„Ich war der 21. an dem Tag“

Lieferando-Betrug: Pizza-Boten am Verzweifeln - „Das ist im Lockdown eine richtig miese Sache“

In Köln kam es in letzter Zeit vermehrt zu Betrügen über den Lieferdienst Lieferando. Ein Pizzabote erläutert, was es damit auf sich hat.

Köln - Die aktuelle Lage ist für viele Leute belastend. Das Coronavirus sorgt dafür, dass so einige Dinge nicht mehr möglich sind, die man vorher noch als selbstverständlich angesehen hat. Vor allem aber leidet der Wirtschaftssektor unter der Pandemie, denn schon seit dem 2. November sind alle gastronomischen Betriebe in Deutschland zwangsweise geschlossen. Immer mehr Restaurants sind also darauf angewiesen, umzudenken und sich an die Maßnahmen anzupassen, wenn sie weiter Umsätze erzielen wollen.

Viele der Gastronomen stiegen als Lösung also auf Takeaway um oder meldeten sich bei dem deutschen Liefermarktserviceführer Lieferando an. Die Lieferdienste sind praktisch und werden von einer großen Menge an Leuten auch gerne in Anspruch genommen. Doch die Lieferanten fallen nicht selten Betrügern zum Opfer: In Köln erzählten Lieferboten in einem Interview mit Express.de von der Liefer-Hölle, die sie durch falsche Lieferbestellungen durchmachen müssen.

Köln: Betrüger tätigen Fake-Bestellungen über Lieferando

Die vermeintlichen Kunden nutzen zum Betrug eine falsche E-Mail-Adresse und wählen bei der Zahlung dann immer Barzahlung aus. Alles nur damit sie den nichts ahnenden Lieferboten unerkannt an einen selbstgewählten Ort schicken können. Erst wenn der Bote direkt vor der falsch angegeben Haustüre steht, wird ihm bewusst, dass es sich um Betrug handelt.

Der Lieferdienst Lieferando liefert Essen in vielen deutschen Städten.

Ein Mitarbeiter, der für den Bringservice „Pizza Mann“ in der Kölner Südstadt Pizzen ausliefert, lässt sich in dem Interview mit Express.de zurecht über die Fake-Bestellungen aus: „Wir erhalten in letzter Zeit immer wieder Fehlbestellungen über Lieferando. Wenn ich zu dem Kunden komme, wird das Essen nicht angenommen und die angegebene Handynummer ist nicht rückverfolgbar. Neulich stand ich mit drei weiteren Boten zeitgleich vor der Tür und wir mussten das Essen alle wieder mitnehmen. Das ist im Lockdown eine richtig miese Sache“.

Zugespitzt haben soll sich das Ganze erst kürzlich bei einer Kundin in Rondorf. „Die Dame sagte mir beim Öffnen der Türe, dass ich bereits der 21. Bote an diesem Tag sei, der irrtümlicherweise Essen zu ihr bringen möchte. “, so der Pizzabote. Da die Bestellungen allesamt über den Lieferservicedienst Lieferando ablaufen, dachte der Bote zuerst an ein technisches Problem und setzte sich deshalb mit einem der Mitarbeiter in Verbindung: „Der wusste allerdings von nichts. Ich finde es sehr seltsam, dass Lieferando diese Bestellungen nicht auffallen. Ich meine, wenn an einem Tag 21 Bestellungen von einem Ort abgegeben werden, dann könnte man ja durchaus mal hellhörig werden und dort anrufen.“

Fake-Bestellungen in Köln betreffen mehrere Gastronomen

Nicht nur „Pizza Mann“ ist von den Betrügern betroffen, die schon beinahe täglich vorkommen. „Die Fake-Bestellungen heutzutage bestehen meistens aus einer Pizza und einem Getränk, da rufen wir natürlich nicht an, weil wir unter Hochbetrieb arbeiten. Am Ende stellt sich dann einfach heraus, dass die Bestellung nicht überbracht werden konnte, weil die Person entweder nicht existiert, oder die Person am Zielort gar nicht selber bestellt hat. Das sind dann immer so 15 Euro, die täglich wegen solcher Aktionen flöten gehen“, berichtet ein Mitarbeiter einer anderen Pizzeria.

Köln: Mitarbeiter verdächtigt Konkurrenz hinter den falschen Bestellungen

Der Mitarbeiter äußert sogar eine Vermutung, wer hinter den falschen Bestellungen stecken könnte: „Früher ist es öfter vorgekommen, dass die Konkurrenz solche Dinge gemacht hat. Sogar ehemalige Mitarbeiter. Die haben uns dann einfach eine schlechte Bewertung verpasst, weil das Essen nicht ankam. Es war ein kleinerer Rosenkrieg untereinander.“

Gegen die Liefer-Betrüge gebe es nur eine Option vorzugehen: Bestellungen, bei denen es einen Verdacht auf Betrug gibt, direkt bei Lieferando als potenzielle Fake-Bestellung zu melden. Ein Pizzeria-Inhaber erläutert: „Wenn ich im Gefühl habe, dass es sich um eine Fake-Bestellung handelt, dann rufe ich bei Lieferando an, damit die Bestellung storniert wird. Dann wird zumindest die Provision nicht abgezogen. Wenn du das aber von dir aus nicht tust, dann passiert auch nichts.“ (lp)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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