Zwölf Bundesländer betroffen

Lebensmittelskandal um Eier: Ursprung wohl in Belgien

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Klärungsdebarf: Landwirtschaftsminister Christian Schmidt gibt Auskunft über mit Insektiziden verseuchte Eier.

Der Lebensmittelskandal um ungenießbare Eier zieht weitere Kreise. Offenbar sind fast alle Bundesländer betroffen. Der Ursprung der Verunreinigung soll in einem Nachbarland liegen.

Berlin -  Der Lebensmittelskandal um mit Insektengift kontaminierte Eier hat seinen Ursprung nach Angaben von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) in Belgien. Dort sei offenbar ein für die Nutztierhaltung zugelassenes rein pflanzliches Desinfektionsmittel mit dem für die Nutztierhaltung verbotenen Insektizid Fipronil "gepanscht" worden, sagte Schmidt am Donnerstag in Berlin. "In den letzten 48 Stunden hat sich gezeigt, dass Deutschland stärker betroffen ist als zunächst angenommen."

Die deutschen Behörden gingen derzeit davon aus, dass zwölf Bundesländer betroffen seien, sagte Schmidt. Eine Schlüsselrolle nehmen demnach Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ein. "Dort haben die in Deutschland erzeugten und belasteten Eier ihren Ursprung oder sind von dort aus in den Warenverkehr gebracht worden."

Schmidt gibt „noch keine Entwarnung“

Die Lage sei „unter Kontrolle“, es gebe aber „noch keine Entwarnung“. Die Bundesregierung nehme das Geschehen „sehr ernst“, sagte Schmidt. Er fügte hinzu, dass eine akute gesundheitliche Gefährdung für die Verbraucher nach derzeitigem Stand praktisch ausgeschlossen sei. Auch niedersächsische Legehennenhalter stehen unter Verdacht, Ställe mit dem fipronilhaltigem Anti-Läusemittel Dega-16 desinfiziert zu haben. Dort sind nach Angaben des Landesagrarministeriums nunmehr vier Betriebe gesperrt, in denen sich ein Verdacht bestätigt habe.

Vorerst nicht betroffen waren laut Bundesministerium die vier Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Die Discounter Aldi Nord, Aldi Süd und Lidl nahmen Eier von Höfen unter Fipronil-Verdacht aus den Regalen. Einen Verkaufsstopp für alle niederländische Eier verhängten Rewe und Penny.

Folgen des Skandals: In den Niederlanden werden Millionen Eier vernichtet.

Erste Meldungen schon am 20. Juli

Schmidt äußerte sich nach einer Krisenkonferenz der zuständigen Behörden mit den betroffenen Ländern. Erste Meldungen über mit Fipronil belastete Eier aus Belgien erhielten die EU-Länder dem Minister zufolge am 20. Juli. Dass belastete Eier aus den Niederlanden nach Deutschland geliefert worden sind, erfuhren die deutschen Behörden demnach von den niederländischen Stellen am Freitagabend.

Im Zuge der Ermittlungen habe sich gezeigt, dass das unrechtmäßig mit Fipronil versetzte Desinfektionsmittel auch an Legehennenbetriebe in Niedersachsen geliefert worden sei, berichtete Schmidt. Dort produzierte Eier seien in andere Bundesländer geliefert worden. Die Lieferströme würden nun untersucht, versicherte der CSU-Politiker.

"Für mich geht es darum, mit Hochdruck und lückenlos den kompletten Vorgang aufzuklären", sagte er. Schmidt forderte ganz besonders auch die Behörden in Belgien und den Niederlanden auf, "den Sachverhalt zügig und lückenlos" aufzuklären. Die Verantwortlichen für den Lebensmittelskandal müssten in den beiden Staaten zudem strafrechtlich verfolgt werden.

Keine Befunde für gesundheitsschädlichen Gehalt an Fipronil in Eiern

Nach Angaben des Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gibt es vorerst keine Befunde für einen möglicherweise gesundheitsschädlichen Gehalt an Fipronil pro Kilogramm Ei. Bisher vorliegende Daten lägen „um einen Faktor zehn unterhalb“ des kritischen Werts, bis zu dem eine Gefährdung für Erwachsene wie Kinder unwahrscheinlich sei. Dieser Wert gelte sowohl für lose Eier als auch für verarbeitete Produkte. Generell gelte: „Fipronil hat in Eiern nichts zu suchen“, sagte BfR-Abteilungsleiterin Monika Lahrssen-Wiederholt.

Schmidt mahnte eine lückenlose Klärung der Vorgänge an. Zentral sei vor allem, wo im Handel oder anderswo sich noch kontaminierte Eier befinden könnten, die dann aus dem Verkehr zu nehmen seien. Bund und die betroffenen Länder stünden in enger Abstimmung, auch mit den Niederlanden und Belgien würden Informationen ausgetauscht. Verbotene Verwendung des Insektengifts wie bei Hennen sei nicht hinnehmbar und müsse von der Justiz geahndet werden, sagte der Minister.

Verseuchte Eier sind vom Markt

Nach Einschätzung der EU-Kommission ist die Situation unter Kontrolle. Die Höfe seien identifiziert, Eier geblockt, verseuchte Eier vom Markt genommen, sagte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch forderte eine rückhaltlose Aufklärung. „Behörden und Unternehmen müssen jetzt nachverfolgen und unverzüglich öffentlich machen, welche Eier betroffen sind und vor allem auch, in welchen Lebensmitteln belastete Eier verarbeitet wurden“, sagte Geschäftsführer Martin Rücker.

Auf dem Prüfstand: Der Skandal um die Eier aus den Niederlanden weitet sich aus.

138 Geflügelbetriebe in Niederlanden gesperrt

In den Niederlanden bleiben noch 138 Geflügelbetriebe wegen der Belastung mit dem Insektizid Fipronil gesperrt. Bei Kontrollen seien Spuren von Fipronil in den Eiern festgestellt worden, teilte die Lebensmittelkontrollbehörde NVWA am Donnerstagabend in Utrecht mit. Die übrigen der zuvor insgesamt 180 betroffenen Betriebe seien frei gegeben worden.

Inzwischen seien alle mit Fipronil belasteten Eier aus den Supermärkten entfernt worden, sagte Behörden-Sprecher Benno Bruggink. „Es sind keine niederländischen Eier mit Fipronil mehr im Handel.“ Belastete Eier waren auch nach Deutschland gelangt und dort ebenfalls aus dem Handel entfernt worden.

Insgesamt 180 Geflügelbetriebe hatten ein Anti-Läusemittel eingesetzt, dem der für Nahrungsmittel verbotene Stoff Fipronil beigemischt worden war. In einem Fall war die Konzentration so hoch, dass die Behörde von einer „akuten Gefahr“ gewarnt hatte. In 27 Fällen waren die Eier so belastet, dass Kinder sie nicht essen sollten. Bei den jetzt noch getesteten Eiern war die Konzentration des verbotenen Stoffes nach Angaben der Behörde niedrig und ein Gesundheitsrisiko gering.

afp, dpa

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