So gefährlich ist Aflatoxin B1 für uns

Krebsgift in Milch: Wichtige Fragen & Antworten

München - Neuer Lebensmittelskandal: In mehreren Ländern wurde das Gift Aflatoxin B1 in der Milch nachgewiesen. Die tz beantwortet die acht wichtigsten Fragen zum Skandal.

Neuer Schock für die Agrarbranche und für Verbraucher: Im Futter für Rinder, Schweine und Geflügel ist der krebserregende Schimmelpilz Aflatoxin B1 nachgewiesen worden. Tausende Tonnen verseuchter Futtermais aus Serbien sind nach Niedersachsen importiert und dort weiterverarbeitet worden. In den Balkanländern sind Aflatoxin-Funde seit Anfang Februar ein Thema. In Serbien, Kroatien, Slowenien und Bosnien wurde das Gift in der Milch nachgewiesen. Die tz beantwortet die acht wichtigsten Fragen zum Skandal.

Was sind Aflatoxine und wo kommen sie vor?

Aflatoxine werden von einigen Schimmelpilzen gebildet. Der Pilz befällt Samen, Nüsse, Gewürze und Getreidesorten. Aber auch getrocknete Früchte – vor allem Feigen – sind immer wieder mit Aflatoxinen belastet. Aufgrund der Wachstumsbedingungen für die Pilze bei Temperaturen zwischen 25 und 40 Grad sind sie überwiegend in tropischen und subtropischen Gebieten beheimatet. In Europa gelten Aflatoxine daher als „importierte Toxine“. Mittlerweile sind knapp 25 Aflatoxine bekannt. Aflatoxin B1 gilt als die giftigste Substanz der genannten Gruppe.

Wo liegen die Grenzwerte für das Gift?

Die akut tödliche Dosis beim Menschen wird auf 1 bis 10 Mikrogramm pro Kilo Körpergewicht geschätzt. Schon vor einigen Jahren hatten Kontrollbehörden den Pilz in Kosmetika und auf Mandeln entdeckt. Die zulässige Höchstmenge von Aflatoxin B1 beträgt 0,02 Milligramm pro Kilo.

Wie viel von dem Gift wurde in dem Futtermittel gefunden?

Laut Angaben des Landwirtschaftsministeriums wurden in der betroffenen Lieferung aus Serbien 0,204 Milligramm Aflatoxin B1 pro Kilo nachgewiesen.

Wie kam das verseuchte Futter nach Deutschland?

Die Maissendung wurde laut Ministerium über den Hafen im niedersächsischen Brake importiert. Insgesamt sollen es 45 000 Tonnen gewesen sein. Demnach konnten 10 000 Tonnen noch im Hafen gesperrt werden, weitere 25 000 Tonnen wurden in einer Lagerhalle in Bremen entdeckt und aus dem Verkehr gezogen. Etwa 10 000 Tonnen der verseuchten Maislieferung sind im Umlauf.

Wohin wurde der Mais ausgeliefert?

In Niedersachsen wurden 13 Futtermittelhersteller beliefert, die den Mais zu Mischfutter für Rinder, Schweine und Geflügel weiterverarbeitet haben. Anschließend ging das Futter an 3560 landwirtschaftliche Betriebe in Niedersachsen sowie 14 Betriebe in Nordrhein-Westfalen. Kleinere Mengen gingen offenbar auch nach Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen sowie in die Niederlande.

Wie wirkt Aflatoxin B1 beim Tier?

In den 60er-Jahren wurde in einem Betrieb in England ein Massensterben bei 100 000 Puten beobachtet – Aflatoxin wurde als Ursache ermittelt. Alle Tierarten reagieren auf das Toxin. Das am stärksten betroffene Organ ist dabei die Leber. Die Symptome können sich z. B. durch Immunschwäche, Fruchtbarkeitsstörungen oder blutigen Durchfall bemerkbar machen. Von Milchkühen aufgenommenes Aflatoxin B1 wird teilweise als Aflatoxin M1 über die Milch wieder ausgeschieden und gelangt so in die menschliche Ernährung.

Wie wirken Aflatoxin B1 und M1 auf Menschen?

Aflatoxine wirken generell stark leberschädigend und können bereits bei geringer, aber regelmäßiger Aufnahme die Gefahr eines Leberzellkarzinoms stark erhöhen. M1 ist dabei das Hauptmetabolit von Aflatoxin B1 – es entsteht während des Stoffwechsels im Körper. Wiederkäuer wie z.B. Kühe scheiden bis zu fünf Prozent des aufgenommenen Aflatoxin B1 u.a. über die Milch wieder aus. Auch M1 wirkt toxisch und kann Nieren und Leber schädigen bzw. das Krebsrisiko erhöhen. Darüber hinaus können Aflatoxine das Erbgut schädigen, zu Unfruchtbarkeit und Missbildungen ungeborener Kinder führen.

Wie schätzten die Behörden die Gefährdung für Verbraucher ein?

Der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung Andreas Hensel, gibt vorsichtige Entwarnung: „Hier haben wir im Moment keine Anzeichen für eine Gesundheitsgefährdung des Verbrauchers.“ Auch wer sogenannte Vorzugsmilch kauft, die direkt vom Bauern vermarktet werden darf, brauche sich keine Gedanken machen. Die Anbieter würden diese Rohmilch intensiv kontrollieren. Allerdings wies Landwirtschafts-Staatsekretär Udo Paschedag darauf hin, dass die Behörden erst am Anfang stünden, alle Lieferketten zu rekonstruieren. Vieles sei noch ungeklärt. Noch am Freitag wurde damit begonnen, die Milch aller belasteten Höfe zu kontrollieren.

k.b./sas

Pferdefleisch, Bio-Eier, Dioxin: Der Verbraucher fühlt sich hilflos

So manchen besorgten Verbraucher plagt derzeit die Frage: Welchem Lebensmittel kann ich noch vertrauen? Zu Recht: Allein im Februar wurde Deutschland von zwei Skandalen erschüttert. Plötzlich tauchten in Deutschland Fertiggerichte mit falsch deklariertem Fleisch auf. Statt Schwein und Rind war auch Pferdefleisch enthalten. Kurz darauf wurde bekannt, dass Millionen Eier aus Freiland- und Bodenhaltung als angebliche Bio-Eier verkauft wurden.

Und wir erinnern uns: 2011 starben in Deutschland rund 40 Menschen an den Folgen des gefährlichen EHEC-Darmkeims. Die Behörden warnten vor dem Verzehr von rohen Tomaten, Gurken und Blattsalaten. Später stellte sich heraus: EHEC war von belasteten Sprossen aus Ägypten ausgelöst worden. Im Jahr davor wurde mit Dioxin verunreinigtes Futtermittel in Niedersachsen und anderen Bundesländern entdeckt – mehrere Tausend Bauernhöfe wurden vorübergehend gesperrt. Legehennen wurden getötet, der Verkauf von Eiern aus betroffenen Betrieben gestoppt. Auch Schweinefleisch soll belastet gewesen sein. Bereits im Frühjahr 2010 waren Ökohöfe gesperrt worden, an die vermutlich mit Dioxin belastetes Bio-Futtermittel geliefert worden war. Und 2008 kam heraus: Vergammelter Mozzarella aus Italien landete auch auf deutschen Käsetheken. Insgesamt sollen rund 11 000 Tonnen des mit Würmern und Mäusekot verunreinigten Käses europaweit angeboten worden sein.

Lebensmittelskandale in Deutschland

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Rubriklistenbild: © dpa

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