Die wichtigsten Fragen und Antworten

Nazi-Zug: Enthält er Schätze? Oder Gefährliches?

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In einem unterirdischen Tunnelsystem soll der Zug verschüttet sein.

Breslau - Es wäre ein Sensationsfund. Ein Zug der Nazis, möglicherweise vollgepackt mit wertvollen Schätzen! Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

Unter einer Bahnstrecke zwischen den polnischen Städten Breslau und Waldenburg soll ein bisher unentdeckter Panzerzug der Nazis liegen. Nach ersten Untersuchungen wurde das Objekt in 70 Metern Tiefe vermutet, Piotr Zuchowski, Leiter der polnischen Denkmalschutzbehörde, war sich sogar „zu 99 Prozent sicher“, dass das Stahlungetüm in einem unterirdischen Stollen liegt.

Ortslegenden berichten sogar von zwei Zügen, die in den letzten Kriegsmonaten in der Region spurlos verschwanden. Am Montag äußerten die Behörden in Niederschlesien aber Zweifel an der Entdeckung und kündigten genaue Untersuchungen an. Die abgegebenen Beweise sind demnach nicht so genau, wie zunächst vermutet. Die angebliche Fundstelle soll derweil von Polizisten gesichert werden. Hobby-Schatzsucher versuchen vor Ort ihr Glück, vor eigenen Unternehmungen wird allerdings ausdrücklich gewarnt. Wer es dennoch versucht, wird mit einem Bußgeld belegt.

Gestern Abend gab es nahe des angeblichen Fundortes ein Feuer. 200 Quadratmeter Wald brannten. Die Brandursache ist unklar. Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem angeblichen Fund.

Was ist bisher bekannt? 

Zwei Männer, ein Pole und ein Deutscher, haben in der vergangenen Woche den polnischen Behörden mitgeteilt, sie hätten Hinweise auf einen unter der Erde versteckten Panzerzug der Nazis. Diese sollen sie von einem Mann auf dem Sterbebett bekommen haben. Angebliche Radaraufnahmen bestätigten, dass unter der Erde ein knapp 100 Meter langer Zug verborgen sei, wie der polnische Denkmalkonservator Piotr Zuchowski bekanntgab.

Wurde der Fund nachgewiesen?

Der Münchner Historiker Karl Esser (Aktuelles Buch: Hitlers Gold, Devisen und Diamanten) bezweifelt im tz-Gespräch die Genauigkeit der Bilder: „Man kann über hochwertiges Georadar nur Bodenverwerfungen innerhalb des umgebenden und untersuchten Bodens farblich am PC erkennen und unterscheiden.“ Einen ganzen Zug in einer solchen Tiefe zu orten, ist laut Esser nicht möglich. Tomasz Smolarz, Verwaltungschef des Bezirkes Niederschlesien dementierte gestern die Existenz von Georadarbildern, die angeblich von den anonymen Entdeckern vorgelegt wurden. Es herrscht also Verwirrung.

Ist ein versteckter Nazi-Zug realistisch? 

In dem Gebiet gibt es eine Reihe unterirdischer Stollen, die die Nazis unter dem Codenamen „Riese“ hatten bauen lassen. Geschützt vor Luftangriffen der Alliierten sollten dort ursprünglich Waffen produziert werden. Es hält sich aber auch das Gerücht, dass gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ein Zug der Nazis voller Gold verschwand. Doch auch hier hat Esser seine Zweifel: „Ich glaube nicht daran. Die Bahnhöfe haben damals alle Züge, auch Panzerzüge registriert. Dieser Zug muss ja irgendwie dort hingekommen sein.“

Könnten Schätze gefunden werden? 

„Kostbarkeiten, Kunstwerke, sogar Archive, von deren Existenz wir wussten, ohne dass sie gefunden wurden“, aber auch „gefährliche Gegenstände“ könnten laut Zuchowski vorhanden sein. Ob dort tatsächlich Gold gelagert ist, weiß niemand. Wegen der Panzerung des angeblichen Zuges wird davon ausgegangen, „dass es Objekte von Wert geben kann“. Die beiden Entdecker haben den Behörden mitgeteilt „Edelmetalle, Wertgegenstände und Industriematerialien“ seien an Bord. Dennoch: Bisher ist alles reine Spekulation.

Was sagen die Experten?

Die Niederschlesische Historische Gesellschaft wehrt sich gegen die angeblich positiven Berichte eines Fundes: „Unsere langjährige Grabungserfahrung und die Archivmaterialien weisen eindeutig darauf hin, dass die Informationen über die Entdeckung des Panzerzuges nicht stimmen“. Auch Esser hat Zweifel: „Es ist etwas unrealistisch. Was das Gold der Reichsbank betrifft, wurde ja schon alles gefunden.“

Wer profitiert?

Momentan vor allem die Touristikplaner rund um Waldenburg. Die Gerüchte um einen möglichen Goldschatz heizen das Interesse an der Stadt an. Das Fürstenschloss, unter dem sich laut Ortslegenden unterirdische Tunnel verbergen sollen (Bild links), rührt die Werbetrommel. Es sei „wie ein Loch-Ness-Effekt“, sagt der Vorsitzende der Schlossgesellschaft, Krzysztof Urbanski. „Niemand hat das Monster gesehen, aber es zieht die Leute an.“ Ab nächster Woche können Touristen dort „Goldzug“-T-Shirts kaufen.

Wie geht es jetzt weiter?

Hobby-Schatzsucher werden dazu aufgerufen, die selbstständige Suche zu unterlassen, da der Zug, sollte er denn wirklich existieren, vermint sein könnte. Ungeachtet ihrer Zweifel kündigten die Behörden von Niederschlesien an, den angeblichen Fundort an der Bahnstrecke zwischen Breslau und Waldenburg von der Polizei sichern zu lassen. Derweil sollen jegliche Informationen zu dem angeblichen Fund vom historischen, geologischen, geografischen und technischen Standpunkt aus analysiert werden. Die Gegend soll nun in den kommenden Tagen tatsächlich intensiv mit einem Geo-Radar untersucht werden.

DL

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