In Berlin vor Gericht

Prozess gegen U-Bahn-Treter: Möglicherweise schuldunfähig

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Der Prozess gegen den mutmaßlichen U-Bahn-Treter muss neu gestartet werden. Grund war ein Befangenheitsantrag gegen eine Schöffin. Foto: Paul Zinken

Der Angriff im Berliner U-Bahnhof Hermannstraße Stadtteil Neukölln hatte bundesweit Entsetzen und Empörung ausgelöst. Das Verfahren startet nun im zweiten Anlauf, nachdem es wegen eines Befangenheitsantrags ausgesetzt werden musste.

Update, 16.30 Uhr: Der 28-jährige Bauhelfer war mit seinen drei Brüdern und einem Neffen unterwegs, als es zu dem Angriff kam. Auch der mit 18 Jahren jüngste Bruder berief sich als zweiter Zeuge auf fehlende Erinnerungen: „Wir waren besoffen. Als wir das Video sahen, waren wir alle schockiert.“

Update, 13.50 Uhr: Der mutmaßliche Täter, Svetoslav S., ließ erklären, er habe in der Tatnacht zum 27. Oktober neben Bier und Wodka auch Haschisch, Chrystal Meth und Kokain konsumiert. "Im Laufe des Abends hat mich mein älterer Bruder provoziert", sagte S. über einen seiner Begleiter. Da er zudem Streit mit seiner Frau gehabt habe, sei er frustriert gewesen. An den Angriff habe er keine Erinnerung, erklärte S. - erst Mutter und Schwester hätten ihm das Video gezeigt. 

"Ich fand das, was ich gesehen haben, selbst grauenhaft." Svetlanka M. bestätigte vor Gericht weitgehend die Aussagen ihres Manns. Zusammen haben die beiden drei Kinder. Einen Eheschein hingegen haben sie nicht: Sie wurden im Alter von 15 Jahren verheiratet. Vor einem Jahr seien sie nach Berlin gekommen und lebten vom Kindergeld sowie von Gelegenheitsjobs des Angeklagten, sagte die 27-Jährige. Die Ehefrau erklärte das Verhalten des Angeklagten mit einer schweren Kopfverletzung, die S. bei einem Autounfall erlitten habe. Ihr Mann sei seitdem aggressiv, trinke viel und kiffe täglich. Ein Gutachter sollte zur psychischen Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten aussagen. Womöglich ist S. nicht voll schuldfähig.

Update, 12.35 Uhr: Der Neustart im Prozess um die brutale Attacke gegen eine Passantin auf einer Berliner U-Bahn-Treppe hat mit einem Geständnis des Angeklagten begonnen. Er gebe zu, dass er die Frau  die Treppe hinuntergetreten habe, erklärte der 28-Jährige am Montag zu Verhandlungsbeginn vor dem Landgericht Berlin. Allerdings habe er keine konkreten Erinnerungen an die Tat und sei erst durch die Veröffentlichung der Videoaufnahmen darauf aufmerksam geworden, hieß es weiter in der von einem seiner Verteidiger verlesenen Erklärung. Damals habe er unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen gestanden. Er wolle sich bei der Geschädigten ausdrücklich entschuldigen.

Dem Mann aus Bulgarien werden zudem exhibitionistische Handlungen zwei Wochen vor der Attacke im U-Bahnhof zur Last gelegt. Zu diesen Vorwürfen wolle er sich nicht äußern, erklärte der 28-Jährige.

Berlin - Der Prozess um die brutale Tritt-Attacke gegen eine Frau auf einer U-Bahn-Treppe in Berlin startet heute im zweiten Anlauf. Vor dem Landgericht Berlin muss sich ein 28-Jähriger wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Er soll die arglose Passantin in einer Nacht Ende Oktober 2016 mit einem wuchtigen Tritt in den Rücken eine Treppe hinuntergetreten haben. In einem ersten Anlauf war das Verfahren noch vor Verlesung der Anklage ausgesetzt worden. Grund war ein Befangenheitsantrag gegen eine Schöffin. Nun soll der Prozess mit neuen ehrenamtlichen Richtern starten.

Der verdächtige Bulgare sitzt in Untersuchungshaft. Er war zunächst untergetaucht und mit Haftbefehl gesucht worden. Der Verdächtige soll die Tat in Vernehmungen gestanden haben, hieß es im Gericht. Ein Gutachter soll im Prozess prüfen, ob der Mann schuldfähig ist. Möglicherweise stand er bei der Tat unter Drogen oder Alkohol.

Das damals 26-jährige Opfer erlitt einen Armbruch und eine Verletzung am Kopf. Die Frau tritt in dem Prozess als Nebenklägerin auf. Am Montag wird sie noch nicht im Gericht erwartet. Sie sei als Zeugin für den 29. Juni geladen, hieß es.

Bei einer Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung droht dem Angeklagten eine Haftstrafe ab sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

dpa/afp

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