"Deutschland verliert großen Menschen"

Reaktionen auf den Tod Marcel Reich-Ranickis

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Bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises sollte Marcel Reich-Ranicki 2008 mit dem Ehrenpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden. Doch er weigerte sich, ihn anzunehmen.

Frankfurt am Main - Marcel Reich-Ranicki ist am Mittwoch mit 93 Jahren gestorben. Größen aus Kultur, Politik und Showbusiness trauern um Deutschlands berühmtesten Literaturkritiker.

Angela Merkel (59): „Wir verlieren in ihm einen unvergleichlichen Freund der Literatur, aber ebenso der Freiheit und der Demokratie“, erklärte Merkel am Mittwoch. „Ich werde diesen leidenschaftlichen und brillanten Mann vermissen.“ Nicht einmal der mörderische Hass der Nazis habe ihm seine Liebe zu den deutschen Dichtern austreiben können. Man könne nur dankbar dafür sein, dass der Sohn einer jüdischen deutsch-polnischen Familie, der Verwandte in den NS-Vernichtungslagern verloren habe, sein Zuhause wieder in Deutschland gefunden und dem Land so viel gegeben habe.

Thomas Gottschalk (63): Der Entertainer hat Marcel Reich-Ranicki als Persönlichkeit hervorgehoben, die mit ihrer „Literaturkritik eine Landschaft, die für viele Menschen grau ist, bunt gemacht“ hat, wie Gottschalk der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. „Er hat für Deutschland mehr getan als die meisten Kultur-Politiker. Mit seinen Memoiren hat er uns nichts vergessen, aber vieles vergeben.“

Joachim Gauck (73): „Er, den die Deutschen einst aus ihrer Mitte vertrieben haben und vernichten wollten, besaß die Größe, ihnen nach der Barbarei neue Zugänge zu ihrer Kultur zu eröffnen“, erklärte der Bundespräsident. „Alle haben ihn geachtet, viele haben ihn geliebt, wir alle werden ihn vermissen.“ Gauck betonte, Reich-Ranickis Leben spiegele eindrücklich deutsche und europäische Geschichte, und erinnerte daran, dass dieser „an der Seite seiner unvergessenen Frau Teofila“ das Warschauer Ghetto überlebt habe. „Unser Land trauert um Marcel Reich-Ranicki.“

Gabriele Wohmann (81, Schriftstellerin, "Die Bütows“, „Schön und gut“): „Er war sehr nützlich für mein Fortkommen in der Literatur“, sagte die 81-Jährige am Mittwoch. Er habe erste Werke von ihr rezensiert und gelobt.

Sigmar Gabriel (54): Der SPD-Vorsitzende Marcel Reich-Ranicki als „scharfsichtigen Kritiker“ gewürdigt. Er sei „ein brillanter Literaturvermittler und eine faszinierende wie vielschichtige Persönlichkeit“ gewesen. „Deutschland verliert einen bedeutenden Publizisten und großen Menschen. Er wird uns allen fehlen.“

Frank-Walter Steinmeier (57): „Sein Tod ist ein schwerer und schmerzlicher Verlust für das kulturelle Leben in Deutschland.“ Er habe als Kritiker, als Publizist und Schriftsteller die literarische Kultur des Landes über mehrere Jahrzehnte geprägt wie kein zweiter. „Seine Biografie war aufs engste verknüpft mit den Irrwegen und Höhen deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert.“ Er sei zugleich eine moralische Instanz gewesen, „die tiefen Respekt und höchste Anerkennung bei allen Menschen in Deutschland genossen hat.“

Deutsche Verlags-Anstalt (DVA): „Mit ihm verliert die Deutsche Verlags-Anstalt einen ihrer herausragendsten Autoren. Wichtiger noch: Die Welt der Literatur verliert den bedeutendsten und einflussreichsten Kritiker und Vermittler von Literatur nach 1945“, teilte Verlagsleiter Thomas Rathnow in München mit. „Marcel Reich-Ranicki hat wie kein anderer mit Witz, mit Schärfe, mit Sinn für klare Urteile der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur zu breiter Beachtung verholfen.“

ZDF: „Marcel Reich-Ranicki konnte polarisieren wie wenige andere. Seinem Motto 'Die Deutlichkeit ist die Höflichkeit der Kritiker' ist er immer treu geblieben“, teilte ZDF-Intendant Thomas Bellut in Mainz mit. „Mit seiner deutschen, polnischen und jüdischen Biografie war er auf eine ganz außerordentliche Weise mit der Geschichte und Kultur unseres Landes verbunden."

Marcel Reich-Ranicki ist tot - Bilder seines Lebens

Marcel Reich-Ranicki ist tot - Bilder seines Lebens

Philipp Rösler (40): „Eines seiner großen Verdienste ist es, dass er Literatur für ein breites Publikum zugänglich und attraktiv gemacht hat“, sagte der FDP-Politiker laut einer Mitteilung. Der Lebenslauf des Holocaustüberlebenden werde für „Generationen einen prägenden Eindruck hinterlassen“, fügte Rösler hinzu.

PEN-Zentrum: „Er war im Nachkriegsdeutschland eine zentrale Figur, nicht nur der Literaturkritik, sondern auch der literarischen Entwicklung des Landes“, sagte der Präsident der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland, Josef Haslinger. Reich-Ranicki sei es auch gelungen, in der ZDF-Sendung „Das Literarische Quartett“ eine „Popularität zu erringen wie kein anderer Literaturkritiker“.

Die Grünen: „Bis ins hohe Alter hat sich Reich-Ranicki tatkräftig dafür eingesetzt, die richtigen Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen“, erklärten die Fraktionsvorsitzenden Renate Künast und Jürgen Trittin sowie die Vizepräsidentin des Bundestags, Katrin Göring-Eckardt. Viele Jahrzehnte lang habe er die Entwicklung der deutschen Literatur nicht nur beschrieben und beobachtet, sondern mitgestaltet. „Er hat dabei kein Blatt vor den Mund genommen.“

dpa

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