Das ist der ­Lieblingsplatz des Inzest-Monsters

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Eine abgewetzte Eckbank mit rotem Kissen, Aschenbecher und Brezen auf dem alten Tisch, Bilder von halbnackten Frauen und der örtlichen Fußballmannschaft an den Wänden, den Kühlschrank in Reichweite: Die Kneipe an der Tankstelle war für Gottfried W. (80) ein zweites Wohnzimmer

Wien/Braunau - Ein heute 80-Jähriger hat 40 Jahre lang seine beiden Töchter misshandelt und regelmäßig vergewaltigt. Die tz besuchte St. Peter am Hart in Oberösterreich und stellte fest: Das Dorf steht unter Schock.

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Gibt es einen zweiten Täter?

Es war wie ein Ritual. Jeden Abend gegen 18 Uhr verriegelte Gottfried W. die Haustür am Rande von St. Peter am Hart in Oberösterreich. Dann ging der zweifache Vater den schmalen Feldweg entlang, an der Kirche vorbei – und zur Tankstelle an der Hauptstraße. Seine Spezln warteten dort. Auf einer Holzbank neben der Kasse nahm man Platz und sprach über die Neuigkeiten im Dorf. Jahrelang, jeden Abend. „Er trank Wein, war lustig und fröhlich“, erinnert sich ein Gast. „Da am Eck saß er immer. Alles war normal.” Dann schüttelt er ungläubig den Kopf: „Wir wussten ja nicht, dass er ein Monster ist.“

Der Fall Gottfried W. hat das österreichische 2400-Seelen-Dorf direkt an der Grenze zu Niederbayern in nur zwei Tagen weltbekannt gemacht. Fernsehteams aus dem Ausland drängen sich vor der verwilderten Villa, um Bilder vom Grauen einzufangen. Der Fall macht sprachlos: Über 40 Jahre kerkert ein heute 80-jähriger Vater seine zwei Töchter Christine und Erika (heute 53 und 45) ein, quält sie und vergeht sich immer wieder an ihnen.

Hertha H. ging mit dem Verbrecher zur Schule. Hier besucht sie das Grab seiner verstorbenen Frau

Warum hat niemand etwas bemerkt? Und wer ist dieser Mann, der den Seinen so viel Leid zufügte? Im Ort kennt ihn jeder, den grauhaarigen Mann, der sich wegen eines Beinleidens nur langsam bewegen konnte. „Er hat immer gegrüßt und war nie irgendwie auffällig”, beschreibt Nachbarin Hertha H. (80) der tz den gelernten Straßenarbeiter. Als Kind ging sie mit Gottfried W. in dieselbe Schulklasse, sie wohnt nur ein paar Hundert Meter von dem Haus des Peinigers entfernt. „Er hat nie groß Kontakt gesucht und ließ auch keinen in sein Haus – aber das kam uns nicht merkwürdig vor”, erklärt die Rentnerin fast entschuldigend. Zwar habe man die Töchter nur selten gesehen. „Aber niemand kam je auf die Idee, dass er diese schrecklichen Dinge seinen Mädchen antut.”

In den Tankstellenkiosk kehrte Gottfried W. (80) beinahe täglich ein

Schreckliche Dinge. Wahrlich. Gottfried W. sperrte die Mädchen schon als Kinder regelmäßig in ein Zimmer im oberen Geschoss des Hauses. Nur auf einer Holzbank in der Küche durften sie schlafen, immer wieder machte sich der Vater über sie her. Wie die Polizei gestern mitteilte, setzte es auch Prügel – mit einem Holzstock. Sogar mit einer Mistgabel ging Gottfried W. auf die Familie los. Auch die mittlerweile verstorbene Mutter Berta W. musste all die Qualen ertragen. Die Sache flog erst auf, als sich die älteste Tochter Christine gegen ihren lüsternenen Vater zur Wehr setzte. Sie versetzte ihm einen Stoß, sodass er hinfiel und nicht mehr aufstehen konnte. Nach zwei Tagen informierte Christine, die geistig behindert ist, eine Sozialarbeiterin. Diese verständigte auch die Polizei. Seither sitzt Gottfried W. in Untersuchungshaft im Gefängnis von Ried.

Die Tür zum Horror-Haus bei Braunau, in dem ein Mann seine beiden Töchter über 40 Jahre lang missbraucht und misshandelt hat.

Hilferufe, Schreie haben die Dorfbewohner nie gehört. Auch, wenn sich manchmal verstörende Bilder in dem „Hexenhäuserl“, wie die Dorfbewohner es nennen, abspielten. „Da stand die Christine abends oft am Fenster, starrte bewegungslos mit ihren langen grauen Haaren nach draußen”, erinnert sich Nachbarin Bettina J. (23) an die Familie W. Rhythmisch klopfte sie dann mit einem Besenstiel gegen das hölzerne Fensterbrett. Stundenlang. „Da konnte einem angst und bange werden.“ Aber dass sich in den vier Wänden die Hölle abspielte – daran dachte die junge Frau nicht. „Es war doch regelmäßig ein Pflegewagen vom Roten Kreuz vor dem Haus. Die hätten doch was merken müssen. Wo waren denn die Behörden?”

Das fragen sich in St. Peter am Hart alle. Tatsache ist: Die zwei Töchter hatten nach dem Tod der Mutter 2008 eine Vormundschaft, wurden regelmäßig besucht. Noch wollen die Behörden keine Stellung zu den Vorwürfen nehmen. Man müsse die Lage erst analysieren, heißt es. Der Pfarrer ist da schon direkter. Er sagte gestern, dass er sich „schäme”. Und er stellte sich eine Frage: „Wo haben wir versagt?”

Eines steht fest: Das Leid der zwei Töchter und ihrer Mutter wird das Örtchen noch lang verfolgen. „Natürlich hat man die zwei Frauen nur sehr selten gesehen”, gibt Hertha H. zu. Manchmal besuchten sie das Grab ihrer Mutter. „Da standen sie dann — mit Tränen in den Augen.”

Armin Geier

 

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