Streit spitzt sich zu

"Raffgierige Juden": Flechtheim-Erben empört

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München - Nach dem Kunstfund in München: Die Erben des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim erheben schwere Vorwürfe gegen den Generaldirektor der Bayerischen Staatsgenmäldesammlungen. 

Im Streit mit den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen um sechs Beckmann-Bilder haben sich die Erben des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim „empört“ an Museen-Generaldirektor Klaus Schrenk gewandt. Den beiden Erben dränge sich der Eindruck auf, dass man sie in ein Licht stellen wolle,„das mehr dem Bild und dem althergebrachten Klischee des raffgierigen Juden entspricht, als dem zweier Abkömmlinge von Familien, die im Holocaust einen Großteil ihrer Angehörigen verloren haben“, heißt es in einem Brief des Erben-Anwalts Markus Stötzel an Schrenk, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Stötzel wirft dem Museumschef im Namen der Erben Michael und Penny Hulton vor, sich „offenkundig und rücksichtslos“ von den Prinzipien zur Rückgabe von NS-Raubgut distanziert zu haben. Die Staatsgemäldesammlungen gehen in dem seit Jahren laufenden Streit davon aus, dass Flechtheim seinen gesamten Bestand an Werken Max Beckmanns schon 1932, also vor dem Beginn der Nazi-Zeit, verkauft haben soll.

Die Beckmann-Guache „Löwenbändiger“ sei jedoch nachweislich erst 1934 in die Sammlung des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt gekommen, hatten die Erben kürzlich im Zusammenhang mit dem spektakulären Münchner Kunstfund betont. Arbeiten, die nach 1933 veräußert wurden, gelten alsNS-Raubgut und müssten rückerstattet werden. In dem Brief bitten die Erben den Generaldirektor „trotz aller Enttäuschung“ um ein persönliches Gespräch.

dpa

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