Kinderschänder-Prozess: Stieftochter auch an andere "verkauft"

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Das Gesicht mit der Kapuze seines Parkas verhüllt, wird am Donnerstag (31.03.2011) der 61-jähriger Angeklagte aus Rastatt in einem Polizeiwagen zum Landgericht Baden-Baden gebracht.

Baden-Baden - Als “abstoßend“ bezeichnet der Richter, was ein 61-Jähriger seiner anfangs erst neun Jahre alten Stieftochter antat. Gegen Geld konnten sich auch andere Männer an dem Kind vergehen.

Er missbrauchte seine kleine Stieftochter und verkaufte sie an andere Männer - dafür wurde ein 61-Jähriger nun zu zwölf Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Das Landgericht befand den Mann aus dem badischen Rastatt am Donnerstag des schweren sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen in 128 Fällen für schuldig. Die Taten seien “abstoßend“, erklärte der Vorsitzende Richter Klaus Beier in der Urteilsbegründung.

Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern

Die neunjährige Corinna wurde am 29.07.2009 tot in einem Seitenarm des Flusses Mulde unweit ihres Elternhauses in Eilenburg gefunden. Sie fiel vermutlich einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Die Ermittlungen dauern noch an. © ap
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Der neunjährige Dennis aus Scharmbeckstotel wurde am 05. September 2001 aus dem Schullandheim Wulsbüttel entführt. Am 19.09.2001 wurde die Leiche von Dennis in einem Waldstück bei Kirchtimke entdeckt. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Die achtjährige Michelle aus Leipzig wurde am 17. August 2008 auf dem Heimweg entführt. Am 21. August wurde ihre Leiche in einem Teich gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Der heute 73-Jährige Josef Fritzl hielt seine Tochter Elisabeth Jahrzehnte in einem Kellerverlies unter seinem Haus gefangen. Immer wieder vergewaltigte er sie und zeugte in der Zeit mit ihr sieben Kinder. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
In diesem Kellerverlies wurden die Opfer von Fritzl gefangen gehalten. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Im Jahr 2006 gelang Natascha Kampusch die Flucht von ihrem Peiniger Wolfgang Priklopil. Er begann daraufhin Selbstmord. © dpa
Die 6-jaehrige Ayla aus Zwickau wurde 17. Mai 2005 in der Naehe ihrer Wohnung von einem Mann in ein Auto gezogen worden.
Die sechsjährige Ayla aus Zwickau wurde am 17. Mai 2005 in der Naehe ihrer Wohnung von einem Mann in ein Auto gezogen, sexuell missbraucht und ermordet.. © dpa
Der Mörder von Ayla, Michael L. hat die Tat wenig später gestanden.
Der Mörder von Ayla, Michael L. hat die Tat wenig später gestanden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Der jüngste traurige Fall: Die achtjährige Kardelen aus Paderborn wurde seit 12. Januar 2009 vermisst. Vier Tage später die traurige Gewissheit. Kardelen wurde sexuell missbraucht und getötet. © dpa
Die zehnjährige Adelina aus Bremen verschwand am 26. Juni 2001 nach dem Besuch beim Ur-Großvater. Ihre Leiche wurde später in einem Wald gefunden.
Die zehnjährige Adelina aus Bremen verschwand am 26. Juni 2001 nach dem Besuch beim Ur-Großvater. Ihre Leiche wurde später in einem Wald gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Die achtjährige Levke aus Cuxhaven wurde seit dem 6. Mai 2004 vermisst. Dreieinhalb Monate später wird ihre Leiche in einem Waldstück in Attendorn gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Die vier Jahre alte Madeleine McCann war am 3. Mai 2007 spurlos aus einer Ferienwohnung in Südportugal verschwunden. Bis heute ist der Fall ungelöst. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Gestanden hat der Mörder des neunjährigen Mitja vor Gericht in Leipzig. Der damals 43-Jährige hat den neunjährigen Buben mit in seine Wohnung genommen, vergewaltigt und erdrosselt. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Immer noch auf freiem Fuß sind die Täter, die das Leben des damals fünfjährigen Pascal auf dem Gewissen haben. Der Bub wurde 2001 in einer Kneipe in Saarbrücken vergewaltigt und erstickt. Seine Leiche wurde nie gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
In Riekofen im Landkreis Regensburg wird 2007 bekannt, dass der örtliche Pfarrer sich an einem Kind vergangen haben soll. Wie sich herausstellte war es nicht der erste Fall: Der Geistliche war bereits wegen sexuellen Missbrauchs vorbestraft. Das Ordinariat schweigt zu den Vorwürfen. © dpa
Am 15. September 1981 wird die zehnjährige Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee entführt.
Am 15. September 1981 wurde die zehnjährige Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee entführt. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
In dieser Kiste wurde sie von dem Täter gesteckt, in der sie qualvoll erstickte. © dpa

