Neue Personalausweise: Das steckt dahinter!

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Nach dem Pass ist nun der Ausweis dran: Wer will, kann den Fingerabdruck darauf speichern lassen.

Berlin - Ein neuer Chip soll das sichere Surfen im Internet ermöglichen.

Eine Chip-Karte, mit der sich der Bürger nicht nur gegenüber dem Staat, sondern auch im Computer ausweisen kann, um Geschäfte abzuwickeln: Mit dem neuen „E-Ausweis“ will die Bundesregierung das Surfen im Internet sicherer machen!

Anders als beim seit 1. November 2007 gültigen elektronischen Pass ist beim neuen E-Ausweis die Speicherung von Fingerabdrücken nicht verpflichtend.

Das Kabinett wird die Pläne für das neue Personal-Dokument morgen beschließen. Nach heftigem Streit zwischen CDU-Innenminister Wolfgang Schäuble und SPD-Justizministerin Brigitte Zypries, ob auf dem neuen E-Ausweis auch der Fingerabdruck gespeichert werden soll, einigte sich die Große Koalition auf einen Kompromiss: Jeder Bürger kann selbst entscheiden, was er auf seinem Ausweis gespeichert haben will. Es gibt folgende drei Varianten:

1. der Personalausweis nur mit den bisher schon üblichen Daten

2. der besonders fälschungssichere Personalausweis mit gespeicherten Fingerabdrücken

3. der E-Ausweis mit einem Zusatz-Chip für die Internet-Identifikation.

Und so funktioniert dieser Internet-Chip: Der Ausweis-Inhaber erhält eine Geheimnummer und muss seinen Computer mit einem Lese-Gerät ausstatten, in das er den Personalausweis steckt. So kann er sich dann im Internet eindeutig gegenüber möglichen Geschäftspartnern zu erkennen geben. Und das Online-Banking oder der Einkauf am PC wird sicherer.

„Damit kann man Adress- und Altersangaben prüfen. Damit kann auch Identitätsmissbrauch – das Segeln unter falscher Flagge im Internet – verhindert werden“, so der Bundes-Datenschutzbeauftragte Peter Schaar. So soll auch ausgeschlossen werden, dass Minderjährige im Internet Zugriff auf Pornoseiten oder Waffenkauf bekommen. Umgekehrt kann auf Chat-Seiten für Kinder ausgeschlossen werden, dass sich dort auch Erwachsene tummeln.

Wer darüber hinaus via Internet rechtsgültige Verträge abschließen will – beispielsweise beim Wohnungskauf gegenüber einem Notar – kann künftig sogar eine elektronische Unterschrift hinterlegen. Für diese E-Signatur gibt es eine zweite Extra-Geheimnummer. Auf die Datenmenge, aus der Foto oder Fingerabdruck zusammengesetzt sind, soll nur der Staat Zugriff haben.

Die Kosten sollen je nach Ausweis-Typ zwischen acht und 59 Euro liegen.

Der Chip, der vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik entwickelt wird, soll spätestens Ende 2010 nutzbar sein. Der Ausweis muss aber erst dann erneuert werden, wenn der alte abgelaufen ist. Wer aber den Computer-Chip haben will, kann die neue Kenn-Karte durchaus auch schon vor Ablauf des alten Ausweises beantragen.

KR.

„Der beste Ausweis der Welt“ - SPD-Innenexperte Wiefelspütz schwärmt: Das wird ein Export-Schlager

Noch soll der E-Ausweis nur ein unverbindliches Angebot sein – aber muss der Bürger nicht doch befürchten, dass in Zukunft auch im Ausweis der Fingerabdruck Pflicht wird?

SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz: Wir haben zur Kenntnis zu nehmen, dass es Vorbehalte gegen den Fingerabdruck im Personalausweis gibt. Ich persönlich bin zwar überzeugt, niemand muss Angst davor haben. Aber wenn es bei den Bürgern Ängste gibt, berücksichtigen wir das – und deshalb die Freiwilligkeit. Ich vermute aber, dass viele Menschen diese Bedenken gar nicht teilen. Beim E-Pass, wo der Fingerabdruck Pflicht ist, gibt es bislang keine Probleme und keine Beanstandungen der Bürger.

