Lisa Kaltenegger im tz-Interview

Astronomin: "Wir werden Leben im All finden"

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Lisa Kaltenegger im Gespräch mit tz-Reporter Dominik Laska. Ihr Buch erklärt komplexe Wissenschaft auf einfache Art und Weise.

München - Es ist die Frage aller Fragen! Sind wir allein im Universum? Die österreichische Astronomin Lisa Kaltenegger (38) hat ein Buch geschrieben: "Sind wir allein im Universum?" behandelt dieses Thema auf einfache Art und Weise. Wir haben mit ihr gesprochen.

Es ist die Frage aller Fragen! Sind wir allein im Universum? Die österreichische Astronomin Lisa Kaltenegger (38), aktuell an der Cornell University im US-Bundesstaat New York tätig, versucht diese Frage täglich zu beantworten. Sie forscht nach fernen, erdähnlichen Planeten, auf denen Leben existieren könnte. Ihr aktuelles Buch „Sind wir allein im Universum?“ (Benevento/Ecowin, 19,95 Euro) behandelt dieses Thema auf einfache Art und Weise. Mithilfe lustiger Illustrationen und einer simplen, bildhaften Erzählweise erklärt Kaltenegger die Mysterien des Universums für jedermann. Die tz hat mit der Forscherin gesprochen:

Frau Kaltenegger, gibt es schon eine zweite Erde?

Lisa Kaltenegger: Wir haben gut ein Dutzend Planeten gefunden, die wie eine zweite Erde sein könnten. Um das zu beweisen, brauchen wir noch größere Teleskope, die in den nächsten Jahren fertiggestellt werden. Aber unter den vielen Planeten, die schon entdeckt wurden, könnte tatsächlich eine zweite Erde sein!

Wann werden wir Anzeichen für Leben finden?

Kaltenegger: Wenn es irgendwo Leben gibt, dann werden wir das womöglich in den nächsten Jahren finden. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir irgendwo kleine Einzeller finden werden, ist eigentlich ziemlich hoch.

Kleine grüne Männchen oder wie werden sie aussehen?

Kaltenegger: Welche Art von Leben, sei vollkommen dahingestellt. Und wie die Außerirdischen dann aussehen, das überlasse ich meinen Biologie-Kollegen (lacht). Ich muss nur finden!

Warum die Faszination für ferne Planeten und außerirdisches Leben?

Kaltenegger: Die Frage nach Leben im Universum ist keine philosophische mehr! Wir haben die technischen Möglichkeiten, um das zu messen, um es herauszufinden! Die Frage, was ist da draußen – die Entdeckerlust – richtet sich von unserer Erde weg! Der zweite Punkt: Wie funktioniert ein Planet? Und zwar, um mögliche Einblicke zu bekommen, wie die Zukunft unserer Erde aussieht. Dann können wir auch besser auf unseren Planeten aufpassen.

Sie suchen nach fernen Erden und Super-Erden. Was ist eine Super-Erde?

Kaltenegger: Zu allererst: Der Name ist einfach besser (lacht). Spaß beiseite: Alles was schwerer und größer ist als unsere Erde, aber noch ein Felsplanet ist. Diese sind dann natürlich auch leichter zu finden. Sie reflektieren mehr Licht und ziehen mehr an ihrem Stern.

Der Planet zieht an seinem Stern? Erklären Sie bitte!

Kaltenegger: Wenn der Planet an seinem Stern zieht – das ist einfach Gravitation – dann „lehnt“ sich der Stern quasi ein wenig zurück, um den Planeten in seiner Bahn zu halten. Stellen Sie sich das vor, wie ein Hund, der kräftig an einer Leine zieht. Der Hundebesitzer muss das Ziehen durch eine Gegenbewegung ausgleichen. Genauso gleicht auch ein Stern die Gravitationskräfte seiner Planeten aus. Natürlich in viel kleinerem Maßstab (lacht). Das ist eine Möglichkeit, um Planeten zu finden.