Der Mann hatte vor Gericht eingeräumt, seine kleine Stieftochter in zahlreichen Fällen missbraucht zu haben. Zudem hatte er das Kind nach Überzeugung des Gerichts an andere Männer verkauft. Diese durften sich gegen Bargeld an dem Mädchen vergehen oder kinderpornografische Fotos von ihm machen.

Das Gericht sah die Schuld des Mannes als erwiesen an. Der Mann habe das anfangs erst neunjährige Kind, das wie seine Mutter aus Indonesien stammt, über mindestens zwei Jahre hinweg hundertfach zum Beischlaf und anderen sexuellen Handlungen gezwungen, sagte der Richter. Zudem fotografierte er das Kind regelmäßig in eindeutigen, teilweise demütigenden Posen oder hielt ihren Missbrauch durch andere Kinderschänder auf zahllosen Bildern fest.

Die Taten ereigneten sich zwischen 2008 und 2010. Missbraucht wurde das Kind vor allem in der Wohnung des Mannes sowie in seinem als “Fotostudio“ eingerichteten Keller. Die Staatsanwaltschaft hatte zahlreiche Fotos und Bilddateien gefunden. Seine pädophilen “Geschäftspartner“ hatte er unter anderem über das Internet kennengelernt.

Mit dem Strafmaß blieb das Gericht hinter den Forderungen der Staatsanwaltschaft zurück. Diese hatte 14 Jahre Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung gefordert. Die Verteidigung hatte sich in ihrem Plädoyer nicht auf ein Strafmaß festgelegt. “Das Gericht hat keinen Zugang zum Angeklagten gefunden“, sagte der Richter. Der 61-Jährige habe zwar ein Teilgeständnis abgelegt, seine wahren Motive habe er aber nicht offen gelegt. Sein Argument, es habe sich um eine Liebesbeziehung zwischen ihm und dem Mädchen gehandelt, hatte eine Kinderpsychiaterin im Laufe des Prozesses als “lächerlich“ bezeichnet.

Selbst Verteidiger zeigt sich entsetzt

Auch der Pflichtverteidiger des 61-Jährigen zeigte nur wenig Verständnis für seinen Mandanten. “Ich kann nichts zur Entlastung meines Mandanten vorbringen“, sagte Anwalt Hans-Werner Dünnbier in seinem Plädoyer.

Der Angeklagte nahm das Urteil regungslos entgegen. Auf das letzte Wort, das ihm das Gericht zum Ende des Prozesses eingeräumt hatte, verzichtete er. Er verließ nach dem Urteilsspruch in Handschellen den Gerichtssaal in Richtung Gefängnis.

Kurz vor Beginn des Prozesses Mitte März hatte der Mann versucht, sich in seiner Gefängniszelle umzubringen. Daraufhin war der Prozess um zwei Wochen verschoben und das Verfahren gegen einen Mitangeklagten abgetrennt worden. Der Komplize des Mannes, ein 38 Jahre alter Mann aus Erfurt, war Anfang März zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden.

dpa

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