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Einjähriger Junge schafft Flucht über das Mittelmeer ohne Angehörige

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Von: Kathrin Reikowski

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Eine Mitarbeiterin der Hilfsorganisation Mediterranea Saving Humans hält einen kleinen Jungen im Arm. Mehr als 50 Schiffbrüchige seien vor Libyen gerettet worden, teilte die italienische NGO mit. An Bord der «Alex Mediterranea» seien auch vier Kinder und drei Schwangere.
Ein einjähriger Junge soll ohne Angehörige über das Mittelmeer gekommen sein (Symboldbild). © picture alliance/dpa/AP | Olmo Calvo

500 Menschen kamen in den letzten Tagen über das Mittelmeer nach Lampedusa. Unter ihnen offenbar ein etwa 12 Monate altes Kind, ohne jede Begleitung.

Rom - Ein etwa ein Jahre alter Junge soll ohne Eltern und andere Angehörige die Flucht über das Mittelmeer geschafft haben. „Er überquerte das Mittelmeer, noch bevor er Laufen gelernt hat“, schrieb die italienische Zeitung La Repubblica über den Jungen. „Er hielt den Wellen allein stand... zu jung, um seinen Namen und seine Geschichte zu offenbaren“.

Nach Angaben der Zeitung gehört der Junge zu gut 500 Migranten, die in den vergangenen Tagen auf der italienischen Insel Lampedusa ankamen. Das Kind sei auf einem Boot entdeckt worden, in dem ansonsten 70 Männer saßen. Sein Alter wird auf etwa 12 Monate geschätzt.

Mitfahrer wurden von Eltern gebeten, den Jungen sicher über das Meer zu bringen

Seine Mitfahrer waren offenbar von den Eltern gebeten worden, das Kind sicher über das Mittelmeer nach Europa zu bringen. Die Eltern selbst seien womöglich an der Überfahrt gehindert worden, schrieb La Repubblica.

Die Versuche von Menschen, aus Libyen oder Tunesien über das Meer nach Europa zu gelangen, haben dieses Jahr deutlich zugenommen. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kamen seit Jahresbeginn bei der gefährlichen Flucht über das zentrale Mittelmeer bereits etwa 1340 Menschen ums Leben.

Ärzte ohne Grenzen schildert Schicksal eines Flüchtlings, der Mutter verloren hat

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen schilderte unterdessen das Schicksal eines 14-jährigen Bootsflüchtlings, dessen Mutter bei einer Rettungsaktion vor Lampedusa gestorben sei. „Sie war auf einem Boot mit 25 weiteren Menschen unterwegs, darunter ihr Sohn, der sie ertrinken sah“, erklärte die Organisation auf Twitter.

Und fügte hinzu: „Ein weiterer vermeidbarer Verlust an Europas Türschwelle, ein weiteres durch unverantwortliche Migrationspolitik verlorenes Leben“. (dpa/kat)

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