„Danke auch für das wunderschöne Bild“

Mit bösem Facebook-Post: Juwelier jagt Dieb

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Ein Juwelier fahndet auf Facebook mit diesem Foto nach einem Uhrendieb.

Stuttgart - Es klingt auf den ersten Blick richtig nett, was ein Stuttgarter Juwelier auf Facebook schreibt. Doch die freundlichen Zeilen sind reiner Sarkasmus und eine unverhohlene Drohung an einen Dieb.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, heißt es. Doch ein Stuttgarter Juwelier hat seinen Humor nach einem Raub offenbar nicht verloren. Nur so lässt sich der Facebook-Eintrag erklären, mit dem auf dem Profil des Ladens der Mann gesucht wird, der demnach zwei Luxus-Uhren mitgehen hat lassen. 

In dem in freundichem Ton gehaltenen Posting vom Freitag wendet sich der Geschäftsinhaber direkt an den Langfinger - und nimmt die Fahndung in die eigenen Hände. Das ist rechtlich gesehen eine äußerst fragwürdige Aktion, lustig liest sie sich jedoch allemal. 

„Hallo du Dieb“, beginnt der ungewöhnliche Eintrag auf dem sozialen Netzwerk, „uns freut es ja, dass Du so begeistert von unseren Uhren bist [...]. Aber wenn Du Dir diese nicht leisten kannst, dann finanziere diese, aber klaue sie nicht so dreist!“

Von dem Verkauf der teuren Zeitgeber rät der Geschäftsinhaber ab: „Zudem bringen Dir die Uhren kaum Geld ein, da Du sowohl die Box als auch die Papiere vergessen hast“, erklärt er süffisant - um dann noch eine Schippe Sarkasmus draufzulegen: „Danke auch für das wunderschöne Bild, welches unsere Überwachungskameras von Dir festgehalten haben. Dieses darf und soll bitte geteilt werden, damit die Polizei, welche übrigens auch Dein Bild hat, Dich schnell finden wird.“ 

„Man sieht sich immer zweimal im Leben“

„Man sieht sich immer zweimal im Leben und wir freuen uns auf das Wiedersehen“, heißt es bitterböse am Ende des Eintrags. “Lass Dich schön von Deinem schlechten Gewissen plagen und bis bald sowie viele Grüße an Kind und Frau“.

Und falls das nicht gesessen haben sollte, wird im Postscriptum noch einmal der psychologische Druck auf den Dieb erhöht: „Die Stuttgarter Polizei hat eine extrem hohe Aufklärungsquote“, ist da zu lesen. Doch damit nicht genug: Auch eine stattliche Belohnung wird ausgelobt.

Nach nur einem Tag sind bereits mehr als 1300 Facebook-Nutzer der Aufforderung des Juweliers gefolgt, das Posting zu teilen. Wie leider nicht anders zu erwarten, spekulieren einige der Kommentatoren bereits wild über die Herkunft des vermeintlichen Täters.

Finger weg von privaten Fahndungsaufrufen!

Mit seinem privaten Fahndungsaufruf begibt sich der Juwelier allerdings juristisch gesehen auf dünnes Eis. Diese seien „gefährlich, denn sie treffen oft Unbeteiligte“, wie erst kürzlich die Polizei Sachsen auf ihrem Facebook-Profil warnte. „Überlasst die Arbeit der Polizei, insbesondere die der Öffentlichkeitsfahndung!“, appellierten die Beamten.

Was man wissen sollte: Nur Strafverfolgungsbehörden dürfen nach Personen öffentlich fahnden. Auch Straftäter, aber auch Tatverdächtige haben Persönlichkeitsrechte. Wer die verletzt, muss mit teuren Abmahnungen, Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen rechnen und kann dabei sogar Straftatbestände erfüllen.

Auch einige der Kommentatoren unter dem Eintrag weisen darauf hin, doch das scheint dem Juwelier egal zu sein. Bisher hat er jedenfalls seinen privaten Fahndungsaufruf noch nicht gelöscht.

hn

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