Leichenasche von 9/11-Opfern und Soldaten weggeworfen

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Der letzte Weg eines Afghanistan-Kämpfers. Jetzt ist die US-Army in Erklärungsnöten: Die Überreste von rund 270 Gefallenen sollen auf dem Müll entsorgt worden sein

New York - Es ist ein Skandal ohne Gleichen: Ausgerechnet in den USA, dem Land der Heldenverehrung, sind die sterblichen Überreste von Opfern der Terroranschläge vom 11. September 2001 statt auf dem Friedhof auf der Mülldeponie gelandet!

Und nicht nur das: Auch die Asche von 274 gefallenen US-Soldaten wurde auf diese Weise entsorgt. Das ist das furchtbare Ergebnis einer jetzt veröffentlichten Untersuchung des Pentagons.

Das Zentrum dieser Schande ist offenbar eine Leichenhalle des US-Militärs auf der Dover Air Force Base im Bundesstaat Delaware. Hier wurden Körperteile von getöteten US-Kämpfern aus dem Irak und Afghanistan, die nicht zugeordnet werden konnten, verbrannt. Die Asche brachte anschließend eine auf die Entsorgung von biomedizinischen Abfällen spezialisierte Firma auf eine Mülldeponie in Virginia.

Die schlimmsten Terroranschläge seit dem 11. September

Chronologie des 11. September: Was an dem Tag geschah

08.46 Uhr: Ein Flugzeug rast in den nördlichen der beiden Türme des World Trade Centers in New York. Augenzeugen glauben zunächst an ein Unglück. © dpa
09.03 Uhr: Ein zweiter Jet fliegt in den Südturm. © dpa
09.05 Uhr: US-Präsident George W. Bush wird beim Besuch einer Grundschule in Sarasota (Florida) informiert. Stabschef Andrew Card flüstert ihm zu: “Amerika wird angegriffen.“ © dpa
09.30 Uhr: Bush spricht vor Kameras von einer “nationalen Tragödie“. Es handele sich “offensichtlich“ um eine Terrorattacke © dpa
09.37 Uhr: Ein drittes Flugzeug rast in das Pentagon. Ein Teil des US-Verteidigungsministeriums wird dabei verwüstet. Das riesige Gebäude, das Weiße Haus, weitere Ministerien und das Kapitol werden evakuiert. © dpa
09.55 Uhr: Bush fliegt von Florida mit Ziel Washington ab, ändert aber den Kurs und landet auf der Air-Force-Basis Barksdale im Bundesstaat Louisiana. Von dort reist er nach Nebraska, später nach Washington. © dpa
09.59 Uhr: Der Südturm des World Trade Centers stürzt ein. Wenige Minuten später stürzt ein viertes Flugzeug südlich von Pittsburgh nach einem Kampf im Cockpit auf freiem Feld ab. Die Passagiere haben die Entführer überwältigt. © dpa
10.28 Uhr: Der zweite, nördliche Zwillingsturm stürzt ein. © dpa
12.16 Uhr: Die Bundesflugbehörde meldet, dass der Luftraum der USA gesperrt ist. Nur Militär- und Rettungsmaschinen fliegen noch. © dpa
13.04 Uhr: Bush versichert in einer kurz zuvor aufgezeichneten Fernsehansprache, dass alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen seien © dpa
13.27 Uhr: In Washington wird der Notstand ausgerufen. © dpa
20.30 Uhr: Der US-Präsident kündigt in einer Fernsehansprache an, die Täter gnadenlos zu verfolgen: “Wir werden keinen Unterschied machen zwischen denen, die diese Attacken ausgeführt haben, und denen, die ihnen Schutz bieten.“ © dpa

Diesen würdelosen Umgang mit Kriegstoten hatten US-Militärs bereits im November letzten Jahres eingestanden, womit sie bei den Hinterbliebenen für große Empörung sorgten. Doch jetzt kam heraus: Auch nicht identifizierte Überreste von 9/11-Opfern aus dem Pentagon in Washington (insgesamt 184 Tote) und dem in Shanksville abgestürzten Flugzeug (40 tote Passagiere, darunter neun Kinder) wurden genauso entsorgt!

