, so der Waschbär-Experte.

Und was ist mit Ultraschall? 

Gerade Marder hätten ein sehr empfindliches Gehör, sagt Frank Becker. Geräte, die ultrafrequente Töne aussenden, können für die Tiere durchaus ein Störfaktor sein. 

Frank Becker von der Firma Waschbärschutz.

Im städtischen Bereich gebe es allerdings jede Menge Geräusche. Tiere, die in der Stadt lebten, hätten sich häufig daran gewöhnt. Daher seien solche Ultraschall-Vergrämer meist nicht wirksam.

Nehmen die Probleme mit Waschbären und Mardern in der Stadt zu? 

Belastbare Zahlen gibt es dazu nicht. Frank Becker, der mit seiner Waschbärschutz-Firma über 20 Jahre Erfahrung hat, beobachtet vor allem, dass die Tiere sich immer weiter ausbreiten. Früher sei das Problem auf die westlichen, waldnahen Stadtteile von Kassel beschränkt gewesen. Inzwischen sei längst die gesamte Stadt betroffen. 

Auch im Umland, von Fritzlar bis Grebenstein, haben er und seine beiden Mitarbeiter regelmäßig Aufträge – vor allem in den Sommermonaten, denn im Winter sind zumindest Waschbären eher inaktiv. Sogar bundesweit bekommt die Waschbären-Hauptstadt Kassel Konkurrenz. Gerade Berlin habe ein massives Waschbären-Problem, berichtet Becker.

Waschbären halten sich schon länger nicht mehr nur in den waldnahen Kasseler Stadtteilen auf. Die Tiere zieht es immer häufiger in die Innenstadt*.

Waschbären breiten sich nicht nur in Kassel immer weiter aus. Deswegen soll mit den strengeren Schonzeiten nun Schluss sein. Auch junge Tiere sollen bald bejagt werden.

Von Katja Rudolph

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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