Testphase in Kopenhagen

Sinnvoll oder Gaga? Stadt muss Schüler wecken

Kopenhagen - In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen müssen Schüler von Amts wegen geweckt werden, damit sie nicht zu häufig den Schulunterricht verpassen. Nun tobt die Debatte, wie sinnvoll das ist.

Im Rückblick auf eine einjährige Testphase sagte die Sozialarbeiterin Barbro Lundqvist am Dienstag, ein Drittel der betroffenen Kinder aus der Gruppe der 7- bis 15-Jährigen habe sich inzwischen daran gewöhnt, pünktlich zur Schule zu kommen. In den meisten Fällen reichten Telefonate aber nicht aus, sondern die Sozialarbeiter mussten sich zu den Familien hinbewegen.

Der Schulversuch wird im Kopenhagener Stadtviertel Oesterbro vorgenommen. Er löste eine Debatte über Grenzen des Wohlfahrtsstaates aus. "Wenn Dänemark ein Wohlfahrtsstaat ist, dann ist Oesterbro ein kleiner Kosmos ausgeprägten Wohlstands", merkte Tom Jensen in der Tageszeitung "Berlingske" an. "Wir haben nichts mehr, wofür wir kämpfen müssten - und falls es jemand am Morgen nicht schafft aufzustehen, kommt jemand von der Stadtverwaltung und weckt die Kleinen auf."

Trotz zunehmender Kritik soll der Versuch weitergeführt und auf andere Stadtviertel ausgedehnt werden. "Wir müssen das tun, was für die Kinder am besten ist", sagte Lundqvist. "Und vielleicht haben wir hier und jetzt nicht die Möglichkeiten, die Probleme der Eltern zu lösen."

AFP

Rubriklistenbild: © dpa

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