Für die Angehörigen einfach nur da sein

Video: Münchner Krisenhelfer zurück aus Absturz-Gebiet

München - Es waren 48 Stunden voller Emotionen und höchst belastender Eindrücke – die stecken auch Profis nicht einfach weg. Und so standen die Spuren der Strapazen den Männern am Freitag ins Gesicht geschrieben.

Der Münchner Notarzt und Anästhesist Dr. Dominik Hinzmann, der Logistiker Ingo Russnak, der Coach und Kommunikationsexperte Martin Irlinger und der Notfallseelsorger Hermann Sauer begleiteten am Mittwoch und Donnerstag Hunderte Angehörige an den Fuß des Massif des Trois Evêchés im französischen Dörfchen La Vernet – dort, wo am Dienstag 150 Menschen an Bord des Germanwings-Fluges 4U9525 in den Tod stürzten. Die Männer arbeiten ehrenamtlich für das Krisen-Interventions-Team des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Ihr Auftrag: einfach dasein für die Trauernden und ihre Fragen.

Mittwoch früh um 6 Uhr saßen Hinzmann, Russnak, Irlinger und Sauer in der ersten Lufthansa-Maschine nach Marseille. Im kleinen Ort Seyne-les-Alpes – Zentrum des Bergungseinsatzes – stießen die Münchner auf eine Hilfsbereitschaft, „die uns tief bewegt hat“.

Peter Zehentner (l-r), Dominik Hinzmann und Ingo Russnak vom Krisen-Interventions-Team (KIT) des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB).

Die Lehrer des Ortes fungierten als Dolmetscher und halfen, wo sie nur konnten. Ein Gedenkstein wurde beschafft, dazu Fahnen der betroffenen Nationen und eine Plattform, von der die Angehörigen in die Berge schauen, Abschied nehmen und Blumen niederlegen konnten. Als am Donnerstag die sieben Busse mit rund 300 Angehörigen und Freunden der Toten kamen, standen die Münchner bereit. Für ein Gespräch oder auch nur eine Umarmung. „Manchmal genügt es, wortlos ein Taschentuch zu reichen. Wir drängen uns nicht auf“, beschreibt Irlinger seine Arbeit.

Viele Trauernde haben Fragen: „Wie sehen die Leichen aus? Ist eine Identifizierung möglich?“ Mitten hinein platzte die Nachricht, dass der Co-Pilot den Absturz absichtlich herbeigeführt hat: „Das war bei aller Dramatik gut für die Angehörigen. Denn ab diesem Zeitpunkt mussten sie sich nicht mehr quälen mit Gerüchten und Theorien. Jetzt haben sie Gewissheit.“

Auch auf dem Rückflug waren die KIT-Mitarbeiter noch an ihrer Seite – in der Hoffnung, „ihnen das Unbegreifliche ein bisschen begreifbarer gemacht zu haben“. Alle drei Männer freuten sich unbändig auf ihre Familien, finden in der Gemeinschaft und in vielen Gesprächen den Weg zurück in den Alltag. Nur einer blieb in Düsseldorf. Hermann Sauer tauft dort am Samstag sein Enkelkind. So nahe liegen manchmal Glück und Leid beisammen.

Auch ohne Worte nahe sein …

Der dramatische Absturz hat gezeigt, wie schnell Menschen aus dem Leben und aus den Reihen ihrer Liebsten gerissen werden können. Und immer wieder erleben die KIT-Mitarbeiter dann, dass zum Beispiel Freunde nicht wissen, wie sie sich nun verhalten sollen. Für diese Fälle appellierte KIT-Mitarbeiter Martin Irlinger an alle Freunde und Verwandten: „Seien Sie bitte da für die Trauernden. Stehen Sie bereit für Gespräche oder schweigen Sie zusammen. Man kann sich auch ohne Worte nahe sein. Wichtig ist es nur, die Trauernden in dieser Situation nicht allein zu lassen.“

Dorita Plange

Rubriklistenbild: © dpa

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