Mordfall Lena: Neue Hinweise nach drittem Video

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Ein Mann geht am Samstag (24.03.2012) durch das City Parkhaus am Wasserturm in Emden (Standbild aus einem von der Polizei veröffentlichten Video im Zusammenhang mit dem Emder Mädchenmord).

Emden - Nachdem eine dritte Videosequenz aus der Überwachungskamera im Parkhaus im Internet freigegeben wurde, hat die Polizei in Emden neue Hinweise auf den Täter erhalten.

Nach der Ermittlungspanne im Fall der getöteten elfjährigen Lena in Emden gehen die Ermittler neuen Hinweisen aus der Bevölkerung nach. Eine heiße Spur gibt es derzeit offenbar nicht. Seit das Mädchen vor einer Woche tot in einem Parkhaus in der ostfriesischen Stadt gefunden wurde, sind mehr als 300 Hinweise eingegangen, wie eine Polizeisprecherin am Samstag auf dapd-Anfrage in Leer sagte. Allerdings gebe es bislang „leider weder einen neuen Sachstand noch neue Ergebnisse“. Zu Spekulationen über einen möglichen neuen Tatverdächtigen oder gar einer Festnahme wollte sich die Staatsanwaltschaft vorerst nicht äußern.

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Gefahndet wird nach wie vor nach einem jungen Mann in dunkler Kleidung, der auf einem Video der Überwachungskamera des Parkhauses zu sehen ist. Seit dem Tod von Lena haben die Ermittler zwei Videosequenzen im Internet veröffentlich, darunter eine aktualisierte. „Und es gehen weiter Hinweise aus der Bevölkerung ein“, sagte die Polizeisprecherin und fügte hinzu: „Das ist sehr gut für unsere Arbeit, weil sich dadurch alles verdichtet und uns hoffentlich irgendwann zum Täter führt.“

Zu offensiv an die Öffentlichkeit gegangen

Indes wächst die Kritik an den Ermittlungsbehörden. „Polizei und Staatsanwaltschaft haben ein Interesse an einem raschen Fahndungserfolg“, sagte der CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl dem Kölner Stadt-Anzeiger. „Deshalb sind sie manchmal etwas voreilig und riskieren zu häufig einen zu schnellen Gang an die Öffentlichkeit.“ Uhl fügte hinzu: „Die Vorfälle zeigen wieder einmal, welche Kräfte im Internet freigesetzt werden können. Die sind nicht immer zu begrüßen.“ Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz sagte dem Blatt: „Ich bin sehr dafür, dass Leute, die zur Lynchjustiz aufrufen, unnachgiebig verfolgt werden.“

Auch der Berliner Strafrechtsprofessor Martin Heger äußerte massive Kritik. Zwar sei es vermutlich korrekt gewesen, nach Würdigung der Indizien und Beweise den 17 Jahre alten Berufsschüler zu verhaften. „Aber die Staatsanwaltschaft ist mit den Sachverhalten zu offensiv an die Öffentlichkeit gegangen“, sagte er der Zeitung Die Welt. Heger forderte die Staatsanwaltschaft auf, zur Rehabilitierung des zu Unrecht inhaftierten Jungen ebenso massiv an die Öffentlichkeit zu gehen.

Von gravierende Fehlern sprach auch der Kriminologe Christian Pfeiffer. Die Verdachtsmomente gegen den Jugendlichen seien dürftig gewesen, trotzdem habe ihn die Polizei öffentlich in Handschellen vorgeführt, sagte er der Nachrichtenagentur dapd. Eine aufgebrachte Menge von 50 Personen hatte sich am Dienstagabend vor dem Emder Polizeirevier versammelt, um es zu stürmen und den zu diesem Zeitpunkt Verdächtigen zu lynchen. Zu der Tat war im sozialen Netzwerk Facebook aufgerufen worden. Oberstaatsanwalt Bernard Südbeck wies die Kritik an den Ermittlungsbehörden zurück. Polizei und Staatsanwaltschaft hätten „zu jeder Zeit richtig gehandelt“, sagte er.

17-Jähriger nach Hetzaufrufen in polizeilicher Obhut

Ein in dem Mordfall am Dienstagabend festgenommener 17-Jähriger war am Freitag wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Er ist laut Polizei und Staatsanwaltschaft unschuldig. Nach den Hetzaufrufen im Internet befindet sich der junge Mann in polizeilicher Obhut.

Oberstaatsanwalt Südbeck kündigte an, Hetzaufrufen generell entgegen zu treten und die Täter zu verfolgen. Gegen einen 18-Jährigen wurde bereits ein Verfahren eingeleitet, sagte er in der NDR Sendung „Hallo Niedersachsen“.

Laut Südbeck ist für die Sicherheit des 17-Jährigen gesorgt. Die Indizien, die anfangs gegen ihn gesprochen hätten, seien durch Fakten widerlegt worden. Er sei nach wie vor sehr zuversichtlich, dass der Täter gefasst werde. Welche konkreten Ermittlungsergebnisse den zuvor dringenden Verdacht gegen den 17-Jährigen entkräfteten, wollten die Behörden aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mitteilen.

Lena war am Freitag auf dem städtischen Friedhof in Emden im engsten Familienkreis beigesetzt worden. An der Aufklärung des Falls arbeitet eine 40-köpfige Mordkommission.

dpa

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