Nur 140.000 Kilometer Entfernung

Komet rast in Rekordnähe am Mars vorbei

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Das undatierte Bild der NASA zeigt illustrativ, wie der Komet in Rekordnähe am Mars vorbeiflog. Der Schweifstern "Siding Spring" passierte den Mars in nur knapp 140.000 Kilometer Entfernung.

Washington - Ein Komet ist am Sonntag in Rekordnähe an einem Planeten vorbeigerast. Der Schweifstern "Siding Spring" passierte den Mars in nur knapp 140.000 Kilometer Entfernung.

Das ist etwa ein Drittel der Distanz zwischen der Erde und dem Mond. Zur Zeit der größten Annäherung um 20.27 Uhr MESZ bewegte sich der Komet im Verhältnis zum Mars mit einer Geschwindigkeit von 203 000 Kilometern in der Stunde, wie die Nasa berechnet hatte.

Der Komet, aufgenommen mit dem Hubble-Weltraum-Teleskop. Hier liegt ein Filter drauf.

„Wir sind alle sehr begeistert“, sagte Guy Webster vom Jet Propulsion Laboratory der US-Weltraumbehörde der Nachrichtenagentur dpa. Er sprach von einem bisher einmaligen Ereignis für die Wissenschaft: Gleich ein Großaufgebot an Raumsonden, Teleskopen und Mars-Fahrzeugen hatte den Vorbeiflug beobachtet. Darunter war der „Mars Reconnaissance Orbiter“. Er umkreiste den Roten Planeten und schickte schon kurz nach dem Vorbeiflug erste Daten über den Flirt zwischen Kometen und Planeten zur Erde. Nach Angaben der Nasa überstanden alle Sonden den Ansturm von Staub-Partikeln des Besuchers unversehrt.

Wissenschaftler erhoffen sich von dem Rendezvous wichtige Erkenntnisse: über die Zusammensetzung des Kometen, der ein Überrest aus der Entstehung unseres Sonnensystems ist, sowie über das Wechselspiel zwischen der Mars-Atmosphäre und ihrem Umfeld.

Der Komet mit der wissenschaftlichen Bezeichnung „C/2013 A1“ stammt aus der sogenannten Oortschen Wolke. Diese riesige Region in den Tiefen des Weltalls hat sich seit der Geburtsstunde des Planetensystems kaum verändert. Entdeckt wurde der Schweifstern von Robert H. McNaught am Siding Spring Observatorium in Australien.

Mindestens 16 Geräte im All und auf dem Mars sind laut Nasa an den Analysen beteiligt, darunter der Marsrover „Curiosity“ und das Weltraumteleskop „Hubble“. Auch die Raumsonde „Maven“, die erst kürzlich den Roten Planeten erreichte, war dafür im Einsatz. Erste Daten und Bilder von den Marssonden zum Vorbeiflug wurden Webster zufolge noch für Montag erwartet.

Von den Informationen versprechen sich die Forscher Rückschlüsse auf die Stoffe, die es bei der Bildung des Sonnensystems vor etwa 4,6 Milliarden Jahren gab. Die Oortsche Wolke, aus der der Komet stammt, ist chemisch sehr ursprünglich. Markus Fränz vom Max-Planck-Institut (MPI) für Sonnensystemforschung in Göttingen hofft, dass einzelne Atome und Ione eingefangen werden können.

Die Göttinger Wissenschaftler sind mit dem Teilchendetektor „Aspera-3“ an Bord des „Mars Express“, einer Sonde der europäischen Raumfahrtagentur Esa, an den Untersuchungen beteiligt.

Das ist eine Originalaufnahme des Kometen mit dem Hubble-Weltraum-Teleskop..

Daneben erhoffen Astronomen Erkenntnisse über den Mars selbst. Experten erwarteten, dass „Siding Spring“ die Atmosphäre des Planeten beeinflusst. Diese Wechselwirkung könne Hinweise darauf liefern, warum aus der Mars-Atmosphäre immer wieder geladene Teilchen herausgerissen werden, erläuterte Fränz.

Kometen sind mehrere Milliarden Jahre alt und stammen aus der Anfangszeit unseres Sonnensystems. Sie bestehen aus einer Mischung von Eis und Gestein und werden daher auch als schmutzige Schneebälle bezeichnet. Nähert sich ein Komet der Sonne, beginnt sein meist nur wenige Kilometer großer Kern zu verdampfen und bildet eine dichte Staub- und Gaswolke, die sogenannte Koma.

Zu dem kosmischen Ereignis veröffentlichte die NASA eine Grafik: In der für Weltraum-Verhältnisse sehr geringen Entfernung von 140.000 Kilometern ist ein Komet am Mars vorbeigerast.

Später entsteht der Kometenschweif. Dabei handelt es sich um Gasmoleküle und Staubteilchen, die von der Sonnenstrahlung und von dem beständigen Partikelstrom der Sonne, dem sogenannten Sonnenwind, aus der Koma weggeblasen werden. Ein Kometenschweif kann mehrere Millionen Kilometer lang werden und ist manchmal von der Erde aus mit bloßem Auge zu sehen.

dpa

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