1. tz
  2. Welt

Supermarkt-Foto sorgt für Entsetzen: Kaufland-Kundin von Preisanstieg überrascht

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

inflation lebensmittelpreise verbraucherpreise pringles twitter chips supermarkt
Pringles für drei Euro? Eine Twitter-Nutzerin kann es kaum glauben. © @HJMK21 Twitter

Eine Kaufland-Kundin ist von dem Preis für Chips überrascht und teilt ihren Fund auf Twitter. Die Inflation allein ist offenbar nicht der Grund, Twitter-Nutzer begeben sich auf Spurensuche.

Neckarsulm - Die Preise im Supermarkt stiegen zuletzt deutlich. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) warnte am Freitag vor einer durch die Energiekrise außer Kontrolle geratenen Inflation. In einer Kaufland-Filiale fand eine Kundin nun ein sehr eindrucksvolles Beispiel für die aktuell hohen Preise, doch es stellt sich heraus: Die Inflation allein ist offenbar nicht der Grund.

Verbraucherpreise steigen: Kaufland-Kundin schockiert über 3-Euro-Pringles

Als Folge des Ukraine-Kriegs stiegen die Kosten für Energie, Logistik und Rohstoffe - und damit auch die Lebensmittelpreise. Eine Kaufland-Kundin entdeckte am Mittwoch ein eindrucksvolles Beispiel dafür: Eine Pringles-Packung für 2,99 Euro - und damit für einen Kilopreis von 16,17 Euro. „Ich bin heute bei Kaufland gewesen“, schrieb die Kundin dazu auf Englisch und fragte: „3 Euro für Pringles?“

Die Verbraucherpreise in Deutschland stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat im August um 7,9 Prozent. Damit erhöhte sich die Inflationsrate im August wieder leicht. „Meine Hauptsorge ist, dass sich die Inflation aus ihrer Verankerung lösen könnte, dass sie dauerhaft galoppiert und man sie nicht unter Kontrolle bekommt“, sagte Finanzminister Lindner dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Freitag. Die Inflation sei das größte wirtschaftliche Risiko, weil es zur Verarmung führe und weil sie verhindere, dass neu investiert werde.

Doch die Inflation allein erklärt den Kaufland-Preis offenbar nicht. Denn bei Rewe kostete die 185 Gramm-Packung am Freitag im Online-Shop 2,59 Euro und damit 14 Euro pro Kilo - rund 15 Prozent weniger als bei Kaufland. Im Edeka-Online-Shop waren es indes 2,69 (14,54 Euro pro Kilo). Selbst der Online-Shop von Kaufland war teurer als die Konkurrenz: Hier lagen die Chips bei 2,86 Euro (15,86 Euro pro Kilo) - zuzüglich Versand.

Twitter-Nutzer machen sich auf Spurensuche: Ist Wechselkurs schuld?

In einem Kommentar unter dem Beitrag fragte ein Twitter-Nutzer, ob der hohe Pringles-Preis wohl am Wechselkurs liegen könnte. Der Euro hatte am Freitag im frühen Handel leicht nachgegeben. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 0,9985 US-Dollar und damit etwas weniger als Donnerstagabend. Eine Abwertung des Euro macht US-amerikanische Produkte in Deutschland tatsächlich teurer. Hinter der Marke Pringles steckt der Hersteller Kellogg‘s, der seinen Sitz in den USA hat. Allerdings wird der Wechselkurs in der Regel nicht zeitnah bei Supermarktprodukten eingepreist. Zudem lag die Gemeinschaftswährung am Dienstag - kurz bevor das Foto der teuren Chips im Kaufland entstand - noch bei 1,0140 US-Dollar.

Allerdings könnte an der Vermutung indirekt etwas dran sein. Denn viele Supermärkte beklagen die Preissteigerungen bei den Lieferanten. „Uns werden zurzeit von den Herstellern jede Woche neue Preiserhöhungen angekündigt“, sagte Rewe-Chef Lionel Souque Anfang September vor der „Wirtschaftspublizistischen Vereinigung“. Rewe hatte angegeben, nicht alle Preissteigerungen an die Kunden weitergeben zu wollen. Auch die Supermarktkette Edeka warnte seine Lieferanten vor überhöhten Preisforderungen. „Lebensmittel dürfen nicht zum Luxusgut werden“, so Edeka-Chef Markus Mosa. Auf eine Anfrage von tz.de zu den Hintergründen des Preisunterschieds antwortete Kaufland mit dem Hinweis, dass Kunden auf dem Kaufland-Online-Marktplatz „neben einem breiten Non-Food-Eigensortiment mit rund 300.000 Artikeln auch aus über 40 Millionen Artikeln selbstständiger Marktplatzhändler auswählen, die ihre Preise selbst gestalten“. Darüber hinaus wollte das Unternehmen keine Angaben zur Preisgestaltung machen.

Fest steht, dass die Preissteigerungen bei Lebensmitteln, Benzin und Co. Menschen in Deutschland stark belasten. Finanzminister Lindner betonte hierzu, dass die Bürger nicht schutzlos seien. Die beschlossenen Entlastungspakete oder der Versuch Zufallsgewinne bei Energieversorgern abzuschöpfen, seien Gegenmaßnahmen der Bundesregierung. An die Arbeitgeber appellierte Lindner, von der Möglichkeit einer steuer- und abgabenfreien Einmalzahlung von bis zu 3000 Euro an ihre Beschäftigten Gebrauch zu machen. „Ich hoffe, dass sehr viele Arbeitgeber die Möglichkeit nutzen.“ (AFP/dpa/bme).

Auch interessant

Kommentare