Sorge um Kältetote

Lebensbedrohliche Kälte: So können Sie Obdachlosen in München helfen

Ein Obdachloser sitzt mit FFP2-Maske in einem Schlafsack auf einer Isomatte.
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Bei Minusgraden wird die Lage für viele Obdachlose lebensbedrohlich.

Aktuell wird auch der Süden Deutschlands von einer Kältewelle überrollt. Die Lage von Obdachlosen wird dadurch lebensbedrohlich - so können Sie helfen.

München - Vergangene Woche sorgte der einsame Tod eines Obdachlosen im Münchner Hofgarten* für Bestürzung in der Stadt. Die Ursache für den Tod des 59-Jährigen ist bislang noch unklar. Sein Schicksal bereitet jedoch nicht nur vielen Mitbürgern Sorge - insbesondere in Hinblick auf die sibirische Kälte mit brutalen Minus-Graden*, die nun auch den Süden Deutschlands erreicht.

Seit Beginn der Dokumentation der Kältetoten im Jahr 1991 seien mindestens 335 wohnungslose Menschen aufgrund einer Unterkühlung verstorben, wie die BAG Wohnungshilfe informiert. Stand 5. Februar wurden allein in diesem Winter bereits 17 Obdachlose Opfer der Kälte. Viele Hilfsorganisationen wiesen aufgrund des anhaltenden Extrem-Winterwetters* bereits auf die lebensbedrohliche Lage der Betroffenen hin.

München: Lebensbedrohliche Lage für Obdachlose durch Kältewelle

Die Versorgung von Wohnungslosen sei wegen der Pandemie ohnehin schon erschwert. „Aus Hygienegründen können die Einrichtungen nicht so belegt werden wie in den Zeiten vor Corona,“ wird Sandra Schuhmann vom Diakonischen Werk Bayern von der Deutschen Presseagentur (dpa) zitiert. Besonders tragisch: „Wir wissen von Fällen, in denen Betroffene Notunterkünfte aus Angst vor einer Corona-Ansteckung meiden“.

Um Menschen ohne Bleibe dennoch einen Ort zu bieten, wo sie sich vor der Kälte schützen können, werden Kommunen aufgefordert, Notunterkünfte durchgehend zu öffnen und auch andere Gebäude wie Turnhallen oder leerstehende Hotels zu nutzen. In München ist beispielsweise die Notunterkunft in der Bayernkaserne wegen Corona mittlerweile auch tagsüber geöffnet. Es kann jedoch niemand dazu gezwungen werden, das Angebot des Evangelischen Hilfwerks auch anzunehmen.

So hätten auch der inzwischen verstorbene Münchner Obdachlose und dessen Freunde von der Unterkunft gewusst, wie die tz von Streetworkern erfahren hat. Eingewickelt in ihre Decken, würden sich die Wohnungslosen im Hofgarten jedoch halbwegs sicher fühlen – selbst in einer kalten Winternacht. In die Bayernkaserne dagegen wollen sie nicht. Der Grund ist aber nicht die Sorge vor einer Corona-Infektion, sondern weil dort geklaut würde und weil es Drogenabhängige gebe.

Obdachlose in München: So können Sie Ihren Mitmenschen helfen

In München liegt die Zahl derer, die akut wohnungslos* sind, bei etwa 9.000 Menschen. Unabhängig von den Angeboten der Stadt und Hilfsorganisationen wie „Schiller 25“ und trotz der schwierigen Corona-Lage, kann jedoch auch jeder einzelne Bürger den Bedürftigen helfen - insbesondere bei den eisigen Temperaturen, die in den kommenden Tagen drohen. Die Hilfsorganisation „Heilsarmee“ gibt daher folgende Tipps:

Notfälle erkennen: Wenn ein obdachloser Mensch kaum geschützt im Kalten schläft, ist es legitim, ihn zu wecken, um Hilfe anzubieten. In manchen Großstädten sind so­ge­nann­te Kältestreifen/Kältemobile unterwegs, die auf Un­ter­künf­te hinweisen. Sie können auch te­le­fo­nisch an­ge­for­dert wer­den. Auch karitative Organisationen, wie die Heils­armee bieten Unterstützung in solchen Fällen an. Bei un­kla­rem Ge­sund­heits­zu­stand sollte man aber auf jeden Fall einen Kran­ken­wa­gen rufen.

Grundbedürfnisse decken: Zum Beispiel mit haltbaren Lebensmittel, die nicht zubereitet werden müssen:
Brot, abgepackte Wurst und Käse. Auch Bananen oder Äpfel sind gut geeignet, denn Vitamine fehlen meistens.

Für Wärme sorgen: Mit Handschuhen, Socken und Unterwäsche: Solche Kleidungsstücke nutzen sich schnell ab, da sie oft nicht gewaschen werden können. Auch Schlafsäcke oder Decken sind natürlich willkommen.

Nahverkehr-Tickets: Sie ermöglichen einen Aufenthalt im Warmen, Trockenen und Sicheren – und sie bewahren vor Schwarzfahren.

Eher Naturalien als Geld geben: Geld wird manchmal für Alkohol oder andere Drogen verwendet. Wenn Sie des­halb kein Bares geben möch­ten, kön­nen Sie statt­des­sen nach den Be­dürf­nis­sen fragen und ent­spre­chend ein­kaufen, zum Bei­spiel Hy­giene­artikel, Essen, Getränke, Medizin oder eine Pre­paid­handy-Gut­haben­karte. Einige Obdachlose haben einen Hund, für den sie das Wenige geben würden, das sie be­sitzen. So kann Futter für den Begleiter eine besondere Freude bereiten.

Distanz wahren: Bei aller Hilfsbereitschaft sollte man sich selbst schützen und weder Adresse noch Telefonnummer preisgeben oder einen Obdachlosen mit nach Hause nehmen.

Spenden: Eine Alternative kann es sein, Organisationen wie die Heilsarmee, die Diakonie oder die Caritas finanziell zu unterstützen. Auch so kommt die richtige Hilfe bei den Obdachlosen an.

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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