Sind die Vorteile im Internet nicht nur Zuckerl, um die Vorbehalte der Bevölkerung gegen den fälschungssicheren Ausweise Stück für Stück abzubauen?

Es geht hier nicht um ein Zuckerl oder so etwas. Es geht hier auch weniger um Sicherheitsinteressen des Staates als um Sicherheitsinteressen des Bürgers. Der Bürger bekommt einen Ausweis, durch den er als Verbraucher im Internet besser geschützt ist. Die Fälschungssicherheit ist nicht das Thema, denn der bisherige Ausweis ist ja bereits fälschungssicher. Es geht auch nicht um Terrorismus-Bekämpfung. Ich wäre für diesen E-Ausweis, selbst wenn es keinen einzigen Terroristen auf der Welt gäbe! Denn wir haben hier einfach den besten Ausweis der Welt! Egal ob Wohngeld oder Steuererklärung, Online-Banking oder Rechtsgeschäfte: Das Internet wird durch diesen Personalausweis einfach sicherer. Auch der Jugendschutz im Internet wird verbessert. Ich kann dort künftig mein Alter zweifelsfrei nachweisen, wenn es etwa um Porno-Seiten geht. Wir werden durch diesen Ausweis die Welt verändern!

Der Chaos Computer Club hat ja sogar die Fingerabdrücke von Innenminister Schäuble geklaut. Wird nicht auch der neue E-Ausweis von Hackern geknackt werden können?

Ich will freimütig einräumen, dass es keine Technik gibt, die nicht auch fehlerbehaftet ist. Das gilt sicher auch für den E-Personalausweis. Aber das System ist so sicher, dass es nur mit erheblichem kriminellen und High-Tech-Aufwand möglich sein wird, das zu umgehen. Der neue Ausweis bedeutet nicht weniger, sondern mehr Sicherheit. Im übrigen: Den Chaos Computer Club werden wir zu unseren Anhörungen einladen – die sind längst nicht mehr „Chaos“, sondern werden vom Deutschen Bundestag als Experten anerkannt und sogar respektiert.

Welche Daten werden wir noch abgeben müssen: Iris-(Augen-)Scanning, die ganze Handfläche...

Die Sicherheitstechnik wird sich natürlich weiterentwickeln. Ich weiß nicht, wie der Personalausweis in 50 Jahren aussehen wird. Aber mit dem jetzigen Personalausweis bieten wir einen sehr ausgereiften, anspruchsvollen Ausweis an. Unser E-Ausweis wird weltweit der Goldstandard sein! Ich will nicht zu sehr schwärmen, aber wir bauen nicht nur die besten Autos der Welt in Deutschland, sondern jetzt auch die besten Pässe und Ausweise.

Werden Sie sich den neuen Ausweis zulegen, wenn er spätestens ab 2010 ausgestellt wird?

Selbstverständlich! Ich möchte den Ausweis mit allen Schikanen! Auch mit dem Fingerabdruck, aber vor allem die Internetfähigkeit interessiert mich sehr, um mein Leben im Netz noch sicherer als bisher gestalten zu können.

Interview: Klaus Rimpel

tz-Stichwort Personalausweis

Wer nicht mit einem Pass beweisen kann, wer er ist, muss in Deutschland ab dem 16. Lebensjahr einen Personalausweis besitzen. Vorläufer des Personalausweises war 1938 eine Kennkarte, deren Mitführen zunächst nur für Juden verpflichtend war. Mit dem Zweiten Weltkrieg verordneten die Nationalsozialisten einen allgemeinen Ausweiszwang. Bis 1987 war der „Perso“ ein graugrünes Heftchen. Weil sich die Behörden mehr Fälschungssicherheit versprachen, wurde das Dokument auf die heutige Größe verkleinert, mit einer Zahlencode-Reihe maschinenlesbar gemacht und in Plastik eingeschweißt. 2001 musste da allerdings nochmal nachgebessert werden: Seitdem tragen die Karten Hologramme, unter anderem eines vom Ausweis-Besitzer.

Quelle: tz

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