Festnahmen in Deutschland

Brüsseler Terroristen: Führt ihre Spur auch zu uns?

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Polizeieinsätze in Europa: Wie hier in Brüssel werden auch in Deutschland und Frankreich Verdächtige festgesetzt.

München - Der Terroranschlag in Brüssel zieht immer weitere Kreise. Auch in Deutschland greifen die Beamten Verdächtige auf. Ein Bruder eines Attentäters meldet sich zu Wort.

Trauer, Wut und der Wunsch nach Gerechtigkeit. Es sind die vorherrschenden Gefühle nach den schrecklichen Attentaten von Brüssel am vergangenen Dienstag mit mindestens 31 Toten und über 300 Verletzten. Mit jeder fortlaufenden Stunde kommen immer mehr Details ans Licht: Die Polizei macht Jagd auf einen vermutlichen fünften Attentäter, der kurz vor der Explosion in der Brüsseler Metro gesichtet wurde. Nach Razzien in der belgischen Hauptstadt und in Paris nahm die Polizei weitere Terrorverdächtige fest - in Paris soll gar ein Anschlagsplan vereitelt worden sein. Und jetzt werden auch Spuren der Terroristen nach Deutschland vermutet.

In Gießen und im Raum Düsseldorf wurden am Mittwoch und Donnerstag zwei Verdächtige festgenommen. Das berichtet der Spiegel. Demzufolge soll der Verdächtige aus Gießen, ein 28-jähriger Marokkaner, zwei SMS auf seinem Handy haben, die unter anderem den Namen des U-Bahn-Attentäters von Brüssel, Khalid El Bakraoui, enthalten. Eine weitere Nachricht sei am Dienstag um 9.08 Uhr gesendet worden, keine drei Minuten vor dem Anschlag auf die U-Bahn. Sie enthielt ein einziges Wort: fin - französisch für Ende!

Bei dem zweiten Verdächtigen, der im Raum Düsseldorf aufgegriffen wurde, handelt es sich nach Informationen des Spiegel um den in der Salafistenszene bekannten Samir E. Er sei, ebenso wie Ibrahim El Bakraoui, im Sommer 2015 von türkischen Behörden im syrischen Grenzgebiet aufgegriffen worden. Offenbar hatten sie sich nach Syrien absetzen wollen, um auf islamistischer Seite im syrischen Bürgerkrieg zu kämpfen. Beide wurden von den türkischen Behörden nach Amsterdam abgeschoben, wo sie ihre Reise begonnen haben sollen.

Festnahmen auch in Brüssel und Paris

Trauer in Brüssel.

Doch nicht nur in Deutschland war die Jagd auf Verdächtige erfolgreich. Auch in Brüssel und Paris konnten Ermittler Personen festsetzen. Allein in der belgischen Hauptstadt gab es am Donnerstagabend gleich mehrere Aktionen, bei denen sieben Verdächtige abgeführt wurden. Am Freitag kam es laut des belgischen Fernsehsenders RTBF bei einer weiteren Razzia im Bezirk Schaerbeek zu zwei Explosionen. Dabei konnte ein Verdächtiger festgenommen werden. Ob es eine Verbindung zu den Anschlägen vom Dienstag gäbe, sei noch nicht klar. Ebenfalls könnte der Einsatz auch mit der Festnahme aus Paris zusammenhängen.

Wie das französische Innenministerium mitteilte, habe man durch jenen Zugriff am Donnerstag einen Anschlagsplan im "fortgeschrittenen Stadium" verhindert. Der Verdächtige sei Franzose und soll eine wichtige Rolle bei der Anschlagsplanung gespielt haben.

Die Festnahmen lassen zumindest ein wenig hoffen, dass mehr Licht ins Dunkel des Terrornetzwerkes in Europa kommt. Warnungen vor weiteren Anschlägen bleiben. Aus einem CNN-Bericht geht hervor, dass US-Sicherheitsbehörden Erkenntnisse über weitere Terrorpläne des Islamischen Staates (IS) vorlägen. Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, warnt ebenfalls vor weiteren Anschlägen in Europa und auch in Deutschland. Zur Bild sagte er, der IS rufe seine Anhänger verstärkt dazu auf, Anschläge in den Heimatländern der „Ungläubigen“ zu verüben. Münchs mahnende Worte: "Das bedeutet: Die Bedrohungslage in Europa bleibt hoch. Weitere Anschläge sind nicht auszuschließen."

Wenn der Bruder Terrorist wird

Mourad Laachraoui.

Mourad Laachraoui (20) ist erfolgreicher Taekwondo-Kämpfer. Nahm an Weltmeisterschaften teil, repräsentierte die belgische Fahne mit Stolz. Sein Bruder ist Najim Laachraoui, einer der Attentäter vom Brüsseler Flughafen. Am Donnerstag äußerte sich Mourad Laachraoui: "Ich wollte nicht glauben, dass er es war, aber man kann sich seine Familie nicht aussuchen." Er sei "betroffen" und "niedergeschlagen".

Bereits zuvor hatte Mourad in einer kurzen Mitteilung erklärt, seine Familie habe keinen Kontakt zu Najim mehr gehabt, seit dieser im Februar 2013 nach Syrien gereist sei. Die Ausreise habe die Familie der Polizei gemeldet, woraufhin aber nichts Wesentliches geschehen sei. Erst nach den Attentaten von Paris im November habe es eine Hausdurchsuchung gegeben. "Man hat uns gesagt, dass es eventuell eine Verbindung gibt", sagte Mourad. Nach den Anschlägen vom Dienstag wiederum habe die Familie nichts von der Polizei gehört. "Ich versichere, dass es keinen Kontakt gab", erklärte Mourad.

Deutsches Todesopfer bestätigt

Es ist traurige Gewissheit: Unter den Todesopfern der Anschläge von Brüssel, bei dem 31 Menschen ihr Leben verloren und über 300 verletzt wurden, ist auch eine Frau aus Aachen.

Das teilte die Aachener Polizei am Freitag mit. Sie galt nach den Anschlägen in der belgischen Hauptstadt am Dienstag zunächst als vermisst, ihr Mann wurde schwer verletzt in ein belgisches Krankenhaus eingeliefert.

"Nach heutigen Hinweisen der belgischen Polizei teilen wir mit, dass die bislang als vermisst geltende Ehefrau als ein Todesopfer des Anschlages am Brüsseler Flughafen identifiziert wurde", erklärte die Aachener Polizei.

DL

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