Kind zu Tode geschüttelt: Stiefvater verurteilt

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Der Angeklagte Jan S. (l) und sein Verteidiger, Rechtsanwalt Christian Schößling, sitzen bei ihrem Revisionsprozesses im Landgericht in Magdeburg nebeneinander.

Magdeburg - Der kleine Jason stirbt mit 18 Monaten. Wurde er misshandelt und sein Tod in Kauf genommen? Antworten suchte die Justiz jetzt schon zum zweiten Mal. Jetzt schickt sie den Stiefvater ins Gefängnis.

Er war allein mit dem schreienden Jason und verlor die Nerven. Weil er den 18 Monate alten Jungen mehrmals heftig geschüttelt und damit dessen Tod in Kauf genommen hat, muss ein 25 Jahre alter Mann mehrere Jahre ins Gefängnis. Das Magdeburger Landgericht verurteilte den Stiefvater des Kindes am Mittwoch wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu vier Jahren und neun Monaten Haft. Es bestehe kein Zweifel, dass er mit der unkontrollierten Schüttelei vor mehr als dreieinhalb Jahren schwere Verletzungen bei dem wehrlosen Kind verursacht hat. Das war am 16. September 2009. Sechs Tage später verloren die Ärzte im Krankenhaus den Kampf um das Leben des schwer verletzten Jungen aus Dessau-Roßlau.

Das Drama beschäftigte bereits zum zweiten Mal die Justiz. Nach dem ersten, fast 20 Monate dauernden Prozess am Landgericht Dessau-Roßlau hatte Jasons Stiefvater den Saal im Dezember 2011 als freier Mann verlassen. Der Bundesgerichtshof kassierte den Freispruch aber später in der Revision. Jasons damals mitangeklagte Mutter wurde ebenfalls freigesprochen. Dieses Urteil ist rechtskräftig.

Ein Arzt hatte im zweiten Verfahren ausgesagt, Jason habe Blutungen im Augeninneren gehabt, wie sie Motorradfahrer oft bei Aufprallunfällen erleiden. Weitere Verletzungen zeugten von der Härte der Misshandlungen: Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden bei dem Jungen ausgedehnte Hautunterblutungen im Gesicht, abgerissene Brückenvenen und Blutungen unter der harten Hirnhaut festgestellt. Die Verteidigung kündigte an, in Revision zu gehen.

Die Kammer um den Vorsitzenden Richter Dirk Sternberg schloss sich mit dem Urteil weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft an. Die hatte fünf Jahre Haft gefordert. „Sie waren allein mit dem Jungen, Sie waren verärgert, möglicherweise frustriert und haben die Kontrolle verloren“, sagte Sternberg in Richtung des 25-Jährigen. Jason sei wehrlos gewesen. „Sein Kopf peitsche nach vorn und zurück - und das direkt vor Ihrem Antlitz.“

Angaben des zum Teil geständigen Mannes, er habe Jason durch Schütteln „beruhigen“ wollen, schenkte das Gericht keinen Glauben. Das Kind sei schlussendlich apathisch gewesen, hieß es. Ursprünglich saß der 25-Jährige wegen Totschlags auf der Anklagebank. Das Urteil nahm er ohne Regung auf. Die Mutter des toten Jungen - gleichzeitig Nebenklägerin, aktuelle Verlobte des Angeklagten und bald Mutter des zweiten gemeinsamen Kindes, war gar nicht zur Urteilsverkündung erschienen.

dpa

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