Am Münchner Flughafen

Maddie bei deutscher Familie gesehen?

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Ein am Computer bearbeitetes Bild zeigt, wie die heute neunjährige Maddie inzwischen aussehen könnte

München - Ein Deutscher behauptet, am Münchner Flughafen verschwundene Maddie McCann gesehen zu haben. Es existiert sogar ein angebliches Beweisfoto. Doch seine Aussagen werfen Zweifel auf:

Es ist eine äußerst fragwürdige "heiße Spur": Ein 42-jähriger Deutscher ist in der letzten Augustwoche von einem Ibizaurlaub nach Hause geflogen. Schon in einem Bus am Flughafen in Spanien sei dem Mann das sieben bis zehn Jahre alte Mädchen aufgefallen, das mit einer deutschen Familie unterwegs war, berichtet die britische "Sun" unter Berufung auf Aussagen des Deutschen. "Sie hat überhaupt nicht zu der Familie dazugepasst. Ihr Vater war offensichtlich ein Deutscher, so wie ihre zwei Brüder auch - beide waren etwa zehn bis zwölf Jahre alt -, aber ihre Mutter schien eine Britin zu sein", zitiert das Onlineportal der Zeitung den 42-Jährigen. Alle hätten Deutsch gesprochen, nur das kleine Mädchen nicht. Angeblich sprach es Englisch mit britischem Akzent.

Weil dem Mann das offenbar alles seltsam erschien, soll er seine Kamera gezückt haben, um ein Beweisfoto zu machen. Die "Sun" zeigt das völlig verschwommene Bild, auf dem ein Mädchen zu erkennen ist, das auf dem Schoß einer Person sitzt und sich am Fensterrahmen des Busses abstützt.

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Zufällig sei die Familie später im selben Lufthansa-Flugzeug nach München gesessen, zitiert die "Sun" den Deutschen weiter. Dort habe er die Gelegenheit gehabt, das Mädchen genauer zu beobachten. Er habe gesehen, wie das Mädchen von den zwei Jungs der Familie "seltsam angefasst" wurde. Die Mutter hätte sich gar nicht für das Kind interessiert und während des ganzen Fluges kein Wort gesprochen. Und das Mädchen selbst schien sehr nervös und habe gestottert.

Nachdem einige Freunde dem Deutschen Informationen der "Sun" zufolge bestätigt hätten, dass das Mädchen auf dem Foto Maddie ähnlich sehe, meldete der Mann sich offenbar bei Scotland Yard. Die britische Polizeibehörde bestätigte zwar, dass sie neue Informationen zum Fall Maddie erhalten habe, wollte jedoch keine Details nennen.

Münchner Flughafen- und Bundespolizei weiß von nichts

Doch die vermeintliche Sichtung der seit 2007 verschwundenen Maddie ist weder wahrscheinlich, noch sonderlich glaubwürdig. Bei der Flughafen- und Bundespolizei in München weiß man jedenfalls von nichts, berichtet die "Augsburger Allgemeine" auf ihrem Onlineportal. Auf dem angeblichen "Beweisfoto" lässt sich außerdem das Gesicht des Mädchens kaum erkennen, denn es liegt im Schatten. Ein Vergleich mit Maddie ist deshalb kaum möglich.

Eine weitere Ungereimtheit: Gegenüber dem Onlineportal der "Augsburger Allgemeinen" behauptete der 42-Jährige, er habe einer Veröffentlichung von Artikeln nie zugestimmt. Der "Bild"-Zeitung bestätigte er jedoch am Freitag seine Aussagen, die er gegenüber der spanischen Lokalzeitung "The Olive Press" gemacht hatte. Diese wiederum hatte die britsche "Sun" übersetzt und weiterverwertet. Auch das Foto liegt der "Sun" offenbar vor. Doch warum stand der Deutsche den Medien so ausführlich Rede und Antwort, wenn er mit seiner Beobachtung nach eigener Aussage gar nicht an die Öffentlichkeit gehen wollte? Und wieso spielte er der Presse sein Beweisfoto zu?

Einziger Anhaltspunkt, der für den Verdacht des Deutschen spricht, ist ein ähnlicher Fall im Mai 2012. Bereits damals soll ein Mädchen, das Maddie angeblich ähnlich sah, zusammen mit einer deutschen Familie mit zwei Söhnen gesichtet worden sein. Maddie McCann verschwand 2007 im Alter von vier Jahren bei einem Familienurlaub in Portugal. Seitdem sucht die Polizei international vergeblich nach dem Kind.

pie

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