Mehr als 400 Kinder festgehalten

Nach Skandal: Mexikanische Heimleiterin in Klinik

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Mehr als 400 Kinder wurden aus dem Internat "La Gran Familia" befreit.

Zamora - Die Leiterin eines umstrittenen Kinderheimes in Mexiko erlitt in der Haft einen Nervenzusammenbruch. Mexikanische Prominente zeigen sich mit der Heimgründerin solidarisch.

Die Gründerin des nach einem Kindesmissbrauchskandal geschlossenen mexikanischen Internats „La Gran Familia“ hat nach Medienberichten in der Haft einen Nervenzusammenbruch erlitten. Nach den Angaben vom Donnerstag wurde Rosa del Carmen Verduzco am Mittwoch in Zamora im Bundesstaat Michoacán in ein Krankenhaus gebracht. Sie habe auch Herz- und Diabetesprobleme gehabt, hieß es. Nach der Befreiung von mehr als 400 Kindern aus dem Internat „Die große Familie“ war Verduzco zusammen mit acht Mitarbeitern festgenommen worden.

Soldaten und Polizisten hatten zuvor rund 600 Menschen aus dem Internat in Zamora im Bundesstaat Michoacán geholt. 438 von ihnen sind minderjährig, sechs davon im Babyalter. Die Gründerin des Heimes, Verduzco, sowie acht Mitarbeiter wurden festgenommen. Ihr wird Freiheitsberaubung vorgeworfen.

Die Verhaftete bekam unterdessen Unterstützung von prominenten mexikanischen Persönlichkeiten. Zwar waren bereits 2010 Vorwürfe gegen „La Gran Familia“ laut geworden, doch in Michoacán galt sie als angesehene Frau. „Mamá Rosa, ich bin solidarisch mit dir. Ich weiß, dass du stark bist, und ich weiß um all das Gute, dass du für Tausende Kinder und Jugendliche getan hast“, schrieb Ex-Präsident Fox am Mittwoch auf Twitter. „Habe Mut. Ich schicke dir eine feste Umarmung.“

Kinder wurden in sechs Quadratmeter große Zelle gesperrt

Auch der Historiker Enrique Krauze verteidigte die Frau. „Dadurch dass sie sich 66 Jahre lang um Waisenkinder gekümmert hat, nahm Rosa den sozialen Platz ein, den der Staat nicht besetzte“, schrieb er auf Twitter. Zum Alter der Frau gab es unterschiedliche Angaben. Einige Zeitungen schrieben sie sei 80, andere 79.

Nach der Befreiung von mehr als 400 Kindern aus einem Heim im Westen Mexikos kommen immer mehr Details über die menschenunwürdigen Zustände in der Einrichtung ans Licht. So seien die Kinder zur Strafe für lange Zeit ohne Essen und Trinken in eine sechs Quadratmeter große Zelle eingesperrt worden, sagte der Chefermittler der Generalstaatsanwaltschaft, Tomás Zerón, auf einer Pressekonferenz am Mittwoch.

„Die Bewohner haben unter unmenschlichen Bedingungen gelebt“, sagte Zerón. So hätten die Ermittler rund 20 Tonnen Müll in den Schlaf- und Speisesälen des Heims entdeckt. Die Kinder seien zum Betteln gezwungen worden, hätten sich von verfaulten Lebensmitteln ernähren müssen und auf dem Boden zwischen Insekten und Ratten geschlafen. Zudem hätten die Kinder von sexuellem Missbrauch berichtet, sagte Zerón.

Auch Erwachsene im Alter von 18 bis 40 Jahren seien gegen ihren Willen festgehalten worden. So habe eine der befreiten Frauen der Polizei berichtet, sie habe die Einrichtung mit 18 Jahren verlassen wollen, sei aber 13 weitere Jahre festgehalten worden. In dieser Zeit brachte die Frau nach eigenen Angaben zwei Kinder zur Welt. Diese seien ihr weggenommen worden. Heimgründerin Verduzco ließ zahlreiche Neugeborene bei den Behörden auf ihren Namen registrieren.

dpa

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