Gibt es noch eine andere?

Kaltenegger: Es gibt vier bis fünf, aber die Zweite, mit der viele Planeten gefunden wurden, ist, wenn ein Planet sich vor seinen Stern setzt, aufgrund seiner Umlaufbahn. Dann verdunkelt er seinen Stern. Dies geschieht periodisch, bei der Erde sind das 365 Tage – und diese Verdunkelung können wir dann messen.

Ein möglicher bewohnbarer Planet muss in einer habitablen Zone liegen! Was ist das?

Kaltenegger: Das können Sie sich wie bei einem Lagerfeuer vorstellen. Bei einer gewissen Distanz ist es nicht zu heiß und nicht zu kalt – es ist angenehm. Je näher Sie jetzt dem Lagerfeuer kommen, desto mehr verdampft und je weiter sie weggehen, desto mehr gefriert – überspitzt gesagt! Die Zone, wo es gerade warm genug ist, damit flüssiges Wasser auf einem Planeten existieren kann, ist für uns spannend.

Mithilfe von Licht wollen Sie Leben nachweisen. Mit dem sogenannten Licht-Fingerabdruck! Wie soll das funktionieren?

Kaltenegger: Denken Sie sich einen Regenbogen. Der entsteht, wenn Regentropfen das Sonnenlicht brechen und es in seine Spektralfarben aufspaltet. Rot, Grün, Blau usw. Wir brauchen dafür keinen Wassertropfen, dafür können wir auch einen Spektografen nehmen – das ist im Prinzip das Gleiche! Wir fangen Licht von einem Planeten auf, spalten es in seine Farben und beobachten die Intensität des Lichtes. Daraus lässt sich ableiten, welche Stoffe auf dem Planeten vorhanden sind und daraus können wir ableiten, ob dort Leben existieren kann oder eben nicht! Ich nenne es Licht-Fingerabdruck, weil ich durch diese Methode die chemische Zusammensetzung des Planeten ganz genau bestimmen kann.

Sie erklären so einfach und bildhaft. Erinnert ein bisschen an Stephen Hawking. Warum dieser Ansatz?

Kaltenegger: Erstmal vielen Dank für den Vergleich (lacht). Besonders Astronomie kann jedem einen Zugang bieten. Was mich immer gestört hat, ist, dass Wissenschaft so dargestellt wird, als wäre es ein starres, langweiliges Gebilde. Aber: Der Blick in den Himmel ist kostenlos und jeder kann an der Faszination teilhaben. Wir leben in einer so tollen Zeit, in der wir hoffentlich bald die ersten Spuren von Leben finden werden! Und da habe ich es so aufgeschrieben, wie ich es selber gerne lesen würde – vom Verlag hatte ich da freie Hand. Ich wollte zum Beispiel auch Comics drin haben! Das war mir wichtig!

Schauen Sie eigentlich Science-Fiction-Filme?

Kaltenegger: Ich mag Science-Fiction sehr gerne und ich finde es auch toll, dass die Wissenschaft da immer mehr Einzug hält. Nehmen Sie Star Wars als Beispiel und die ganzen Planeten, die es dort gibt. Wir finden solche Planeten gerade jetzt! Viele Wissenschaftler und Ingenieure bei uns sind gerade wegen der Science-Fiction zu ihrem Beruf gekommen – das ist doch toll!

Als Astronomin, können Sie da noch „einfach so“ in die Sterne schauen?

Kaltenegger: Der Blick in die Sterne ist einfach wunderschön – wie ein Gemälde. Es ist natürlich so, dass ich hinauf schauen kann und es dabei belassen kann. Aber wenn ich will, kann ich auch eine gewisse Tiefe hinzuschalten – dort befindet sich ein Planet, dort wird gerade ein Stern geboren. Das ist spannend!

Interview: Dominik Laska

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