Amerika ist geschockt. Doch zur Verantwortung wird wohl kaum jemand gezogen. So erklärte US-Luftwaffenstaatssekretär Michael Donley, er wisse noch nicht, ob weitergehende Ermittlungen notwendig seien: „Wir haben unser Bedauern über den zusätzlichen Schmerz, den wir Familien zugefügt haben, geäußert. Die Überreste wurden bis 2008 unangemessen behandelt.“ Jetzt gehe es darum nach vorn zu schauen, um sicherzustellen, dass sich derartige Fehler nicht wiederholten.

Mitglieder des US-Kongresses dringen jedoch auf einen detaillierten Bericht des Pentagon. Senator Patrick J. Toomey schrieb an den Verteidigungsminister Leon Panetta: „Die heldenhaften Passagiere des United-Flugs 93 gaben das ultimative Opfer für unsere Nation und ihre Familien verdienen es, über das Schicksal der Überreste aufgeklärt zu werden.“ Die Passagiere der vierten entführten Maschine hatten sich den Terroristen des 11. September 2001 in den Weg gestellt, während der Pilot sein Flugzeug nahe Shanksville im Bundesstaat Pennsylvania zum Absturz brachte – um Schlimmeres zu verhindern.

tz

Chronologie des 11. September

Chronologie des 11. September: Was an dem Tag geschah

08.46 Uhr: Ein Flugzeug rast in den nördlichen der beiden Türme des World Trade Centers in New York. Augenzeugen glauben zunächst an ein Unglück. © dpa
09.03 Uhr: Ein zweiter Jet fliegt in den Südturm. © dpa
09.05 Uhr: US-Präsident George W. Bush wird beim Besuch einer Grundschule in Sarasota (Florida) informiert. Stabschef Andrew Card flüstert ihm zu: “Amerika wird angegriffen.“ © dpa
09.30 Uhr: Bush spricht vor Kameras von einer “nationalen Tragödie“. Es handele sich “offensichtlich“ um eine Terrorattacke © dpa
09.37 Uhr: Ein drittes Flugzeug rast in das Pentagon. Ein Teil des US-Verteidigungsministeriums wird dabei verwüstet. Das riesige Gebäude, das Weiße Haus, weitere Ministerien und das Kapitol werden evakuiert. © dpa
09.55 Uhr: Bush fliegt von Florida mit Ziel Washington ab, ändert aber den Kurs und landet auf der Air-Force-Basis Barksdale im Bundesstaat Louisiana. Von dort reist er nach Nebraska, später nach Washington. © dpa
09.59 Uhr: Der Südturm des World Trade Centers stürzt ein. Wenige Minuten später stürzt ein viertes Flugzeug südlich von Pittsburgh nach einem Kampf im Cockpit auf freiem Feld ab. Die Passagiere haben die Entführer überwältigt. © dpa
10.28 Uhr: Der zweite, nördliche Zwillingsturm stürzt ein. © dpa
12.16 Uhr: Die Bundesflugbehörde meldet, dass der Luftraum der USA gesperrt ist. Nur Militär- und Rettungsmaschinen fliegen noch. © dpa
13.04 Uhr: Bush versichert in einer kurz zuvor aufgezeichneten Fernsehansprache, dass alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen seien © dpa
13.27 Uhr: In Washington wird der Notstand ausgerufen. © dpa
20.30 Uhr: Der US-Präsident kündigt in einer Fernsehansprache an, die Täter gnadenlos zu verfolgen: “Wir werden keinen Unterschied machen zwischen denen, die diese Attacken ausgeführt haben, und denen, die ihnen Schutz bieten.“ © dpa

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