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Lidl zieht Schlussstrich: Beliebtes Produkt von Nestlé verschwindet aus Regalen

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Von: Anna Lehmer

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Lidl-Filiale in Düsseldorf. Das Logo des Lebensmitteldiscounters bei Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
Lidl verabschiedet sich von einer beliebten Wassermarke. Der Hersteller Nestlé steht seit Jahren in der Kritik für die Gewinnung des Wassers. © IMAGO/Michael Gstettenbauer

Schluss, Aus, Ende für Vittel-Wasser: Lidl wirft die Getränkemarke von Nestlé aus den Regalen. Schon im Oktober soll das französische Wasser zum letzten Mal verkauft werden.

Neckarsulm - Lidl verschmälert sein Getränkeangebot drastisch: Noch im Oktober wird der Discounter das Mineralwasser Vittel von Nestlé aus seinen Regalen verbannen. Schon seit längerer Zeit steht der Hersteller in der Kritik, die Wassergewinnung in der französischen Gemeinde Vittel zu exzessiv zu betreiben und die dortige Landschaft zu zerstören. Jetzt soll die Vertriebsvereinbarung der beiden ablaufen, eine Verlängerung wurde ausgeschlossen.

Lidl und Nestlé: Vertriebsvereinbarung wird nicht verlängert - Vittel verschwindet aus den Regalen

Als einer der wichtigsten Vertragspartner ist der Schritt von Lidl ein herber Schlag für Nestlé. Auf Nachfragen des Wirtschaftsmagazins manager magazins bestätigte eine Sprecherin des Herstellers das Auslaufen der Vertriebsvereinbarung mit dem Discounter. So soll diese bis Ende Oktober 2021 befristet sein und „nach gemeinsamer Abstimmung“ mit Lidl nicht verlängert werden. Lidl hüllt sich darüber in Schweigen, ob dieser Bruch auf die anhaltende Kritik an Nestlé rückzuführen ist. Auch Nestlé gibt keine Gründe an.

Nestlé-Wasser seit Jahren in der Kritik: Umweltschützer schlagen Alarm

Die Liste der Kritikpunkte ist lang: Nestlé steht mit seinem Wasser Vittel seit Jahren im Fokus von Umweltschützern. Von meterhohen Mülldeponien, vollgestopft mit halb verrotteten Plastikflaschen bis hin zur Vertrocknung lebenswichtiger Landschaften musste die Gemeinde Vittel in Frankreich seit den 1990er Jahren viel hinnehmen. Durch die enorme Wasserentnahme des Herstellers würde der Grundwasserspiegel seit Jahren drastisch sinken, bereits 30 Zentimeter Rückgang hätten die Anwohner beobachten müssen. Die Gemeinde kritisiert Nestlé stark und fordert den Rückzug des Unternehmens aus ihrer Heimat.

Nestlé -Logo auf dem Dach der Deutschlandzentrale in Frankfurt
Nestlé wird seit Jahren für seine Wassergewinnung im französischen Vittel kritisiert. © Christoph Hardt/imago

Nestlé bestätigt das Absinken des Grundwasserspiegels - Anwohner sind besorgt

Der Werksdirektor von Nestlé Waters Ronan Le Fanic zeigt sich gegenüber dem ZDF uneinsichtig: „Wir sind seit vielen Jahrzehnten hier in der Region. Wir pumpen mehr Wasser ab als es sich natürlicher Weise regenerieren kann, wodurch der Grundwasserspiegel seit dreißig Jahren jedes Jahr ständig sinkt. Darin ist also nichts Neues.“ Weiter begründet er das Vorgehen damit, dass das Unternehmen schon viel Geld in den Standort gesteckt habe und deshalb Vittel keinesfalls verlassen würde.

Der Ort selbst profitiert in finanzieller Hinsicht durch Steuerabgaben in Millionenhöhe. Doch das Geld bringe nichts, wenn die Menschen kein Wasser mehr zum Überleben hätten, beklagt der französische Kritiker Bernard Schmitt im Interview mit dem ZDF. „Die jungen Menschen werden ab 2050 kein Wasser mehr haben. Das ist eine ernste Sache“, so der Umweltschützer. Noch bis 2027 laufen die Verträge mit der Kleinstadt, bis dahin wolle der Konzern so weitermachen wie bisher. Der Verzicht auf die Abfüllung in Plastikflaschen erscheint Nestlé derzeit nicht möglich, eine entsprechende, wirtschaftlich rentable Alternative gebe es noch nicht.

Lidl als Vorreiter: Folgen nun andere Supermärkte?

Nachdem der Lebensmitteldiscounter Lidl erste Schritte gegen Nestlé getan hat, könnten nun andere deutsche Supermärkte folgen. Die Sprecherin von Nestlé machte dazu keine Angaben. Allerdings würden in den kommenden Monaten weitere Verhandlungen mit den anderen Vertriebskanälen folgen. Ob sich dann Supermarktketten wie Kaufland oder Aldi Süd von Nestlé distanzieren, bleibt offen. (ale)

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