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Kindsmörder Gäfgen will einen neuen Prozess

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Der Kindsmörder will einen neuen Prozess.
Der Kindsmörder will einen neuen Prozess. © dpa

Straßburg - Seine sinnlose Tat hatte Millionen empört. Seitdem sorgt der Mörder des elfjährigen Frankfurter Bankiers-Sohns Jakob von Metzler immer wieder für Schlagzeilen.

Derzeit beschäftigt sich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg mit seinem Fall. Denn der bereits im Mai 2003 zu lebenslanger Haft verurteilte Mörder Magnus Gäfgen will einen neuen Prozess. Heute in einer Woche wird das Gericht seine Entscheidung bekannt geben.In seiner Beschwerde wirft Gäfgen, der im Knast sein Jurastudium abgeschlossen hat, der Bundesrepublik Deutschland einen Verstoß gegen das Folterverbot vor. Begründung: Frankfurts Polizeivizepräsident Wolfgang Daschner hatte einen Kriminalbeamten angewiesen, dem nach der Lösegeldübergabe gefassten Täter Schmerzen anzudrohen, wenn der nicht das Versteck des Elfjährigen verraten sollte. Dass Gäfgen den Buben unmittelbar nach der Entführung umgebracht hatte, wusste die Polizei damals noch nicht. Aus Angst vor Gewalt hatte der damalige Student die Fahnder zu der in einem See bei Frankfurt versenkten Leiche des Kindes geführt.

Sollte Gäfgen vor dem Europäischen Gerichtshof siegen, müsste nochmal gegen ihn verhandelt werden – vermutlich diesmal vor dem Landgericht Darmstadt. Alles, was der Täter unter Androhung von „Folter“ gesagt hatte, dürfte dann möglicherweise nicht mehr verwendet werden. Zuletzt hatten sich Richter mit einer von Magnus Gäfgen geplanten Stiftung beschäftigt. Diese sollte Kindern helfen, die Opfer von Verbrechen wurden. Eine solche Stiftung wurde abgelehnt – weil sie gegen „die guten Sitten“ verstoße.Gäfgen hatte den Buben, der ihn kannte, im September 2002 in seine Wohnung gelockt, getötet und von den Eltern eine Million Euro Lösegeld gefordert.

tz Frankfurt/Straßburg

Quelle: tz

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