Witwe: "Er war größer als das Leben selbst"

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Die Piloten-Witwe nannte ihren Mann einen “mutigen“ Menschen, der seinen Passagieren das Leben gerettet habe.

Reichelsheim - Nach dem tödlichen Luftschiff-Inferno suchen Experten nach der Unglücksursache. Bislang gibt es mehrere Erklärungsansätze. Jetzt hat sich die Witwe des Piloten-Helden zu Wort gemeldet.

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Nach dem tödlichen Absturz eines Luftschiffes in Hessen rätseln Experten über die Unglücksursache. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Die Experten sind auch auf die Erinnerungen der drei Überlebenden an das dramatische Geschehen vom Sonntagabend in Reichelsheim angewiesen. Das Luftschiff “Spirit of Safety“ (etwa: Geist der Sicherheit) schlug auf dem Boden auf, bevor es wieder anstieg und in Flammen aufging. In dem Feuerball verbrannte der erfahrene australische Pilot. Die Polizei rechnete nicht vor Donnerstag mit Erkenntnissen zur Ursache des Unglücks. Die drei Passagiere konnten sich in letzter Sekunde durch einen Sprung aus der Gondel retten. Sie erinnern sich an die letzten Momente an Bord, an Schreie, an Panik.

Zeppelin fängt Feuer und stürzt ab: Bilder vom Unglück

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Beim Landeanflug während des traditionellen Hessentages sahen sie nach Medienberichten bereits die am Boden stehenden Helfer. Beim Aufsetzen sei ein mächtiger Schlag zu spüren gewesen. Der Pilot habe gerufen, es habe einen Unfall gegeben, das Luftschiff sei beschädigt. “In meinem Rücken wurde es auf einmal heiß, es stank fürchterlich nach Benzin“, erinnert sich ein Fotograf der “Bild“-Zeitung, der an Bord des Luftschiffes gewesen war und sprang. “Ich dachte, gleich springt Mike (der Pilot) mit dem Fallschirm raus. Aber er kam nicht. Dann hörte ich ihn schreien“, zitiert die “Bild“ ihren Mitarbeiter weiter. Nach dem Absprung der Passagiere schoss das Schiff wegen des Gewichtsverlustes wieder in die Höhe.

Die “Spirit of Safety“ verglühte in einem Feuerball - und mitten drin der 52-jährige Pilot. Laut Medienberichten besaß er in 5 Ländern Fluglizenzen, er hatte 12 300 Stunden Flugerfahrung. Es seien Ermittlungen aufgenommen worden, da ein Mensch ums Leben gekommen sei, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Gießen. Der Reifenhersteller Goodyear, der das Luftschiff gemietet hatte, stoppte zunächst alle Werbeflüge.

"Er war Charaktertyp"

Die Piloten-Witwe nannte ihren Mann einen “mutigen“ Menschen, der seinen Passagieren das Leben gerettet habe. “Es hat mich kein bisschen überrascht. Er war ein Charaktertyp“, sagte sie der Tageszeitung “Illawarra Mercury“ nach Angaben des australischen Blattes. “Er war größer als das Leben selbst.“ Der Pilot hätte einen Tag nach dem Unglück seinen 53. Geburtstag gefeiert, hieß es. “Es gibt verschiedene Möglichkeiten für den Absturz, etwa ein technischer Defekt oder ein Pilotenfehler“, sagte ein Polizeisprecher. “Wir tendieren noch in keine Richtung.“

Hinweise auf Sabotage gibt es laut Staatsanwaltschaft nicht. “Es gibt auch erste Vermutungen zur Ursache. Ich will mich aber nicht an Spekulationen beteiligen“, sagte Staatsanwalt Klaus Bender. “Zeugen haben von merkwürdig lauten Motorengeräuschen berichtet. Aber ob das ursächlich für den Absturz war, muss geprüft werden.“

Auch die Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen in Braunschweig in Niedersachsen setzten ihre Nachforschungen fort. Ihre Erkenntnisse seien wichtig für die Bewertung, sagte Bender. Bis zur Klärung des Sachverhalts bleibe ein zweites Gefährt in Spanien am Boden, teilte Reifenhersteller Goodyear mit. Eine noch für Monate geplante, große Werbe-Tour mit Luftschiffen in 20 Ländern werde unterbrochen.

Mit dem Luftschiff in Spanien habe es bislang überhaupt keine Probleme gegeben, versicherte eine Firmensprecherin. Die Staatsanwaltschaft will es dennoch untersuchen. Ob der Einsatz der sogenannte Blimps - das sind Luftschiffe ohne inneres Gerüst - noch Zukunft in Deutschland habe, sei ungewiss, sagte eine Sprecherin des Reifenherstellers Goodyear in Hanau. In den USA stehe der Luftschiff-Einsatz hingegen “nicht zur Disposition“.

Von 2014 bis 2017 soll die Flotte dort mit ihren drei Luftfahrzeugen ersetzt werden. Stückpreis: rund 14 Millionen Euro. Das Luftschiff ist kein Zeppelin aus der Produktion der Zeppelin Luftschifftechnik GmbH in Friedrichshafen, wie ein Mitarbeiter des Unternehmens betonte. Im Unterschied zu den Luftschiffen vom Bodensee befindet sich seiner Darstellung nach die Technik bei dem abgestürzten Modell unter der Heliumhülle in der Kabine. “Kraftstofftanks und Motor sind auf engstem Raum mit den Passagieren untergebracht“, sagte der Experte. Bei den Zeppelinen aus Friedrichshafen sei ein ähnlicher Unfall nahezu ausgeschlossen. “Wir haben eine ganz andere Technik.“

dpa

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