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DPD-Fahrer parkt mit laufendem Motor: Passant macht irren Vorschlag

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DHL-Paketfahrer stehen häufig unter Zeitdruck. Vermutlich um besonders schnell zu sein ließ ein Fahrer beim Parken in zweiter Reihe seinen Motor laufen - und sorgte damit für reichlich Ärger bei den Anwohnern. © picture alliance/dpa | Roland Weihrauch

Eine abenteuerliche Art der Paketzustellung sorgt bei einem Kunden für Ärger. Doch die Paketdienste leiden unter schlechten Arbeitsbedingungen und Zeitdruck.

München -  Aufgrund der Corona-Pandemie boomt der Online-Handel. Paketzusteller brachten im vergangenen Jahr die Rekordmenge von 4,5 Milliarden Paketen an die deutschen Haustüren, 11,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Das geht aus Daten des Bundesverbands Paket und Expresslogistik (BIEK) hervor. Die rund 270 000 Beschäftigte hatten alle Hände voll zu tun. Manche lieferten dabei exzellenten Service, andere verärgerten die Kunden.

DPD-Fahrer lässt Motor laufen - Kunde kommt auf irre Idee

Wer kennt es nicht: Paketzusteller, die in zweiter Reihe parken und so zum Ärgernis der anderen Verkehrsteilnehmer werden. Ein Zusteller ging am Dienstag noch einen Schritt weiter: Er stellte seinen Lieferwagen offenbar nicht nur direkt an einer Ecke ab, sondern ließ auch den Motor laufen und den Schlüssel stecken. Das brachte einen Twitter-User auf einen kreativen wenngleich nicht ganz legalen Lösungsvorschlag.

„Aber habt Ihr keine Angst, dass den mal jemand umparkt, wenn er mit laufendem Motor verlassen auf der Kreuzung steht?“ fragt der User auf Twitter und ergänzt seinen Beitrag mit den Hashtags #RunterVomGehweg #Falschparker #SpritIstZuBillig #Lieferfahrer #Eckenparker

Der DPD-Lieferwagen parkte den User-Aussagen zufolge an der Ecke einer Kreuzung und versperrte so manchem Verkehrsteilnehmer nicht nur die Sicht, sondern auch den Fußweg. Zudem würden die Nachbarn wegen des laufenden Motors „sinnlos zugedieselt“, so der Anwohner weiter. Der Paketdienst DPD reagierte prompt und bat auf Twitter um weitere Details des Vorfalls, um Nachforschungen einleiten zu können. Denn auch Paketzusteller müssen sich natürlich an die Straßenverkehrsordnung halten und Umweltsünden sind schlecht fürs Markenimage.

Zudem justiert der Gesetzgeber immer wieder nach, wenn er Verbraucher von Paketdiensten benachteiligt sieht - etwa in einem aktuellen BGH-Urteil. Darin legten die Richter fest, dass der Zusteller die Empfänger in der Regel zusätzlich informieren muss, dass eine Sendung abgelegt worden ist - und gab damit der Verbraucherzentrale NRW teils Recht. Beschwerden über die DPD oder andere Zulieferer können also durchaus Früchte tragen.

Doch möglicherweise ist der hastig abgestellte Lieferwagen auch ein Symptom der schlechten Arbeitsbedingungen der Paketzusteller in Deutschland. Viele Jobs werden an Subunternehmer ausgelagert, wo oftmals geringeres Gehalt, Überstunden und höherer Zeitdruck herrschen, wie Kritiker bemerken. „Wir reden sehr viel über Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie in der Dritten Welt, wir reden aber sehr wenig über die Arbeitsbedingungen derartiger im Schatten stehender Berufe hier in Deutschland“, sagte etwa Wirtschaftsethiker Michael Aßländer gegenüber Deutschlandfunk. Man nehme solche prekären Jobs in der Öffentlichkeit kaum wahr, so seine Kritik weiter.

Ärger mit Paketzustellern: Das können Kunden tun

Fehlgeschlagene Zustellversuche, falschparkende Lieferwagen, abenteuerliche Ablageorte sorgen für Ärger bei den Kunden. Doch wie so oft hat die Medaille zwei Seiten und auch auf Kundenseite lässt sich die Lage verbessern. Wer sich etwa um die Umwelt sorgt, bestellt idealerweise nicht online oder ist zuhause, wenn die Lieferung ansteht. „Versuchen sie, den ersten Zustellversuch zum Erfolg zu bringen, das ist nachhaltig“, rät dazu etwa Marten Bosselmann, der Vorsitzende des Bundesverband Paket und Expresslogistik. Langfristig wollen die Paketdienste aber erreichen, dass die Empfänger ihre Pakete mehr in Paketshops abholen. DPD hat kürzlich einen eigenen Laden in Berlin eröffnet. „Das ist die Zukunft“, meint Bosselmann.

Parallel wird aus Umweltschutzgründen an mehr elektrischen Fahrzeugen und Lastenrädern gearbeitet. Versuche, große Pakettransporte vom Lkw auf Züge zu verlagern, fruchteten bislang nicht merklich. Der größere Klima-Hebel für Verbraucher liegt laut Umweltbundesamt woanders - Handel und Transport machten nur zehn Prozent der Treibhausgase aus. Der Rest entstehe in der Herstellung. Das Umweltbundesamt rät daher zu langlebigen Produkten, die umweltfreundlich hergestellt sind - und dazu, diese bestenfalls im Geschäft um die Ecke abzuholen, mit dem Fahrrad oder zu Fuß. (dpa/bme).

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