Prävention für Priester

Kirche bietet Projekt gegen sexuellen Missbrauch

München - Die katholische Kirche kämpft mit der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle. Ein Präventionsprojekt soll verhindern, dass es künftig wieder solche Probleme gibt.

Der Skandal hatte die gesamte katholische Kirche erschüttert: Priester sollen Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben. Jetzt gibt es ein Präventionsprojekt, das kirchliche Mitarbeiter weltweit für die Probleme des sexuellen Kindesmissbrauchs sensibilisieren soll.

Das Konzept wurde in einer dreijährigen Pilotphase bereits in München getestet und soll jetzt in Rom an der Päpstlichen Universität Gregoriana mehr Aufmerksamkeit erhalten. „Kinder und Jugendliche sollen in der Kirche einen geschützten Raum haben, um ihre Persönlichkeit zu entwickeln“, sagte Münchens Erzbischof Reinhard Marx am Mittwoch.

In der Pilotphase haben mehr als 700 Priester, Diakone und Religionslehrer den Online-Kurs des Zentrums für Kinderschutzes durchlaufen. Dabei beschäftigen sich die kirchlichen Mitarbeiter etwa damit, welche Strafen es in ihren Ländern für sexuellen Missbrauch gibt und was man tun kann, wenn bei einem Kind der Verdacht auf einen Missbrauch besteht. Geschult wurden kirchliche Mitarbeiter in Argentinien, Ghana, Indien, Indonesien, Polen und fünf weiteren Ländern.

Kurse sollen in weitere Sprachen übersetzt werden

Bislang gibt es die Kurse in Deutsch, Englisch, Spanisch und Italienisch. „Wir wollen die Inhalte jetzt in weitere Sprachen übersetzen - etwa ins Französische“, sagte Psychologie-Professorin Karlijn Demasure, die das Projekt an der Päpstlichen Universität betreut. Zudem sollen in jedem Land eigene Fallbeispiele entwickelt werden. „Wir brauchen einen langen Atem, damit die Welt zu einer sicheren Umgebung für Kinder und Jugendliche werden kann“, sagte sie.

In München will Marx die Inhalte des Kurses als festen Bestandteil in die Priesterausbildung integrieren. Zudem hofft der Kardinal, dass die Forschung auch bei der Auswahl von zukünftigen Priestern hilft. Bislang fehlten wissenschaftliche Erkenntnisse, ob der Zölibat die Gefahr sexuellen Missbrauchs von Kindern erhöhe. „Die Forschung ist da noch nicht so weit, wie viele sich das vorstellen.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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