Columbine High School

Mutter eines Amok-Schützen entschuldigt sich

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Die Mutter eines der Columbine-Attentäters hat ein Interview gegeben.

Colorado - Die Mutter eines der beiden Teenager, die 1999 ein Blutbad an der Columbine High School im US-Bundesstaat Colorado verübten, hat sich bei den Opfern entschuldigt.

"Es tut mir so leid, was mein Sohn getan hat", sagte die 66-jährige Sue Klebold in ihrem ersten Fernsehinterview seit der Bluttat. Sie habe im Vorfeld nichts geahnt.

Ihr 17-jähriger Sohn Dylan und sein 18-jähriger Freund Eric Harris hatten am 20. April 1999 schwer bewaffnet die Schule in Columbine bei Denver gestürmt. Sie erschossen 13 Menschen und verletzten 24 weitere, bevor sie sich selbst töteten.

In dem Freitagabend ausgestrahlten Interview sagte Klebold, sie wisse, dass eine Entschuldigung "keine angemessene Antwort auf all dieses Leid" sei. "Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht an die Menschen denke, denen Dylan wehgetan hat." Es sei "sehr schwer mit der Tatsache zu leben, dass jemand, den man liebte und aufzog, auf so brutale Weise Menschen tötete".

Wenn ihr Sohn von einem anderen Kind erschossen worden wäre, hätte sie die Eltern des Kindes verantwortlich gemacht, sagte Klebold. Man glaube zu wissen, "wenn mit unseren Kindern etwas nicht stimmt". Doch dies sei in ihrem Fall anders gewesen. "Ich habe es nicht gewusst. Und ich konnte diese Verletzung anderer Menschen nicht verhindern."

"Schüchterner, liebenswürdiger Junge"

Die 66-Jährige beschrieb ihren Sohn als schüchternen, liebenswüdigen Jungen, der mit seinen Freunden feierte und in einem behüteten Elternhaus aufwuchs. Es habe keinerlei Anzeichen für bevorstehende Gewalttaten gegeben. "Wenn ich gemerkt hätte, dass Dylan seelisch gelitten hat, dann wäre er nicht dort gewesen. Dann hätte er Hilfe bekommen."

Lediglich einige Veränderungen an seinem Verhalten habe sie bemerkt, sie habe diese aber auf die Pubertät geschoben: Manchmal habe Dylan "distanziert oder ruhig" gewirkt und habe ausweichend geantwortet, wenn sie ihn fragte, wie es ihm ging.

Anderthalb Jahre vor der Schießerei hatte sich Dylan zusammen mit Freunden Zugang zum Computersystem der Schule verschafft, was ihm einen dreitägigen Schulverweis einbrachte. Außerdem wurde er beim Diebstahl elektronischer Geräte von der Polizei gefasst. "Damals dachte ich, das wäre das Schlimmste, was ich erleben könnte", sagte Klebold.

Nach der Schießerei in der High School stellte die Polizei fest, dass Dylan zwei Jahre zuvor begonnen hatte, Tagebuch zu führen und darin über seine Einsamkeit und Suizidgedanken zu schreiben. Das Interview mit seiner Mutter wurde anlässlich der Veröffentlichung ihres Buches über ihr Leben nach der Tragödie geführt. Die Einnahmen aus dem Buch will Klebold an Organisationen spenden, die sich um psychisch Kranke kümmern.

AFP

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