tz-Reporterin berichtet aus den USA

Mein Kampf mit dem Supersturm

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Traute sich kurz vor der Ankunft von Sturm Sandy noch vor die Tür: tz-Reporterin Iris Spiegelberger in Washington

Washington - tz-Redakteurin Iris Spiegelberger weilt derzeit in Washington und erlebt die Angst der US-Amerikaner vor Hurrikan Sandy live mit. Ihr Erlebnisbericht aus den USA:

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Dieser Monstersturm wirbelt in den USA alles durcheinander: Die gesamte Region der US-Ostküste und das Hinterland riefen den Notstand aus, Flüge auch aus Deutschland wurden ersatzlos gestrichen, die Metropolen Washington und New York schlossen ihre U-Bahnen und ließen tiefer liegende Stadtteile evakuieren. Sogar die New Yorker Börse musste gestern dicht machen – das erste Mal seit 27 Jahren konnten dort keine Aktien mehr gehandelt werden, was auch zu Verlusten an der Frankfurter Börse führte. Die Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und Mitt Romney mussten ihre Wahlkampftermine absagen. Das Leben von insgesamt 50 Millionen Menschen bedroht der Sturm, allein in New York mussten 400 000 in Notunterkünfte ziehen. Es drohen 2,3 Milliarden Euro Schäden. tz-Redakteurin Iris Spiegelberger ist gerade in Washington – und beschreibt die Angst vor Sandy:

Hurrikan "Sandy" hinterlässt Spur der Verwüstung

Hurrikan "Sandy" hinterlässt Spur der Verwüstung

Bei dieser Frau wird selbst dem Oberbefehlshaber der USA mulmig: Noch am Sonntagabend flog US-Präsident Barack Obama trotz Warnungen vor Hurrikan Sandy für einen Wahlkampfauftritt nach Florida – nur um am Montagmorgen postwendend zurück nach Washington DC zu fliegen. So ähnlich geht es mir zur selben Zeit. Es braucht gerade mal zehn Schritte vor die Tür, um mich zum Umkehren zu bewegen. Nach fünf Sekunden bin ich klatschnass, den Regenschirm kriege ich gar nicht erst auf bei dem Wind. Im Lift zurück nach oben lächelt mich ein Nachbar mitleidsvoll an. „Cudos for trying“ - „Hut ab, dass Sie es probiert haben“, sagt der junge Mann und gibt mir einen Tipp: „Es ist zwecklos. Arbeiten Sie heute von zu Hause, wenn Sie können.“

Den Rat habe ich gestern schon im Fernsehen gehört – ohne ihn wirklich ernst zu nehmen. Das bisschen Regen … Millionen Naturkatastrophen-erfahrene Amerikaner sind da aufmerksamer. Die Supermarktregale mit Wasser, Jodtabletten, Kerzen, Batterien und Dosensuppe sind seit Sonntag leergeräumt. Wer seinen Benzintank noch nicht aufgefüllt habe, solle das bis spätestens Montagmorgen tun, verkündet die Nachrichtensprecherin alle halbe Stunde eindringlich im Radio. Es sei mit mehrtägigen Stromausfällen zu rechnen, wenn Sandy mit voller Wucht in Washington eintreffe. Außer in absoluten Notfällen solle man auf keinen Fall nach draußen gehen – weder zu Fuß, noch im Auto. Die Gefahr, von umherfliegenden Schildern oder herabstürzenden Bäumen getroffen zu werden, ist groß.

Die Warnungen zeigen Wirkung. Keine Menschenseele lässt sich am Montag auf der Straße blicken. Einige wenige Autos kurven durch die Straßen. DC, das sonst für seine Dauerstaus bekannt ist, ist wie leergefegt. Der öffentliche Nahverkehr ist am Montag komplett eingestellt. Statt dem regelmäßigen Rattern der U-Bahnzüge höre ich nur das Dauerrauschen des Regens und die Stimme eines Polizisten, der die Bewohner über Lautsprecher mit Anweisungen auf das erwartete Horrorszenario einstimmt.

Wie hoch das Wasser am Dienstagmorgen in den Straßen stehen wird, werden wir erst bei Sonnenaufgang wissen. Aus Angst vor Überschwemmungen sind die U-Bahnhöfe gesperrt. Alle Regierungsgebäude, Gerichte, Schulen, Kindergärten, Museen, Einkaufszentren und Flughäfen sind auf Anweisung der Behörden bis Mittwoch geschlossen.

Barack Obamas Air Force One dürfte die einzige Maschine sein, die am Montagmittag noch Landeerlaubnis erhalten hat. Auch der Präsident wird bis Dienstag erstmal von zu Hause arbeiten.

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